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Milchproduktion

Für und Wider der Milchmengensteuerung hitzig debattiert

von , am
18.12.2009

Berlin - Bei einer Anhörung in Berlin legten Vertreter des DBV und des BDM ihre Visionen zur Zukunft des Milchmarktes dar und warfen sich gegenseitig Realitätsferne und falsche Strategien vor.

© Tomasz Kaczmarek/Fotolia

Im Rahmen des Fachgesprächs "Milchmarkt-Wege aus der Krise der Milchbauern" sprach sich Dr. Rudolf Schmidt, Milchreferent beim DBV gegen eine Milchmengensteuerung aus und forderte den BDM auf, von "Träumereien" Abstand zu nehmen. "Wir haben eine desaströse Situation auf dem Milchmarkt, die sich Gottseidank wieder etwas belebt", konstatierte Schmidt anläßlich einer von der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/ Die Grünen organisierten Anhörung am vergangenen Montag in Berlin. Die Hilfen, die die Bundesregierung initiiert habe, seien Hilfen in der Not, die den enormen Preisverfall nicht ausgleichen könnten. "Wir hoffen, dass diese Hilfe jetzt schnell und nachhaltig bei den Landwirten ankommt", erklärte Schmidt. Darüberhinaus könne die Bundesregierung im Bereich der Kostenentlastung, wie zum Beispiel bei der Dieselsteuerrückvergütung und der Risikoausgleichsrücklage tätig werden.

DBV erteilt der Milchmengensteuerung eine Abfuhr

Einer vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter geforderten Milchmengensteuerung erteilte der DBV-Milchreferent eine klare Absage. "Aufgrund des bereits im Jahr 2003 eingeleiteten Ausstiegs aus der Milchquotenregelung ist eine weitere Milchmengensteuerung auf europäischer Ebene vollkommen unrealistisch", stellte Schmidt klar. Etwas anderes sei es, sich mit dem "Marktpartner" Molkereien über Markt- und Preisentwicklung sowie Mengenplanungen zu verständigen. Der BDM müsse sich den Realitäten stellen und dies auch den Milcherzeugern sagen. Es gelte, "wie auch Bundeskanzlerin Merkel ausgedrückt hat, von den Träumereien Abstand zu nehmen".

BDM fordert Mengenreduzierung

Romuald Schaber, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) nahm die Regierung und den Deutschen Bauernverband in die Pflicht. "Wir sind nach wie vor der Meinung, dass die Menge, die am Markt ist, das größte Problem ist", erklärte Schaber. Die Landwirtschaft habe eine gewaltige gesellschaftliche Aufgabe zu meistern. Zwar habe die Politik ein 750 Millionen Euro-Programm beschlossen. Dennoch sei der entscheidende Faktor der Marktpreis und der werde von der Milchmenge beeinflusst. "Deshalb muss die Menge entsprechend reduziert werden", regte Schaber zum wiederholten Male eine Mengensteuerung an. Die Bauern hätten durch ihren monatelangen Kampf in Brüssel auf europäischer Ebene Möglichkeiten durchgesetzt, wie national die Milchmenge reduziert werden könne. So habe Frankreich eine einprozentige Erhöhung in die Reserve gelegt und die Saldierung auf Null gesetzt.

Regierung solle sich an Frankreich ein Beispiel nehmen

"Wir erwarten, dass die deutsche Regierung das gleiche tut, dann sind wir schon ein Stück vorangekommen", ermahnte der BDM-Vorsitzende. Es bringe nichts auf Exportmärkte zu setzen, weil dort "nichts zu holen" sei. Vielversprechender sei es, auf einen Mitgliederzuwachs beim Milchboard zu setzen. "Es muss durch eine starke Bündelung im Milchboard gelingen auf Augenhöhe mit der Molkereiwirtschaft zu kommen", ergänzte Schaber.

Die akutellen Videos zum Fachgespräch finden Sie hier bei agrarheute.com

 

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