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Milchproduktion

FAO: Globaler Milchsektor wächst

von , am
14.08.2010

Wien - Der globale Milchsektor wird in den nächsten zehn Jahren einer der am schnellsten wachsenden Sektoren der Lebensmittelbranche sein.

© agrarfoto.com

Im Jahr 2019 dürfte die weltweite Milchproduktion um 170 Millionen Tonnen höher ausfallen als im Durchschnitt der Jahre 2007 bis 2009. Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 2,1 Prozent. Dies geht laut AMA aus dem vor Kurzem publizierten "OECD-FAO Agricultural Outlook 2010" hervor. 80 Prozent dieses Zuwachses werden der Prognose zufolge außerhalb der OECD-Länder stattfinden. China, Indien, Pakistan, Argentinien und Brasilien werden für die Hälfte der Steigerung der Milchproduktion verantwortlich sein.

Insbesondere die Schwellenländer werden sich in den kommenden Jahren besonders bemühen, ihre Erzeugung zu steigern. Ein weltweit besseres Zuchtmaterial wird laut FAO für höhere Milcherträge sorgen.

Wettbewerb um Land

Wo neue Milcherzeugungszentren entstehen werden, das wird von den politischen Rahmenbedingungen, den Marktgegebenheiten, vom Verhältnis der Preise für die erzeugte Rohmilch und vom notwendigen Futtermittel abhängen. Zunehmende Einflussfaktoren für die günstigen Milchproduktionsstandorte werden der verstärkte Wettbewerb für das Land, welches für die Futtergewinnung benötigt wird, verfügbares Wasser, die allgemeinen Rahmenbedingungen des Umweltschutzes und der Einfluss des Klimawandels sein. Erschwerend wirkt sich die Verschlechterung des natürlichen Graslandes in vielen Gebieten der Erde auf die Produktionsbedingungen aus.

Generell wird in der Studie festgestellt, dass die Verlagerung der Milchproduktion vom Norden zum Süden, von Europa und Nordamerika nach Asien, Lateinamerika und Ozeanien voranschreitet. China wird ebenfalls eine besondere Rolle spielen. Auf die Produkte umgelegt, könnte der Zuwachs an Anlieferungsmilch von 170 Millionen Tonnen eine Steigerung der Produktion von 31 Prozent bei Vollmilchpulver, 28 Prozent bei Butter, 20 Prozent bei Käse und neun Prozent bei Magermilchpulver bedeuten. Damit würde die globale Butterherstellung bis zum Jahr 2019 auf 12,38 Millionen Tonnen zunehmen, die Käseproduktion auf 23,22 Millionen Tonnen, die Erzeugung von Magermilchpulver auf 3,72 Millionen Tonnen und jene von Vollmilchpulver auf 5,59 Millionen Tonnen.

Verbrauch nimmt in Nicht-OECD-Ländern zu

Der Verbrauch von Molkereiprodukten wird laut der Prognose in den Nicht-OECD-Ländern zunehmend populärer. Diese Erzeugnisse weisen eine hohe Preis- und Einkommenselastizität auf. Dies bedeutet eine sensible Reaktion in beide Richtungen: Beim Einkommenszuwachs wird schnell zu hochwertigen Milchprodukten gegriffen, aber beim Einkommensrückgang, wie in ökonomischen Krisenzeiten, werden die hochwertigen, aber gleichzeitig hochpreisigen Waren am schnellsten wieder weggelassen. Die Nicht-OECD-Länder werden die Nachfrage nach allen Milchproduktgruppen in dieser Reihenfolge erhöhen: Vollmilchpulver, Butter und Käse.

Auf der Konsumseite dominieren die OECD-Staaten mit drei Viertel des weltweiten Käseverbrauchs. Die Anpassung an die westlichen Lebensgewohnheiten in den Entwicklungsländern wirkt sich tendenziell auf die Erhöhung des Käsekonsums durch den Verzehr von Pizza, Hamburger und Sandwich aus. Andererseits bleibt in Japan als hochentwickeltem Land mit einem Pro-Kopf-Konsum von 2 kg jährlich noch genug Spielraum für eine massive Steigerung des Käseabsatzes. Die Gesamtheit der Entwicklungsländer weist einen Verbrauch von 0,8 Kilogramm Käse pro Kopf und Jahr aus.

Neuseeland bleibt weiterhin größter Exporteur

Der Welthandel für Milchprodukte wird durch die starke Zunahme der Eigenproduktion in vielen Ländern (auch bei der Trinkmilch) abnehmen und zwischen sechs und sieben Prozent betragen. Die weltweit gehandelten Mengen werden laut FAO-Berechnungen für Vollmilchpulver und Käse um 14 Prozent, für Magermilchpulver um sechs Prozent zunehmen, aber für Butter um vier Prozent schrumpfen. Neuseeland wird weiterhin der größte Exporteur von Milchprodukten mit einem Anteil von 35 Prozent am Welthandel bleiben. Dies ist umso bemerkenswerter, da das Land nur 2,3 Prozent der Weltmilcherzeugung repräsentiert.

Der größte Produzent von Kuhmilch ist mit großem Abstand die EU, gefolgt von den USA und Indien. Wegen des geringen Eigenkonsums exportiert Neuseeland aber 90 Prozent der angelieferten beziehungsweise verarbeiteten Milch. Die Produkte (Butter, Cheddar-Käse und Milchpulver) werden in großen Einheiten erzeugt und sind sehr kostengünstig. Brasilien und Argentinien werden zunehmend als Exporteure auf den Weltmärkten auftreten. Die wichtigsten Importländer für Butter bleiben weiterhin Russland und Ägypten. Die größten Käseimporteure sind und bleiben Russland, Japan, Mexiko und die USA.

Preise tendieren nach oben

Aus der Prognose von OECD-FAO geht weiters hervor, dass die Preise in nominalen als auch in realen Werten steigen werden. In realen Preisen dürfte der Anstieg bis zum Jahr 2019 zwischen 15 und 40 Prozent über dem Niveau der Dekade vor der Preisexplosion 2007/2008 liegen. Hohe Erlöse für pflanzliche Öle und die Energiekosten bei der Erzeugung düften vor allem die Butterpreise in die Höhe schnellen lassen. Die kurzfristigen Preisaussichten sind noch wegen der bestehenden hohen Lagerbestände in der EU und in den USA gedämpft. Ab 2012 soll es dann mit den Notierungen, mit einer Jahresrate von zwei bis drei Prozent, aufwärts gehen.

Die treibenden Kräfte für die Nachfragesteigerung und die Preiserhöhung der Milchprodukte werden das globale Bevölkerungswachstum, die Belebung der Weltwirtschaft und noch dazu die höheren Produktionskosten in den nächsten zehn Jahren sein. Einschränkend stellt die FAO fest, dass seit den Jahren 2006 bis 2008 die kurzfristige Volatilität erheblich zugenommen hat. Die in diesem "Outlook" unterstellten Preise beruhen überdies auf der Annahme "normaler" Bedingungen. "Unsicherheiten im Hinblick auf Witterungsbedingungen, makroökonomische Faktoren, Politik-Interventionen und insbesondere auf die Energiepreise bedeuten, dass die Agrarpreise unvorhersehbar bleiben werden", geben die Experten zu bedenken. Die staatlichen Stellen könnten daher die Risikomanagement-Strategien der Landwirte unterstützen. (aiz)

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