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Milchproduktion

Fonterra kämpft mit Importsperren

von , am
19.08.2013

Nach dem Bekanntwerden der Verunreinigung von Milchpulver, hat die russische Zollunion nun Einfuhrverbote für Fonterra-Produkte erlassen. Die Importsperre könnte einige Monate andauern.

Fonterra verändert seine Produktpalette und und bewegt sich nun weg vom Milchpulver hin zu hochwertigen Zutaten sowie Dienstleistungsangeboten. © Werkbild
Der neuseeländische Molkereikonzern Fonterra hat weiter mit den negativen Folgen der Anfang August bekannt gewordenen Verunreinigung seiner Molkenprotein- Konzentrate mit Botulismus-Erregern zu kämpfen. Wie der neuseeländische Handelsminister Tim Grosser vergangene Woche bestätigte, haben die Zollunionsländer Russland, Kasachstan und Weißrussland die Einfuhr von Milchprodukten aus 61 der insgesamt 83 für den Export zugelassenen Fonterra-Produktionsstätten bis auf weiteres verboten.
 
Nach Ministeriumsangaben wurden im vergangenen Jahr Milcherzeugnisse im Wert von 106 Millionen neuseeländische Dollar (64 Mio. Euro) von Neuseeland nach Russland geliefert; die Exporterlöse aus dem Handel mit den anderen beiden Staaten waren dagegen weniger bedeutend.

Ende des Einfuhrverbots ungewiss

Fonterra erklärte in einer Stellungnahme, dass keinerlei belastete Chargen von Molkenpulver in die Zollunion geliefert worden seien und sich die Ausfuhren in diese Länder vor allem auf Käse und Butter erstrecken würden, die kein Molkenprotein-Konzentrat enthielten. Zusammen mit den zuständigen neuseeländischen Ministerien und der Botschaft in Moskau werde Fonterra alles daransetzen, die russischen Aufsichtsbehörden und Kunden von der Unbedenklichkeit der Fonterra-Produkte zu überzeugen und ein schnelles Ende der Handelsrestriktionen zu erreichen. Russischen Medienberichten zufolge könnte sich die Aufhebung der Einfuhrsperre jedoch bis in das nächste Jahr hinziehen, da nach Worten des Chefs vom Föderalen Aufsichtsdienst für Tier- und Pflanzengesundheit, dafür eine Inspektionsreise der russischen Kontrolleure notwendig sei, deren voller Terminkalender dies jedoch im Moment nicht erlaube.

Handelsstreit mit Sri Lanka

Weitere Handelsprobleme der neuseeländischen Molkereigenossenschaft Fonterra wurden wegen verunreinigten Milchpulvers vergangene Woche mit Abnehmern in Sri Lanka bekannt. Nach Angaben der dortigen Behörden sei die Chemikalie Dicyandiamid (DCD) in den Produkten des neuseeländischen Molkereikonzerns festgestellt worden.
 
 Bereits Anfang des Jahres hatte Fonterra den Fund von DCD im Milchpulver einräumen müssen; bei rund 2.000 Proben waren damals allerdings laut neuseeländischem Landwirtschaftsministerium keine gesundheitsbedenklichen Konzentrationen festgestellt worden. Im jüngsten Fall bestreitet Fonterra die Verunreinigung seiner Milchpulverlieferungen mit DCD, das beim Abbau von Kalkstickstoff im Boden entsteht. Proben der fraglichen Chargen in einem Umfang von etwa 40 Tonnen hätten keinen positiven Nachweis erbracht, berichtete Spierings.
 

Fonterra zieht Konsequenzen

Vor dem Hintergrund des Anfang August bekannt gewordenen Skandals um Botulismus-Bakterien im Molkenprotein-Konzentrat hat es mittlerweile erste personelle Konsequenzen gegeben. Wie Fonterra am Dienstag vergangener Woche ohne die Nennung von Gründen mitteilte, ist der Chef der Milchproduktsparte Neuseeland, Gary Romano , mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten. Sein bisherigerAufgabenbereich wird kommissarisch vom Konzernchef Spierings übernommen.
 
Fonterra hat nach eigenen Angaben mittlerweile zwei Untersuchungskommissionen eingerichtet, die teilweise mit Unterstützung unabhängiger Experten dem gesamten Verlauf der Nahrungsmittelverunreinigung auf den Grund gehen sollen. Zudem kündigte der neuseeländische Premierminister John Key auch eine staatliche Überprüfung der Vorfälle durch die Regierung an; das Landwirtschaftministerium will zusätzlich in einer eigenen Untersuchung klären, ob Verstöße gegen den Food and Animal ProductAct vorliegen und gegebenenfalls strafrechtliche Schritte eingeleitet werden müssen.
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