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Garten für Milchkühe: Der Stall der Zukunft?

Im Kuhgarten: In Kreiscarsdorf entsteht ein Gartenstall für Milchkühe
am Mittwoch, 13.11.2019 - 12:24 (Jetzt kommentieren)

In Kleincarsdorf baut die Dresdner Vorgebirgs Agrar AG einen Gartenstall für Milchkühe – als erstes Unternehmen in Deutschland. Was steckt dahinter? agrarheute gibt einen Einblick.

Mehr Grün, mehr Licht und Luft, mehr Technik – und letztendlich mehr Milch: Das verspricht das Konzept des Kuhgartens. Den erste Kuhgarten weltweit baute Bio-Milcherzeuger Chris Bomers im Jahr 2015 als Prototyp im holländischen Groenlo.

Auch in Kleincarsdorf soll bald ein Kuhgarten entstehen. Die Dresdner Vorgebirgs Agrar AG investiert sechs Millionen Euro in den neuen Stall. Das Ziel: „Kühe, die sich wohlfühlen, sind gesünder und leben länger“, sagt AG-Vorstand Lutz Müller.

Schon länger war die AG auf der Suche nach neuen Tierhaltungsformen für ihre Milchkühe, denn der Stall in Obernaundorf, ist trotz Modernisierungen in die Jahre gekommen. Im Frühjahr nächsten Jahres soll der Bau des Kuhgartens beginnen.

Kuhgarten: Mehr Platz im Stall

Der neue Stall wird auf dem AG-Grundstück am Ortsrand von Kleincarsdorf entstehen. „Wir haben den Antrag nach Immissionsschutzrecht Ende September eingereicht“, so Vorstandvorsitzender Ingolf Schulze. „Wenn alles gut geht, können im übernächsten Jahr die ersten Kühe einziehen.“

Der neue Stall besteht aus zwei Teilen: dem Garten und einem konventionellen Bereich. „Unsere Kühe haben zwischen acht und zwölf Quadratmeter Platz pro Tier“, sagt Herdenmanagerin Jenny Schulz. Fast doppelt so viel Platz wie in einem konventionellen Stall.

„Wir holen die Weide in den Stall“

Bei der Planung des Kuhgartens

Im Gartenbereich des Stalls sind Bäume und Sträucher geplant, die weideähnliche Verhältnisse schaffen. Dort können sich die Kühe frei bewegen. „Wir holen die Weide quasi in den Stall“, sagt Lutz Müller.

„Auch der Boden im Gartenbereich ist genauso weich wie draußen. Er besteht aus einem patentierten Kunststoff, durch den Urin schnell durchsickern und aufgefangen werden kann.“

Somit entstehen weniger Ammoniak-Emissionen. Ums Ausmisten kümmert sich ein Roboter von Lely. Ums Melken ebenso. „Unsere Kühe können künftig zum Melkroboter gehen, wann immer sie wollen“, sagt Jenny Schulz.

Mehr Milch und mehr Ertrag

„Das nimmt den Kühen den Stress, der in herkömmlichen Ställen beim Warten aufs Melken entsteht und der sich negativ auf die Milchproduktion auswirken kann“, so die Herdenmanagerin. Kühe, die sich melken lassen können, wann sie wollen, geben laut Lely mehr Milch, da sie weniger Stress empfinden.

Zudem sollen die Tiere dadurch länger leben und mehr Kälber gebären. Außerdem sinke durch das freie Melken das Mastitis-Risiko.

Hintergrund: Dresdner Vorgebirgs Agrar AG

Die Dresdner Vorgebirgs Agrar AG mit Sitz in Bannewitz bewirtschaftet 2.870 Hektar. Die AG ist in den Bereichen Feldbau, Biogas, Versorgungsservice und Tierhaltung tätig. Das Unternehmen hält 730 Milchkühe in Obernaundorf und Lübau.

Die Kühe geben pro Jahr rund 2,2 Millionen Liter Milch, die an die Molkerei Sachsenmilch in Leppersdorf geliefert wird. Zweimal am Tag werden die Kühe mit einem Melkkarussell von DeLaval mit 18 Melkplätzen gemolken. Die Kühe stammen alle aus Sachsen.

Mit Material von Oberüber Karger

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