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Milchproduktion

Fonterra gibt Entwarnung in der Botulismus-Affäre

von , am
12.08.2013

Auckland - Fonterra hat die Rückrufaktion für Molkereiprodukte abgeschlossen. Ursache waren 38 Tonnen Mokenproteinkonzentrat mit Botulismusbakterien aus einer Fabrik in Neuseeland.

© Almotti/pixelio
Die internationalen Rückrufaktionen für Säuglingsnahrung und andere Lebensmittel, die das mit den lebensgefährlichen Botulismus-Bakterien verseuchte Molkenprotein- Konzentrat (WPC80) aus einer Fabrik des neuseeländischen Molkereikonzerns Fonterra enthalten, sind abgeschlossen. Wie der weltgrößte Exporteur von Milchprodukten am vergangenen Donnerstag weiter mitteilte, brauchten sich die Verbraucher keine Sorgen mehr über entsprechende Verzehrsrisiken zu machen. Außerdem habe die Regierung in Wellington bestätigt, dass alle anderen Milcherzeugnisse wie Voll- und Magermilchpulver sowie Butter und Käse sicher seien. Darüber hinaus habe das neuseeländische Handelsministerium die Ausgabe von Exportzertifikaten für risikobehaftete Produkte zunächst eingestellt. Fonterra und der Regierung des Landes zufolge gab es bislang keine bestätigten Berichte über Krankheitsfälle.

Erste Verdachtsmomente schon im März 2013

Rückblickend erklärte der Konzern, dass die drei verseuchten Lose bereits im Mai 2012 hergestellt worden seien. Davon habe man Ende 2012 rund 21 Tonnen (t) an Kunden zur Weiterverarbeitung verkauft, und zwar 14,4 t an den chinesischen Getränkehersteller Wahaha, 4,8 t an die chinesische Niederlassung von Coca-Cola und 1,5 t an den neuseeländischaustralischen Hersteller von Gesundheitsprodukten Vitaco. Weitere 18 t des verseuchten Konzentrats seien in drei eigenen Werken verarbeitet und verpackt worden. Nach ersten Hinweisen auf Belastungen mit Clostridien im März dieses Jahres sei schließlich am 31. Juli der gefährliche Stamm Clostridium botulinum gefunden worden. Allerdings habe man zuvor schon weitere Kunden mit dem Rohstoff der betreffenden Chargen beliefert. Daraus seien unter anderem 56,9 t Säuglingsnahrung und gut 2.160 t andere Lebensmittel hergestellt worden. Zu den belieferten Unternehmen gehörten die Danone-Töchter Nutricia und Dumex Baby Food sowie der US-Hersteller Abbott Laboratories. Außerdem habe das eigene Tochterunternehmen NZAgBiz 10,4 t des belasteten Rohstoffs zur Herstellung von Kälber-Milchaustauscher erhalten.

Sieben Länder betroffen

Zwei Tage nach dem positiven Bakterientest habe die Konzernleitung aus Gründen der Lebensmittelsicherheit Kunden und Behörden informiert sowie Rückrufaktionen gestartet, die nach 72 Stunden erfolgreich abgeschlossen worden seien. Nach Angaben des neuseeländischen Außenministeriums wurden das Konzentrat und entsprechende Erzeugnisse nach China, Hongkong, Australien, Malaysia, Saudi-Arabien, Thailand und Vietnam exportiert. Ursache für die Kontamination sei eine verunreinigte Leitung gewesen.
 
Fonterra-Geschäftsführer Theo Spierings entschuldigte sich zum Beginn der vergangenen Woche vor Journalisten zunächst in Peking und anschließend in Auckland bei allen, die der Bakterienfund verunsichert habe. China ist der wichtigste ausländische Absatzmarkt für Fonterra. Das betreffende Produkt wird zur Herstellung von Säuglingsnahrung verwendet.
 
Enge Kooperation beim Krisenmanagement
 
Die chinesischen Behörden reagierten mit einem Einfuhrstopp für Molkenpulver und Basismilchpulver aus den Fonterra- Werken. China bezieht ungefähr 90 % seines Import- Milchpulvers aus Neuseeland. Nach dem Skandal um Babymilch vor fünf Jahren kaufen viele chinesische Eltern nur noch ausländische Produkte. Marketing-Experten gehen davon aus, dass Neuseelands bislang positives Image auf den Exportmärkten unter der Botulismus-Affäre gelitten hatte. Auch um den Schaden für die neuseeländische Wirtschaft so gering wie möglich zu halten, habe die Wellingtoner Regierung beim Krisenmanagement eng mit dem betroffenen Unternehmen zusammengearbeitet. Zuletzt kündigte Fonterra unabhängige Untersuchungen an, um den Ursachen für den Vorfall weiter auf den Grund zu gehen.Auch dieWellingtoner Regierung will eine Untersuchung starten.
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