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Haltung und Mast

Futterknappheit: Wovon werden die Rinder satt?

von , am
28.06.2011

Oldenburg - Der erste Grünlandschnitt war vielerorts eher bescheiden, z.T. sogar stark enttäuschend - und was die Folgeaufwüchse bringen, bleibt abzuwarten.

Verschärft wird diese Situation noch durch den geringen Weideaufwuchs, teils sind Grasnarben regelrecht verbrannt. Ein kleiner Trost ist der Mais, der unter der Trockenheit bisher nur wenig gelitten hat. Wie können Rinderhalter auf Futterengpässe reagieren? Indem sie jetzt verstärkt nach alternativen Futterkomponenten suchen. Entscheidend hierbei ist vor allem ihre Verfügbarkeit. So haben sich bereits einige Betriebe Nebenprodukte wie Pressschnitzel oder Biertreber gesichert, so dass diese jetzt kaum noch erhältlich sind.
 
Ab etwa August könnte sich die Lage verbessern. Dann sind Feuchtfutter wie z.B. Kartoffelpülpe, Apfel- oder Möhrentrester im Angebot. In diesem Jahr könnte der Anbau von Zwischenfrüchten eine Renaissance erleben. Auch über die Ernte von Ganzpflanzensilage sollten betroffene Landwirte nachdenken. Als letzte Maßnahme bleibt dann nur noch das Abstocken.

Pressschnitzelsilage unter der Lupe

Pressschnitzel fallen als energiereiches, sehr schmackhaftes Nebenprodukt der Zuckergewinnung an. Sie weisen einen hohen Anteil der leicht verdaulichen Kohlenhydrate Pektin und Hemicellulose auf. Der Abbau dieser Kohlenhydrate im Pansen erfolgt langsamer und gleichmäßiger als der von Stärke und Zucker. Somit steht den Mikroben immer genügend Energie zur Bildung von Mikrobeneiweiß zur Verfügung.

Preisgünstig, schmackhaft, energiereich

Als Energieträger mit negativem RNB – Wert eignet sich Pressschnitzelsilage gut zur Ergänzung eiweißreicher Futtermittel, wie z.B. Grassilage. Zu beachten sind allerdings die niedrigen Gehalte an Phosphor und Natrium. In der Ration können je Kuh und Tag etwa fünf KilogrammTrockenmasse (TM) Pressschnitzelsilage gefüttert werden, das entspricht je nach Trockenmassegehalt etwa 20 bis 22 Kilogramm Frischmasse. Die geringe Strukturwirkung des Rohfaseranteils verlangt als Ausgleich aber strukturwirksames Futter.

Ein Grundfutter mit Kraftfutterqualität

In der Rindermast hingegen kann Pressschnitzelsilage als alleiniges Grundfutter mit eins bis zwei Kilogramm Heu oder Stroh zum Strukturausgleich eingesetzt werden. Aufgrund ihrer hohen Verderblichkeit können frische Pressschnitzel nur wenige Tage verfüttert werden. Die entzuckerten, abgepressten Schnitzel werden mit Temperaturen von etwa 50 ºC bis 55ºC siliert. Bei ungefähr 1º C Abkühlung pro Tag kann die Silage nach vier bis sechs Wochen vollständig ausgekühlt sein und verfüttert werden. Neben dem Futterwert und der ernährungsphysiologischen Wirkung hängt der Einsatz von Pressschnitzelsilage in der Ration auch von der zur Verfügung stehenden Menge und der Preiswürdigkeit ab.
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