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Zucht

Gefährdete Rinderrassen in Deutschland

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Jana Dahlke, agrarheute
am
13.02.2018

Die Vielfalt der Rinderrassen ist groß. Viele allerdings kaum mehr bekannt, da sie vom Aussterben bedroht sind. Hier stellen wir Ihnen einige der gefährdeten Rinderrassen vor.

Angler-Rind

Angler-Rinder auf der Weide

Das Angler Rind stammt, wie der Name schon sagt, aus Angeln, einem Gebiet an der Ostküste Schleswig-Holsteins. Hier wurde ein rein rotes Zweinutzungsrind mit besonderer Betonung auf die Milchleistung gezüchtet. Grösse, Milch- und Fettmenge wurden ständig durch straffe Zuchtauslese verbessert, so dass sie schnell die deutsche Hochleistungsrasse war. Dies führte dazu, dass die Tiere weit über ihr Ursprungsgebiet hinaus exportiert und gezüchtet wurden. Als "deutsche Butterkuh" wurde sie dann auch in alle anderen Rotviehschläge eingekreuzt, was zum Teil einer Verdrängungszucht gleichkam.

Die Angler zeichnen sich durch Frühreife, leichte Kalbungen und einer hohen Milch- und Fettmenge bei einer hervorragenden Gesundheit aus. Ausserdem lagern sie verhältnismässig viel Fett intramuskulär ein, was ein Fleisch erst richtig wohlschmeckend macht. Zudem soll die Rasse einen besonders hohen Anteil am Eiweissbestandteil Kappa-Casein-B haben, der für die Käseproduktion besonders wichtig ist.

Das Angler Rind alter Zuchtrichtung gilt laut der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) als extrem gefährdet. 2013 gab es noch 71 männliche Tiere. Aufgrund der Einkreuzungen mit anderen Rassen (wie zum Beispiel Red Holstein) ist der Anteil reinrassiger Tiere auf etwa 250 Kühe zurückgegangen. Und dies trotz der sehr besonderen Rassequalitäten in Bezug auf Milch, Fleisch, Futterverwertung, Gesundheit und Anpassungsfähigkeit.

Shorthorn

Das deutsche Shorthorn stammt urprünglich aus dem Nordosten Englands. Mittlerweile kommt es auch in Nord- und Südamerika sowie in vielen anderen Ländern vor. In Deutschland auf der Halbinsel Eiderstedt in Schleswig-Holstein. 

Beim Shorthorn gibt es zwei Zuchtrichtungen:

  • Milchshorthorn
  • Fleischshorthorn (kommt in Deutschland vor)

Shorthorn gibt es in drei Farbvariationen:

  • rot
  • weiß
  • rotschimmelig (am häufigsten in Deutschland)

Das Milchshorthorn ist ein Zweinutzungsrind, mit einer durchschnittlichen Jahresmilchmenge von 4800 kg bie 3,6% Fett und 3,3% Eiweiß. Das Fleisch-Shorthorn wird in Mutterkuhherden gehalten. Das Temperament der Tiere ist ruhig.

Auf der roten Liste gefährdeter Nutztiere wird das Shorthorn als Erhaltungspopulation geführt. 2013 waren dort 20 männliche und 185 weibliche Tiere registriert.

Schwarzbuntes Niederungsrind

Niederungsrind

Das schwarzbunte Niederungsrind ist eine Zweinutzungsrasse. Seine Eigenschaften sind vor allem das ruhige Verhalten, die Genügsamkeit, Langlebigkeit, gute Fruchtbarkeit und das sehr gute Milch-Fleisch Verhältnis. Es kann auch weniger gehaltvolles Futter aufschließen und daraus eine gute Milchmenge erzeugen. So sind die Tiere auf Naturschutzflächen gut aufgehoben und können auch hier noch gute Leistungen vorzeigen.

Das schwarzbunte Niederungsrind entwickelte sich in den Küstenländern von den Niederlanden über die deutsche Nordseeküste bis Dänemark.Waren die Tiere in den ersten Jahrhunderten meist einfarbig rot oder rotbunt, setzte sich mit der Zeit die schwarzbunte Farbe immer mehr durch. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts war die vorherrschende Farbe auf den niederländischen und norddeutschen Marschweiden schwarzbunt.

Um das Ziel der Milchleistungssteigerung schneller zu erreichen erfolgte nach dem zweiten Weltkrig der Import von Holsteinbullen und –sperma aus Nordamerika. Damit begann die Verdrängungszucht der schwarzbunten Niederungsrinder zum Deutschen Holstein. Heute wird die Rinderrasse in der Roten Liste als Erhaltungspopulation geführt. 2015 gab es noch 16 männliche und 2.781 weibliche Tiere. Einen Auftrieb erfährt das Deutsche Schwarzbunte Niederungsrind vor allem in den Grünlandregionen Niedersachsens. Zwar ist die Milchleistung im Vergleich zu Hochleistungskühen geringer, dafür setzt die Rasse mehr Fleisch an.

Gelbvieh

Gelbvieh-Rind

Das Gelbvieh - auch Frankenvieh genannt - ist eine fleischbetonte Zweinutzungrasse. Es ist ein großwüchsiges, langes Rind mit guter Bemuskelung und kräftigen Knochen. Das Rind ist sehr frohwüchsig und hat eine gute Futterverwertung. Problemlose Abkalbungen, lange Nutzungsdauer und eine Jahresmilchmenge von 5.500 kg sind weitere positive Eigenschaften des Gelbviehs.

Die Rasse ist auf einen rotbraun gefärbten keltisch-germanischen Landschlag zurückzuführen. Das altfränkische Rind war von sehr kleiner Statur. Nachdem schwerere Zugochsen benötigt wurden, begann man ab circa 1800 mit der oft planlosen Einkreuzung anderer Rinderrassen. Um 1875 begann die beständige Reinzucht auf Einfarbigkeit (gelb), Arbeitstüchtigkeit und Frohwüchsigkeit.

Das Hauptzuchtgebiet liegt in Unter-, Ober- und Mittelfranken. Insgesamt ist der Bestand der Rasse stark rückläufig. 2013 gab es 4 männliche und 2.374 registrierte weibliche Tiere.

Glanrind

Das Glanrind ist eine traditionelle Rasse des Hausrinds, das vorwiegend in Rheinland-Pfalz beheimatet ist. Die Rasse verfüget über eine hervorragende Bemuskelung und eine ausgezeichnete Fleischzusammensetzung. Sie sind leichtkalbig mit ruhigem, gutartigem Temperament. Die durchschnittliche tägliche Zunahme von Glan-Jungbullen beträgt mehr als 1.200 Gramm. Glanrinder sind eher spätreif und können daher lange in der Extensivmast gehalten werden. Die durchschnittliche Milchleistung liegt bei 4.500 kg und einem Fettgehalt von 4,0%.

Um die Milchleistung zu erhöhen wurden ab 1950 andere Rassen eingekreuzt, wodurch die Rasse fast vollständig ausstarb. Das Rind steht ebenfalls auf der roten Liste und zählte 2013 106 männliche und 826 weibliche Tiere. Das Land Rheinland-Pfalz zahlt für jedes registrierte Tier eine Zuchterhaltungsprämie.

Pinzgauer

Pinzgauer-Kuh-mit-Kalb-auf-Weide

Die Rasse ist bayrisch-österreichischer Herkunft und verdankt ihren Namen dem Ort Pinzgau. Zurzeit der Österreich-Ungarischen Monarchie war es das meistverbreiteste Rind im gesamten Hoheitsgebiet und verbreitete sich auch noch weiter nach Osteuropa. Im Zuge der Industrialisierung erfolgte ein Einbruch in den Bestandszahlen. Die Nachfrage nach Zugtieren ging zurück und die Pinzgauer wurden von Tieren mit höherer Milchleistung verdrängt. Die Marmorierung des Fleisches wird jedoch bis heute von einem speziellen Kundenkreis geschätzt. Daher hat in den letzten Jahren der Bestand des Pinzgauers wieder zugenommen, weshalb das Rind wieder in eine niedrigere Gefährdungskategorie der Roten Liste eingestuft werden konnte.

Mit Material von Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

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