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Milchproduktion

Gemischte Aussichten für Australiens Milchbranche

von , am
12.06.2010

Canberra - Wie eine Umfrage des Branchenverbandes Dairy Australia ergab, rechnen nur rund die Hälfte der Milchbauern Australiens für das erste Halbjahr 2010 damit, schwarze Zahlen zu schreiben.

© AndreasEdelmann/fotolia

Australiens Milchviehhalter bewegen sich weiterhin in einem schwierigen Marktumfeld. Die Landwirte sind aber nach wie vor relativ optimistisch. So waren ebenso wie zum entsprechenden Vorjahreszeitpunkt rund zwei Drittel der Milchviehhalter zuversichtlich für die Zukunft ihrer Branche. Diese Bauern gehen von besseren Milchpreisen und von einer weiterhin stabilen Nachfrage nach Milchprodukten aus. Dairy Australia selbst hat eine recht optimistische Prognose für das am 1. Juli beginnende neue Milchwirtschaftsjahr herausgegeben.

So rechnen die Marktexperten im Mittel des neuen Wirtschaftsjahres mit einem Erzeugerpreis von 5,00 australische Dollar (3,42 Euro) bis 5,40 australische Dollar (3,69 Euro) pro Kilogramm Milchfeststoff, womit das zum Auftakt der Saison erwartete Preisniveau um knapp 14 Prozent überschritten wird. Die Milchfeststoffeinheit besteht aus einer Fett- und einer Proteinkomponente. Geteilt durch den Faktor 13,50 erhält man die Entsprechung pro Liter, womit Dairy Australia einen Milchpreis von mindestens 25 Cent pro Liter erwartet.

Exportchancen bleiben begrenzt

Zugrundegelegt werden dabei konstante Weltmarktpreise für Milchprodukte und ein stabiler Wechselkurs des australischen Dollar. Auf den aktuell relativ hohen Außenwert der Landeswährung zurückzuführen ist allerdings, dass die Chancen der Molkereien im Export begrenzt bleiben. "Die Nachfrage nach Käse bleibt aus Japan schwach", erklärte Dairy Australia zum erwarteten Bedarf eines wichtigen asiatischen Kunden. Dairy Australia wies aber auch auf die wichtige Rolle Chinas als Milchpulverabnehmer hin, wo sich für die Anbieter vom Fünften Kontinent auch bei Spezialprodukten, beispielsweise bei Babynahrung, Chancen ergäben.

Bessere Preise am Heimatmarkt

Als stabil hat sich die Nachfrage seitens heimischer Kunden für die australischen Molkereien erwiesen. Dies hat dazu geführt, dass sich die Preise für australischen Käse im Exportgeschäft einerseits und auf dem heimischen Markt andererseits seit Jahresanfang gegenläufig entwickelt haben. Während die Exporteure Zugeständnisse machen mussten, waren die Abgabepreise für den australischen Lebensmitteleinzelhandel im Aufwind. Dairy Australia sieht denn auch den heimischen Markt als "relativ sicheren Hafen" für die Milchverarbeiter, der stabiles Wachstum ohne die extremen Höhen und Tiefen der internationalen Märkte biete. Zunehmende Mengen, mittlerweile rund 55 Prozent des Milchaufkommens, gingen auf den australischen Markt. "Firmen, die den heimischen Markt bedienen, sind angesichts der knappen Angebotssituation und vor dem Hintergrund verbesserter Exportmöglichkeiten gut positioniert, um verbesserte Margen herauszuholen", betonte der Geschäftsführer des Branchenverbandes, Ian Halliday.

Schuldenbelastung der Betriebe zugenommen

Für die wirtschaftliche Lage in der australischen Milchviehhaltung bleibt die enorme regionale Streuung der Einkommen ein wichtiges Merkmal. Laut einem Bericht des australischen Amtes für die Land- und Rohstoffwirtschaft (ABARE) sanken die Einkommen der Milchviehhalter im Wirtschaftsjahr 2009/10 gegenüber dem Vorjahr um 43 Prozent auf rund 50.000 australische Dollar (34.185 Euro). Ausschlaggebend hierfür war die Situation in den südlichen Landesteilen. So mussten in der Region Northern Victoria-Riverina durchschnittliche Verluste von mehr als 27.000 australische Dollar (18.460 Euro) verbucht werden, während die Betriebe im Westen Australiens im Mittel Gewinne von 240.500 australische Dollar (164.430 Euro) machten. Im Schnitt hat die Schuldenbelastung der australischen Betriebe in der ablaufenden Saison stark zugenommen, und zwar auf 683.000 australische Dollar (466.967 Euro) pro Farm, das sind rund 20 Prozent mehr als vor zwei Jahren.

Durchschnittlich 258 Tiere

Laut den Ergebnissen einer Umfrage von Dairy Australia investierten rund zwei Drittel der Landwirte in den vergangenen zwölf Monaten in ihren Betrieb, ein Niveau, das sich etwa auf dem Vorjahresstand bewegte. Die durchschnittliche Herdengröße der Farmen beläuft sich dem Branchenverband zufolge in diesem Jahr auf 258 Tiere. Im zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr 2009/10 stockten demnach 29 Prozent der Kuhhalter ab, während 32 Prozent ihre Herden vergrößerten. Im Süden des Landes wurde von verstärktem Weidegang und weniger Futterzukäufen berichtet. Insgesamt soll sich die Getreideration pro Kuh mit 1,50 Tonnen pro Tier aber gegenüber 2009, als 1,53 Tonnen Getreide gegeben wurden, im Landesmittel kaum verändert haben.

Prekäre Finanzlage begrenztWachstumschancen

In den nächsten zwölf Monaten wollen knapp 40 Prozent der Landwirte in ihren Milchviehbetrieb investieren; das sind sieben Prozentpunkte mehr als zum entsprechenden Vorjahreszeitpunkt Investitionsabsichten hatten. Auf die Milchproduktion soll sich dies laut den jüngsten Schätzungen aber kaum auswirken. Mit neun Milliarden Liter veranschlagt der Branchenverband das Rohmilchaufkommen 2010/11 nur um rund 0,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Zwar biete die bevorstehende Saison bessere Aussichten mit höheren Erzeuger- und niedrigeren Getreidepreisen sowie mit einem besseren Herbst in den meisten Gegenden, doch die finanzielle Lage vieler Betriebe im Süden Australiens begrenze die Wachstumsmöglichkeiten vieler Farmer. Dies überschatte den Ausblick für die Milchproduktion 2010/11. Gleichzeitig gibt Dairy Australia aber auch zu bedenken, die aktuelle Prognose von neun Milliarden Liter habe angesichts eines berichteten Wachstums von zwei Prozent bis drei Prozent bei der Zahl der Milchkühe im Frühjahr 2010 noch Luft nach oben. Bei erträglichen Witterungsbedingungen und Preisen geht der Branchenverband mittelfristig von einer australischen Milchproduktion in einer Größenordnung von 8,9 Milliarden Liter bis 9,2 Milliarden Liter im Wirtschaftsjahr 2012/13 aus.

Stark sinkende Butterexporte erwartet

Zu einer ähnlichen Marktbeschreibung wie Dairy Australia kommt das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten in einem aktuellen Bericht zum Milchmarkt auf dem Fünften Kontinent. So gehen die amerikanischen Marktexperten von einer starken Binnennachfrage nach Konsummilch aus, was die Verwertungsmöglichkeiten für andere Absatzkanäle und den Export begrenzt, zumal das Rohmilchaufkommen nach der starken Dürre der Vorjahre gesunken war. Im zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr sollen im Zuge dieser Entwicklung die Produktion von Butter und Milchpulver spürbar eingeschränkt worden sein. Die australische Buttererzeugung schätzt das Ministerium 2009/10 auf 114.000 Tonnen; das sind fast 14 Prozent weniger als im Vorjahr. Im kommenden Wirtschaftsjahr soll sich die Produktion auf diesem Niveau halten, jedoch das Exportvolumen stark sinken. Stabil soll sich in Australien laut den Erwartungen aus Washington die Erzeugung und Ausfuhr von Vollmilchpulver entwickeln. Die Produktion im ablaufenden Wirtschaftsjahr wird auf rund 130.000 Tonnen Vollmilchpulver veranschlagt, der Export auf 115.000 Tonnen. In dieser Größenordnung sollen sich Erzeugung und Ausfuhr auch in der nächsten Kampagne bewegen.

Schlüsselbedeutung Japans

Vor dem Hintergrund der knappen Rohstoffausstattung der australischen Molkereien entwickelte sich der Käsemarkt zuletzt robust. Die australische Käseproduktion veranschlagt das US-Agrarministerium für das Wirtschaftsjahr 2009/10 auf 315 000 Tonnen; das sind 3,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Branchenkreise hätten verlautbart, dass der Weichkäsemarkt voraussichtlich weiter wachse und die Nachfrage insgesamt stützen werde, heißt es. Die Käseexporte Australiens werden in dem Bericht für das ablaufende Wirtschaftsjahr auf 160.000 Tonnen beziffert, das sind rund 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Zurückzuführen ist dieses Wachstum vor allem auf Steigerungen außerhalb des Cheddar-Segments. Für eine weitere Erhöhung der Exporte soll laut Medienberichten eine Verbesserung auf dem japanischen Markt notwendig sein, der traditionell - umgerechnet in Flüssigmilch - rund 10 Prozent des australischen Milchaufkommens aufnimmt. (AgE)

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