Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Milchviehfütterung

Frisches Grünfutter bringt viele Vorteile

Beim Verfüttern von Frischgras entfallen die teilweise recht hohen Nährstoffverluste durch die Vergärung.
am Freitag, 06.01.2023 - 05:00

Nur Wiederkäuer können Grünfutter verwerten. Damit tragen sie zur Ernährungssicherung bei. Das Verfüttern von Frischgras hat weitere Vorteile, zum Beispiel deutlich geringere Nährstoffverluste.

Um 9 Mrd. Menschen ausreichend und gesund ernähren zu können und dabei unseren Planeten bewohnbar zu erhalten, fordert der Club of Rome in seinem letzten Bericht (Earth of All, 2022) eine Ernährungskehrtwende. Das bedeute eine Minimierung aller Emissionen und drastische Einschränkungen bei Pflanzenschutzmitteln und Mineraldünger. Für die Milchviehhaltung sind dabei bestimmte nährstoffökonomische Kriterien bedeutend:

  • der Veredlungseffekt, das heißt, aus wie viel Futterprotein lässt sich wie viel essbares Protein erzeugen und
  • wie viel der Futterkomponenten wären für die menschliche Ernährung nutzbar,
  • der ökologische Fußabdruck als CO2-Äquivalent, das heißt, wie viel Kohlendioxid, Methan und Lachgas wird bei der Produktion in die Umwelt abgegeben.

Vegane Ernährung: 4 kg Nebenprodukte für 1 kg Nahrungsmittel

Im Laufe der Evolution haben sich Wiederkäuer darauf spezialisiert, grobe, faserreiche Futtermittel verwerten zu können. Dazu haben sie Vormägen, besonders den Pansen als große Gärkammer, in der ein Mikrobiom aus einer Vielzahl von Bakterien und Protozoen wirkt, die entsprechende Enzyme bilden. So ist das Enzym Zellulase in der Lage, Zellulose zu spalten. Die freigesetzten Glukosemoleküle werden zu flüchtigen Fettsäuren vergoren, die nach der Aufnahme durch die Kuh wichtige Funktionen im Körper ausüben (zum Beispiel zur Fett- und Energiebildung). Es ist in der Natur die einzige Gelegenheit, bei der Zellulose verwertet werden kann. Hier sei bemerkt, dass bei veganer menschlicher Ernährung je Kilogramm essbares pflanzliches Nahrungsmittel rund vier kg Nebenprodukte anfallen (Windisch, 2021), die nur Wiederkäuer verwerten und in Nahrungsmitteln umwandeln können.

Deutlich geringere Verluste bei frischem Grünfutter

Seit 30 Jahren ist der bestimmende Rationstyp in nahezu allen Regionen Deutschlands die ganzjährige Silagefütterung mit einem relativ hohen Konzentrateinsatz bei ganzjähriger Stallhaltung. Die Weidehaltung ist erheblich zurückgegangen und den Einsatz von Grünfutter als Frischfutter verwirklichen nur wenige Betriebe. Bei den Konservaten dominiert die Maissilage. Zum Grünfutter gehören verschiedene Pflanzenarten: Gräser, Leguminosen wie Luzerne und Klee, Kruziferen, Grünmais und weitere. Sie alle werden entweder als Artengemeinschaften auf dem Grünland genutzt oder im Ackerfutterbau als Haupt-, Zwischen- oder Zweitfrucht angebaut. Die wesentlichen Unterschiede von Grünfutter (Frischfutter) zur Silage sind:

  • Die Verluste vom Feld bis zum Futtertisch liegen bei Frischfutter bei 5 bis 10 Prozent und damit sehr niedrig, während bei Grassilagen mit 20 bis 25 und bei ungünstigen Witterungsbedingungen auch mit 30 Prozent zu rechnen ist. Damit sind die Nährstofferträge je Hektar bei gleichem Ausgangsmaterial mit Frischfutter wesentlich höher.
  • Die Trockenmasseaufnahme aus Frischfutter ist gegenüber Silagen um 5 bis 15 Prozent höher.
  • Durch Frischfutter entstehen keine unerwünschten Fermentationsprodukte, wie zum Beispiel erhöhter Säuregehalt, biogene Amine, Ammoniak oder andere.
  • Erwünschte Pflanzeninhaltsstoffe, wie ß-Carotin, Vitamin E, ungesättigte Fettsäuren (CLA) und Omega-3-Fettsäuren, sowie die Proteinqualität sind im Grünfutter günstiger als in Grassilagen.
  • Ein Nachteil der Frischverfütterung ist der schwankende Anteil der Nährstoffe, abhängig vom Vegetationsstadium und von den Witterungseinflüssen.

Digitale Ausgabe agrarheute

Dies war eine stark verkürzte Zusammenfassung des Originalbeitrags.
Lesen Sie jetzt den ausführlichen Fachartikel und testen Sie unverbindlich die digitale Ausgabe agrarheute.

Wenn Sie bereits ein digitales Abo haben, geht es hier entlang.