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Milchviehhaltung

Futtermanagement: Diese Hinweise gibt die Milch

© Katharina Krenn/agrarheute
Prof. Dr. Manfred Hoffmann/Sächsischen Landeskontrollverband (LKV)/af
am
09.11.2016

In der Milch stecken wichtige Hinweise für das Fütterungsmanagement. Und das geht weit über den Milchharnstoffgehalt hinaus. Eine Übersicht.

Gesund und leistungsbereit sollen Milchviehherden sein. Und dafür braucht es ein kontinuierliches Erfassen von Daten, die bei sachgemäßer Interpretation zu entsprechenden Schlussfolgerungen und Maßnahmen führen. Diese Daten spielen eine entscheidende Rolle.

Milchfettgehalt

Der Fett-Eiweiß-Quotient (FEQ) dient als wichtiges Hilfsmittel, um azidotische Belastungen oder Energiemangelsituationen bis zur Ketose zu erkennen. Wichtig ist, dass man den FEQ für jedes Tier einzeln berechnet. Die Ursachen der Fütterung bei niedrigem Fettgehalt der Milch können sein:

  • im Verhältnis zum Leistungsniveau zu niedrige Futteraufnahme
  • Pansenfermentationsstörungen: ungenügende Strukturwirksamkeit oder zu hohe Menge an Rohfaser und NDF ungünstiges Grobfutter- Konzentrat-Verhältnis
  • über 280 g Stärke und wasserlösliche Kohlenhydrate (Mono- und Dissaccharide, Fruktane) je Kilogramm Trockensubstanz der Ration
  • Unterschreiten der Energienorm je Tier und Tag
  • Unterschreiten der Rohproteinnorm je Tier und Tag
  • ungenügende Wasserversorgung
  • zu hoher Anteil pansenabbaubares Fett (über fünf Prozent Rohfett in der Trockensubstanz der Ration)
  • überhöhter Gehalt an ungesättigten Fettsäuren
  • zu geringer Körperfettanteil zu Beginn der Laktation
  • plötzlicher Rationswechsel, besonders beim Grobfutter
  • Unterschreiten des leistungsabhängigen Phosphorbedarfs je Tier und Tag

Milcheiweißgehalt

Den bedeutendsten Einfluss auf den Milcheiweißgehalt hat die Energieversorgung. Ist der Eiweißgehalt niedrig, muss der Landwirt zuerst prüfen, ob er die Bedarfsnorm für Energie eingehalten hat. Ursachen der Fütterung für niedrigen Eiweißgehalt der Milch sind unter anderem:

  • Im Verhältnis zum Leistungsniveau zu niedrige Futteraufnahme
  • Pansenfermentationsstörungen ungenügende Strukturwirksamkeit oder zu hohe Menge an Rohfaser/NDF ungünstiges Grobfutter-Konzentrat-Verhältnis
  • ungenügende Verdaulichkeit der Organischen Substanz beziehungsweise des Faseranteils in der Ration
  • ungenügende Pufferkapazität im Pansen
  • zu wenig Stärke und wasserlösliche Kohlenhydrate je kg TS der Ration
  • Unterschreiten der Energie- und Rohproteinnorm je Tier und Tag
  • Ungenügende Versorgung mit pansengeschütztem Lysin / Methionin
  • ungenügende Wasserversorgung
  • plötzlicher Rationswechsel, besonders beim Grobfutter
  • Unterschreiten des leistungsabhängigen Phosphorbedarfes (Tier/Tag)
  • Mangel an Schwefel in der Ration (weniger als 1,5 Prozent in der TS )

Milchharnstoffgehalt

Neben der Niere ist das Euter ein wichtiges Ausscheidungsorgan für Harnstoff. Je höher der Harnstoffgehalt in der Milch ist, umso schlechter ist die Verwertung des gefütterten Rohproteins. Wie viel Harnstoff über die Milch ausgeschieden wird, hängt von folgenden Fütterungsfaktoren ab:

  • Werden die Bedarfsnormen für die gefütterte Rohproteinmenge je Tier und Tag überschritten, ist mit einer höheren Ausscheidung zu rechnen.
  • Gleiches gilt, wenn die Bedarfsnormen an Energie nicht entsprechend der Leistung eingehalten werden.
  • Die Harnstoffgehalte steigen auch, wenn nicht ausreichend leicht verfügbare Kohlenhydrate (Stärke und wasserlösliche Kohlenhydrate) und lösliche Stickstoff(N)-Verbindungen bereitstehen.

Somatische Zellen

  • Pansenfermentationsstörungen (ungenügende Strukturwirksamkeit), Azidosen und Alkalosen
  • Futtermangel beziehungsweise -entzug
  • futtermittelspezifische Vergiftungen (NO3/NO2, Mykotoxine u. a.), Kontaminationen mit Schwermetallen (Cadmium, Arsen, Blei, Quecksilber)
  • Mangel an Phosphor, Schwefel, Zink und Kupfer
  • Mangel an Vitamin E, ß-Carotin, Selen

Laktose

Die Laktosesynthese im Euter hängt in erster Linie mit dem Glukoseumsatz zusammen. Eine Kuh, die 40 kg Milch gibt, produziert rund 2 kg Laktose. Da die Kuh versucht, den Laktosegehalt in der Milch konstant zu halten, ist es schwierig, Schlüsse auf die Fütterung zu ziehen. Der Gehalt an Laktose lässt sich durch die Fütterung praktisch nicht beeinflußen.

Soxleth–Henkel–Zahl (SHZ)

Die Soxleth-Henkel-Zahl ermöglicht es, auf einfache Weise schnell und unkompliziert erste Hinweise auf Fütterungsfehler zu erhalten. Sie ist definiert als Verbrauch an 0,25-molarer Natronlauge (NaOH), die benötigt wird, um in 100 ml Milch einen Farbumschlag des pH-Indikators Phenolphtalein zu erreichen.

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