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Zucht

Fleckvieh: Genomisch selektiert, zunehmend exportiert

von , am
31.12.2012

Die genomische Selektion ist in der Fleckviehzucht angekommen. Die Besamungszahlen mit genomischen Jungvererbern steigen und auch die internationalen Märkte lernen das Fleckvieh zunehmend schätzen.

Ein hornloser Vererber mit guten Leistungs- und Exterieurzuchtwerten bietet für die Zuchtorganisationen einen wirtschaftlichen Vorteil. © vm/agrarheute
Seit August 2011 bietet der Besamungsverein Neustadt/Aisch (BVN) genomische Jungvererber an. "Wir merken von Monat zu Monat, dass die Jungvererber stärker von den Landwirten akzeptiert werden", erklärte Dr. Johannes Aumann vom Besamungsverein Neustadt am Rande der EuroTier in Hannover im Gespräch mit Max Riesberg, Redakteur beim Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt. Im Moment stammen 25 Prozent des Spermas des BVN von genomischen Jungvererbern. Die Zahl steigt monatlich um einen halben bis einen Prozentpunkt.

Alternative Zuchtlinien wichtig

Für die Zukunft erachtet es der Geschäftsführer des BVN und zudem im Besamugsverbund EUROgenetik für wichtig, alternative Zuchtlinien für die Landwirte bereitzustellen. "Wir müssen von einem breiten Angebot an Bullenvätern eine konstante Anzahl von männlichen Nachkommen typisieren, um gute Zuchtprodukte aus allen Linien zur Verfügung zu haben", sagt Aumann. Beim Besamungsverein Neustadt werde dieses Ziel unter anderem mit Hutera verfolgt. Mit der Zuchtwertschätzung vom August stieg er in die Top-Liste der nachkommengeprüften Vererber ein. Mit einem Anstieg von fünf Punkten auf 130 MW machte er auf sich aufmerksam und wurde als Bullenvater in Bayern, Baden-Württemberg und Österreich ausgewählt.

Positive Entwicklung beim Export

Bullenvater Hutera © BVN
Die Zusammenarbeit der Zuchtverbände ist in den letzten Jahren konsequent vorangetrieben worden. Durch die in 2011 neuformierte EUROgenetik ist der größte Fleckviehbesamungs-Verbund Europas entstanden. In dem Verbund sind über 500.000 Herdebuchkühe in rund 17.500 Zuchtbetrieben, es werden über eine Million Erstbesamungen in Deutschland und Österreich erfasst. Die bessere Vernetzung wirkt sich auch auf den Export aus.
 
Peter Kreuzhuber von genetic Austria zeigt im Gepräch mit BLW-Redakteur Max Riesberg die positive Entwicklung beim Export von Fleckviehgenetik auf. Aus Ländern mit bereits bestehenden Fleckviehpopulationen wie Süd-, Mittel- und Zentralamerika werden vor allem Samen und Embryonen angefragt. In östliche Märkte wird hingegen vor allem Zuchtvieh zum Bestandesaufbau exportiert. "Österreich hat im letzten Jahr allein 35.000 trächtige Kalbinnen in alle Welt verschickt", sagt Kreuzhuber.

Kreuzungszucht immer beliebter

Aber auch aus klassischen Holsteinländern wie Holland, England und den USA werden immer mehr Fleckviehsamen für die Kreuzungszucht geordert. So stiegen die Besamungen mit Fleckvieh in den Niederlanden in 2011 auf 66.644. Das entspricht einer Steigerung im Zeitraum von 2008 bis 2011 um 74 Prozent. Die durchschnittliche Leistung der 8.854 Fleckvieh-Kreuzungskühe lag 2012 bei 7.723 kg Milch mit 4,40 % Fett, 3,57 % Eiweiß in 305 Tagen. "Fleisch wird immer wertvoller, den Züchtern liegt nicht nur die Milchmenge sondern die Rentabilität einer Rasse am Herzen", nennt Kreuzhuber Gründe für die steigenden Exportzahlen tragender Fleckviehfärsen.
Vernetzte Züchter, genomische Selektion, Hornlosigkeit - die Entwicklungen der letzten Jahre schlagen sich in einer wachsenden Beliebtheit des Fleckviehs auch außerhalb der klassischen Märkte wieder. Ein Trend der sich in den nächsten Jahren in der Kreuzungszucht fortsetzen wird.   
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