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Aus der Wirtschaft

Genomische Selektion als Premiere in der Rinderzucht

von , am
02.04.2011

Salzburg - Die genomische Selektion – erst seit ein paar Jahren das neue Schlagwort in der Rinderzucht – war kürzlich Thema einer breit angelegten deutsch-österreichischen Informationsveranstaltung.

Der Preis für Schlachtkühe ist vergangene Woche um bis zu 5 Cent gefallen. © Petra Kress/pixelio
Die genomische Selektion beim Rind ermöglicht die Auswahl der genetisch besten Tiere durch die Untersuchung einer einzigen Blut- oder Gewebeprobe – und das bereits bevor das Tier überhaupt eigene Nachkommen hat. Tierzuchtexperten sind sich einig, dass dieses Verfahren die Rinderzucht weltweit revolutionieren wird.
 
Seit Februar diesen Jahres wendet die deutsch-österreichische Fleckviehzucht die genomische Selektion in der Praxis an. Innerhalb von drei Monaten wurden schon mehr als 2.200 Kälber untersucht und die Ergebnisse den Zuchtverbänden zur Verfügung gestellt.

Sinnvolle Anwendung und Zukunftschancen

Über die sinnvolle Anwendung und Zukunftschancen genomischer Selektionsverfahren diskutierten nun Wissenschaftlicher und Praktiker im Rahmen einer Tagung in Salzburg. Veranstalter waren neben der Rechenstelle der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Grub die Rechenstellen in Wien und Stuttgart, die Arbeitsgemeinschaft Süddeutscher Rinderzuchtverbände, die Arbeitsgemeinschaft Österreichisches Fleckvieh und die Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde. Mehr als 200 Gäste waren zu der Tagung nach Salzburg angereist.

"Die genomische Selektion funktioniert"

Wissenschaftler der drei Rechenstellen und der Vereinigten Informationssysteme Tierhaltung (Verden) stellten den Stand der Verfahren und erste praktische Erfahrungen mit der genomischen Selektion vor. Durch die Analyse der Erbsubstanz mittels der SNP-Chip-Technologie kann man bereits bei neugeborenen Kälbern den Zuchtwert sehr genau bestimmen. Bisher war dies frühestens möglich, wenn das Tier fünf Jahre alt war und selbst schon drei Kälber auf die Welt gebracht hatte.

Genomische Selektion in der Praxis

Im zweiten Teil der Tagung ging es um die praktische Anwendung dieses neuen Selektionswerkzeugs. Dr. Alfons Willam von der Universität für Bodenkultur in Wien und Dr. Stefan Neuner von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Grub präsentierten Ergebnisse zur Zuchtplanung im genomischen Zeitalter. Beide Referenten schlussfolgerten, dass die effiziente Nutzung weitreichende Veränderungen der bestehenden Zuchtprogramme mit sich bringen wird. Intensiv wurde diskutiert, wie die neuen Methoden zur Verbesserung der Fruchtbarkeit und der Tiergesundheit eingesetzt werden können.

"Mit einer Portion Vorsicht in die Zukunft"

Vier Statements von Praktikern aus Zucht und Besamung zeigten, dass derzeit die neue Technologie noch sehr vorsichtig benutzt wird. Alle Organisationen wollen zunächst die bewährte Nachkommenprüfung beibehalten und Bullen ohne Töchterleistungen nur sehr begrenzt in den Einsatz bringen. Die anwesenden Züchter betonten in der Diskussion, dass auch für sie wesentliche Änderungen in der Arbeitsweise zu erwarten sind. Dabei wurde beklagt, dass die Vorgehensweise derzeit bei jeder Züchtervereinigung verschieden sei, was dem Züchter die Orientierung erschwere.

Zusammenarbeit lohnt sich

Dennoch zog Ministerialrat Dr. Hans Ableiter vom Ministerium für Ländlichen Raum in Stuttgart eine positive Bilanz. Er lobte die bewährte Zusammenarbeit zwischen Bayern, Baden-Württemberg und Österreich und betonte, dass die Wissenschaftler gezeigt hätten, dass sich diese auch erfolgreich auf Zukunftstechnologien übertragen ließe. Damit seien die Rassen Fleckvieh und Braunvieh im internationalen Wettbewerb wieder sehr gut aufgestellt.
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