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Zucht

Fleckvieh: Zuchtwertschätzung ab sofort mit genomischer Selektion

von , am
10.08.2011

München - Ab sofort können sich Tierzüchter in Deutschland und Österreich mit einer neuen Methode über den Wert von Besamungsstieren informieren: Gestern startete die genomische Zuchtwertschätzung.

Jetzt stehen auch Fleckviehzüchtern genomische Zuchtwerte für ihre Tiere zur Verfügung. © Bayern-Genetik
Die genomische Selektion beim Rind ermöglicht die Auswahl der genetisch besten Tiere durch die Untersuchung einer einzigen Blut- oder Gewebeprobe. Das LfL-Institut für Tierzucht schätzt, dass mit dem neuen Verfahren der Zuchfortschritt beim Fleckvieh um bis zu 30 Prozent erhöht werden kann.

Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner zeigt sich begeistert von der neune Methode: "Das ist ein bedeutender Meilenstein für die bäuerliche Zucht." Die Wettbewerbsfähigkeit bayerischer Fleckviehzüchter werde damit nachhaltig gesteigert. In einem halben Jahr soll es solche genomischen Zuchtwerte auch für die Rasse Braunvieh geben.

Drei bis vier Jahre schneller als mit konventionellen Methoden

Mit dem neuen Verfahren, das am Institut für Tierzucht der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft gemeinsam mit Kollegen aus Baden-Württemberg und Österreich entwickelt und im Juni von der EU genehmigt wurde, kann die Vererbungsleistung junger Zuchttiere mit größerer Sicherheit geschätzt werden. Bislang musste dafür die Leistung der Nachkommen abgewartet werden, was drei bis vier Jahre dauerte. Die Zucht auf Eutergesundheit beispielsweise kann nun schon mit Jungtieren praktiziert werden, und nicht erst wenn die Kühe im Alter von zwei bis drei Jahren erstmals Milch geben.
 
Bereits seit Dezember 2010 wurden genomische Zuchtwerte für Kälber und junge Bullen im monatlichen Rhythmus geschätzt. Dabei wurden bislang zwar schon mehr als 5.700 Jungrinder mit dem neuen Verfahren untersucht, die genomischen Zuchtwerte hatten aber noch inoffiziellen Charakter. Dies ermöglichte zwar die gezielte Selektion der besten Kälber, allerdings durfte der Samen ungeprüfter Bullen nicht in Verkehr gebracht werden. 

Über 40 Merkmale fließen mit ein

Insgesamt werden bei dem Verfahren genomische Zuchtwerte für über 40 Merkmale geschätzt. Im Gesamtzuchtwert wird die Fitness mit 46 Prozent, die Milchleistung mit 38 Prozent und die Fleischleistung mit 16 Prozent gewichtet. Nach den Worten des Ministers sichert die neutrale Zuchtwertschätzung durch die staatliche Landesanstalt und die Veröffentlichung der Zuchtwerte aller Besamungsstiere das Vertrauen in die bäuerliche Zucht und schafft die Voraussetzungen für eine Milch- und Fleischerzeugung mit gesunden und langlebigen Kühen. Das sei auch im Interesse der Verbraucher.

Was kann man sich unter genomischer Selektion vorstellen? agrarheute.com hat mit Dr. Edel gesprochen. Er ist bei der Landesanstalt für Landwirtschaft Bayern (LfL) für die Entwicklung der genomischen Zuchtwertschätzung beim Fleckvieh und Braunvieh zuständig. zum Interview ...
 
Sie können sich das komplette Interview mit Dr. Edel auch als Podcast anhören. zum Podcast ...
 
Die Zuchtwertschätzung wird dreimal jährlich durchgeführt, die Ergebnisse werden unter www.lfl.bayern.de/bazi-rind/ veröffentlicht.
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