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Zucht

Genetische Ursachen für Unfruchtbarkeit bei Rindern entdeckt

© Paul Hakimata/aboutpixel
von , am
17.01.2014

München/Aarhus - Forscher aus Deutschland und Dänemark haben die genetischen Ursachen von unfruchtbaren Bullen und nachlassender Fruchtbarkeit bei Hochleistungskühen entdeckt.

Die Preise für Jungbullen der Handelsklasse O3 liegen mit 3,45 Euro/kg 21 Cent über dem Vorjahr. © Mühlhausen/landpixel
Eine höhere Befruchtungsrate in der Rinderzüchtung verspricht ein aktueller Forschungserfolg, den Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) erzielt haben. Wie vergangene Woche berichteten, haben sie im Gen TMEM95 auf dem Rinderchromosom 19 einen Defekt entdeckt, der Bullen unfruchtbar macht. Nun sei es durch einfache Gentests möglich, Träger des Defekts zu identifizieren. Sie könnten dann von der Züchtung ausgeschlossen werden. Das sei allerdings nur dann nötig, wenn der Bulle die Mutation sowohl vom Vater- als auch Muttertier geerbt habe. Nur dann sei nämlich der Defekt phänotypisch ausgeprägt.
 
Das Gen TMEM95 kodiert Hochschulangaben zufolge auf der Oberfläche der Spermienköpfe ein Protein, das die Bindung zwischen Samen- und Eizelle vermittelt. Fehle das Protein infolge des Gendefekts, komme es nahezu nie zur Befruchtung. Ansonsten seien die Tiere völlig gesund und unauffällig. Für ihre Forschungsarbeiten verglichen die Wissenschaftler eigenen Angaben zufolge die Genome von insgesamt 40 wenig fruchtbaren Bullen mit den Erbinformationen von 8.000 normal fruchtbaren Tieren. Die Studie ist im Rahmen des Synbreed-Forschungsverbundes entstanden. Ihre Ergebnisse wurden kürzlich im Fachjournal "Plos Genetics" veröffentlicht.

Fruchtbarkeit von Kühen durch genomische Selektion verbessern

Hinweise auf einen direkten genetischen Zusammenhang zwischen Milchleistung und Fruchtbarkeit bei Milchkühen haben Forscher vom dänischen Zentrum für Nahrungsmittel und Landwirtschaft (DCA) der Universität Aarhus entdeckt. Wie das DCA vergangene Woche mitteilte, wurde früher meist vermutet, dass die oft beobachtete nachlassende Fruchtbarkeit von hochleistenden Kühen vor allem aus der negativen Energiebilanz der Tiere resultiert. Die aktuellen Forschungsergebnisse, die auf Untersuchungen des DCA sowie der Universität Lüttich und des MTT Agrifood Research Finland basierten, wiesen allerdings auch auf eine genetische Ursache für das Problem hin.
 
Nach Angaben des DCA-Wissenschaftlers Goutam Sahana resultiert die schwache Fruchtbarkeit mancher Kühe aus einer rezessiven Mutation auf vier Gensequenzen, die für einen überdurchschnittlich häufigen Abort von Embryonen sorgt. Trügen beide Elterntiere die Mutation in ihrem Genom, weise die Kuh ein entsprechendes Fertilitätsproblem auf. Laut DCA ist die sogenannte embryonale Letalmutation vor allem bei nordischen Rotbuntrassen verbreitet, tritt aber auch in anderen Populationen auf. Der Grund für die relativ weite Verbreitung der Mutation soll gerade in der engen Verknüpfung der entsprechenden Gene mit der Milchleistung der Rinder liegen. Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler empfehlen zur Vermeidung solcher Embryonalaborte eine genomische Selektion der Elterntiere, so dass es nicht mehr zur Ausprägung des rezessiven Genomfehlers kommen kann.
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