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Rinderzucht

Fitte Kälber züchten

Holsteinbulle Pageone
am Mittwoch, 22.01.2020 - 05:00

Kälber aufziehen ist teuer. Darum müssen sie gesund ins Leben starten. Hierbei kann ein neuer, amerikanischer Zuchtwert helfen.

Die Aufzucht einer Färse kostet mindestens 1.850 Euro. Bei einer jährlichen Milchleistung von etwa 9.000 kg je Kuh und einer Reproduktionsquote von über 32 Prozent entspricht dies einem Aufwand von mehr als 7,5 Cent/kg Milch. Ein Weg, diese Kosten zu verringern, besteht im Senken des Erstkalbealters auf unter 27 Monaten. Eine andere Möglichkeit ist es, die Verluste in der Kälber- und Jungrinderaufzucht zu senken.

Gesundheit und Genomik

Die Ursachen für die Aufzuchtverluste sind meist umwelt- beziehungsweise managementbedingt. Allerdings können auch genetische Gründe genannt werden. Genetische Analysen zum Verlustgeschehen und zu ausgewählten Kälberkrankheiten bestätigen eine genetische Beteiligung. Die zugehörige Erblichkeit ist ähnlich hoch wie für eine Mastitis oder Klauenerkrankung bei Kühen. Die Berücksichtigung des Erkrankungs- und Verlustgeschehens in der Züchtung ist somit möglich. Entsprechende Aktivitäten sind bei Holsteins in Dänemark, den Niederlanden und den USA sowie beim Fleck- und Braunvieh in Österreich zu finden. 
In den USA wurde von einem Pharmakonzern ein genomisch gestützter Gesundheitscheck für Kälbervitalität entwickelt. Er ist gleichzeitig für die genomische Selektion von potenziellen Zuchtbullen geeignet – der Kälber-Wellness-Index (Calf Wellness Index (CW$). Die Einzelmerkmale werden unterschiedlich gewichtet. Besonderes betont wird die Gesamtmortalitätsrate in der Aufzucht. 

Vitale Kälber

Holsteinbulle Jaguar

Der US-Zuchtverband hat diesen Zuchtwert inzwischen etabliert und publiziert die Ergebnisse. Ein hochbewerteter US-Vererber bezüglich der Kälbergesundheit (CW$) ist zum Beispiel Pageone. Er erreicht einen CW$ von +66. Vergleicht man die CW$-Zuchtwerte mit den Zuchtwerten für andere Merkmale derselben Vatertiere, so zeigt sich die Unabhängigkeit diese Merkmalskomplexes. Das bedeutet, nur wenn gesicherte genetische Informationen zur Kälbergesundheit vorliegen, kann dieses Merkmal bei der Bullenauswahl berücksichtigt werden.
Der CW$ ermöglicht es, die Jungbullenauswahl weiter zu qualifizieren. Gleichzeitig kann damit das Tierwohl in der Aufzucht züchterisch gesteigert werden. Allerdings kann die Züchtung keine tierärztlichen Behandlungen in der Aufzucht ersetzen. Auch in Deutschland sind mehrere Forschungsprojekte in Arbeit, mit denen die genetische Veranlagung der wichtigen Gesundheitsmerkmale in der Aufzucht zukünftig erfasst werden sollen. 

Fazit Kälberzucht

Das richtige Management und eine gute Haltung und Versorgung der Kälber ist wichtig, damit sie fitte Kühe werden. Allerdings kann eine gezielte Bullenauswahl diese Maßnahmen zum Verbessern der ­Vitalität der Nachzucht zusätzlich unterstützen

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