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Wissenschaft

Forscher lehren Kühe aufs Klo zu gehen

Ein Kalb probiert die Kuhtoilette aus
am Mittwoch, 22.07.2020 - 10:21 (1 Kommentar)

Rinder verrichten ihren „Toilettengang“ dort, wo sie sich gerade aufhalten. Doch es geht auch anders. Wissenschaftler haben Kälbern in einem Versuch beigebracht, Latrinen zu benutzen. Mit Erfolg.

Kühe sind schlauer als gedacht: Sie lernen nicht nur, wie man einen Melkroboter nutzt, sondern sie können auch aufs Klo gehen. Wissenschaftler des Leibnitz-Instituts für Nutztierbiologie (FBN) haben es geschafft, Kälbern beizubringen, auf spezielle Kuhtoiletten zu urinieren. 

Normalerweise sind Rinder nicht "stallrein". Sie hinterlassen ihren Urin und Kot überall dort, wo sie sich gerade aufhalten. „Das hat negative Folgen für die Umwelt und die Tiere selbst“, sagt Jan Langbein vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf bei Rostock.

Was ist das Ziel der Kuhtoilette?

Das Kalb wird bestraft

Trifft Harn auf Kot, wird Ammoniak als Treibhausgas in die Atmosphäre freigesetzt.

Ziel der Kuhtoilette ist deshalb, Harn und Kot zu trennen. So könnte man die Ammoniak-Emissionen aus der Rinderhaltung stark reduzieren.

Das müssen wir auch, weil es eine EU-Richtlinie aus 2016 gibt, die vorschreibt, dass zum Beispiel Deutschland seine Ammoniakemissionen gegenüber 2005 bis 2030 um 29 Prozent reduzieren soll“, sagte Langbein gegenüber dem Deutschlandfunk.

Trägt die Latrine für Kühe zu mehr Tierwohl bei?

Die Kuhtoilette könnte hier einen wichtigen Beitrag leisten, so der Wissenschaftler. Aber nicht nur das Klima, sondern auch die Tiere könnten von der Kuhtoilette profitieren. So schadet ein dreckiger Stall der Klauen- und Eutergesundheit der Kühe.

Gleichzeitig hat der Landwirt einen hohen Reinigungsaufwand. So produziert eine Milchkuh pro Tag durchschnittlich 20 bis 30 Liter Urin und 30 bis 40 Kilogramm Kot. 

Auch in diesem Punkt kann die Kuhtoilette Abhilfe schaffen, denn stubenreine Rinder bedeuten weniger Reinigungsaufwand für den Landwirt.

Wie sieht die Kuhtoilette aus?

Ein Kalb betritt die Kuhtoilette

Als erstes haben die Forscher aus Dummerstorf die Latrine entwickelt und immer weiter verbessert.

Zuletzt habe der Versuchsbereich aus einem 10 m langen Gang und einer 4 m großen Latrine bestanden. Durch eine Saloon-Tür konnte das Kalb das Klo betreten, so Langbein.

Diese Latrinen waren mit einem durchlässigen grünen Belag versehen, der gleichzeitig als Spritzschutz fungierte. „In einer Wand war eine Klappe, wenn man die öffnete, war dahinter eine Belohnungsausgabe“, sagte Langbein.

Wie viele Kälber haben gelernt, aufs Klo zu gehen?

Es gab fünf Versuchsdurchgänge mit jeweils 8 bis 10 Tieren. Die Tiere waren alle weiblich und im Alter von fünf Monaten. Schieden die Tiere außerhalb der Latrine auf dem Gang ihren Urin aus, wurden sie mit einer kurzen Dusche bestraft.

Gingen die Kälber dagegen in die Latrine und urinierten dort, wurden sie beispielsweise mit 40 Gramm gequetschter Gerste belohnt. „In den letzten beiden Durchgängen haben wir von den 16 Tieren, die dort trainiert wurden, 11 erfolgreich trainiert“, so Langbein.

76 Prozent aller Urinationen fanden in der Latrine statt.

Wie praxistauglich ist die Kuhtoilette?

Das Forscherteam

Im nächsten Schritt geht es nun um die Praxistauglichkeit der Methode, erklärt Langbein. Sollte es gelingen, die Intelligenz der Tiere für eine Einrichtung von Kuhtoiletten in der Praxis zu nutzen, würden alle profitieren: Die Kühe, die Tierhalter und die Umwelt.

Ob die Kuhtoilette allerdings wirklich umsetzbar ist, ist für die Milchviehhalter noch fraglich, sagt der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, Hans Foldenauer. So müsste geklärt werden, wie sich die Tiere bei einer kombinierten Stall- und Weidehaltung verhalten.

Was passiert mit zugekauften Tieren oder wie lange dauert ein derartiger Lernprozess? Und wie viel Personalaufwand ist dafür nötig, dass die Kuhtoilette erfolgreich funktioniert? Diese Fragen müsse man sich stellen, so Foldenauer.

Mit Material von FBN, dpa, Deutschlandfunk

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