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Milchproduktion

Frankreich: Einzelhandel will Milchpreis anheben

© kkrenn/agrarheute.com
von , am
10.04.2013

Paris - In Frankreich hat ein Runder Tisch über höhere Milchpreise beraten. Der Einzelhandelsverband FCD bietet eine Anhebung der Trinkmilchpreise um zwei Cent je Liter.

© Almotti/pixelio
Seit Wochen kämpfen die französischen Milchviehhalter um höhere Erzeugerpreise. Sie fordern einen Ausgleich für die deutlich gestiegenen Futterkosten. Am Montag nun beriet ein Runder Tisch aus Erzeugern, Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel über einen Ausweg aus der Krise. Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll hatte zu der Diskussion nach Paris eingeladen.

Molkereien sollen Gewinne offenlegen

Das Ergebnis der Beratungen ist aus Sicht der Milchviehhalter enttäuschend. Der Einzelhandelsverband FCD, der die Supermarktketten Auchan, Carrefour, Casino, Cora und Monoprix repräsentiert, bietet den Molkereien einen um zwei Cent höheren Abnahmepreis für Trinkmilch. Die Anhebung soll auf drei Monate befristet sein.
 
Außerdem soll die Vereinbarung nur unter drei Bedingungen in Kraft treten:
  1. die Molkereien geben die zwei Cent in vollem Umfang an die Milchviehhalter weiter
  2. die Molkereien legen ihre Marge offen
  3. die Regierung und die Wettbewerbsbehörde billigen die Preisabsprache.

Milcherzeuger sind enttäuscht

Der französische Bauernverband (FNSEA), der Dachverband der Milchviehhalter (FNPL) und die Jungbauernorganisation (JA) reagierten enttäuscht. Der Vorschlag des Einzelhandelsverbandes sei so nicht akzeptabel, stellten die Verbände fest.
 
Trinkmilch mache nur 16 Prozent des französischen Milchmarktes aus. Die Auswirkungen für die Erzeuger seien daher begrenzt. Der Berufsstand wies darauf hin, dass die Einzelhandelsketten Leclerc und Système U eine Preisanhebung von zwei bis drei Cent über das gesamte Sortiment an Milchprodukten angeboten habe. Er forderte den Einzelhandel auf, seinen "Krieg" nicht länger auf dem Rücken der Erzeuger auszutragen.

Le Foll setzt Vermittler ein

Minister Le Foll zeigte sich insofern zufrieden, als der Runde Tisch Bewegung in die verfahrene Diskussion gebracht habe. Le Foll kritisierte jedoch, während die Milchpreise überall in Europa stiegen, hinke der französische Markt hinterher.
 
Der Minister setzte einen Vermittler ein. Seine Aufgabe wird sein, möglichst bis Ende April eine konkrete Vereinbarung mit allen Beteiligten auszuarbeiten, um die "konjunkturelle Krise" zu bewältigen. Nach den Worten des beigeordneten Ministers Guillaume Garot muss der Kompromiss für alle Milcherzeugnisse gelten, eine Preisanhebung in voller Höhe an die Erzeuger weitergeben, absolut transparent und mit dem Wettbewerbsrecht vereinbar sein.

Verhandlungen auch in Deutschland

Auch in Deutschland stehen aktuell wieder die turnusgemäßen Verhandlungen zwischen den Molkereien und dem Lebensmitteleinzelhandel über die Einkaufspreise für Milchprodukte an. Die global angespannte Versorgungslage und international steigende Preise für Erzeugnisse wie Milchpulver und Käse werfen aus Erzeugersicht positive Vorzeichen auf die Kontraktverhandlungen.
Detaillierte, tagesaktuelle Informationen zum Geschehen auf dem Milchmarkt finden Sie auf www.marktkompass.com. Für Abonnenten des agrarmanager und des dlz agrarmagazins ist der Zugang kostenlos ...
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