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Milchviehfütterung

Gesunde Klauen: Am Trog beginnt es

Kühe am Trog
Professor Dr. Manfred Hoffmann
am
25.05.2018

Für die Klauengesundheit ist es entscheidend, was in der Ration drin ist, aber auch, welche Stoffe vermieden werden. Letzteres hat besonders für die Klauenrehe Bedeutung.

Klauenkrankheiten verursachen etwa 15 Prozent aller Abgänge und damit erhebliche direkte Verluste. Der Schaden durch indirekte Auswirkungen (zum Beispiel geringere Futteraufnahme infolge Lahmheit) ist ebenfalls enorm. Die Fütterung kann das Auftreten von Klauenerkrankungen fördern oder mindern. Im Folgenden sollen einige kritische Punkte aufgezeigt werden.

Biogene Amine verursachen Rehe

Die ernährungsbedingte Klauenrehe ist eine Stoffwechselkrankheit und wird durch sogenannte biogene Amine hervorgerufen. Eine besondere Rolle spielt hier die Aminosäure Histidin und das aus ihr entstehende biogene Amin Histamin. Histidinreich sind Weizen, aber auch Sojaprodukte und einheimische Leguminosen. Hier liegt auch der Grund, weshalb bei starkem Auftreten von Klauenerkrankungen bei Milchkühen der Einsatz von Weizen oder Weizenprodukten möglichst vermieden werden soll. Aber auch Tryptamin aus Tryptophan und Zysteamin aus Zystin oder Zystein können Klauenrehe verursachen.

Last der Azidose

Um Azidosen und die damit verbundenen Probleme für die Klauengesundheit zu vermeiden, gilt es, auf eine ausreichende Strukturversorgung zu achten. Das heißt, die Ration sollte mindestens 400 g strukturwirksame Rohfaser je 100 kg Körpermasse enthalten. Außerdem gilt es, bei den leicht verfügbaren Kohlenhydraten in der Ration die Höchstgrenze von 260 g Stärke je Kilogramm Trockensubstanz in der Ration einzuhalten. Besonders bei Getreide und Getreideprodukten sind die futtermittelspezifischen Restriktionen beim Einsatz in der Ration zu beachten.

Auf Schwefel achten

Für das Wachstum und die Funktion der Klaue ist die Synthese des Gerüsteiweißes Keratin von großer Bedeutung. Es enthält die schwefelhaltige Aminosäure Zystin und weitere Aminosäuren. Sie gewährleisten die Festigkeit des Horns. Eine Quelle für schwefelhaltige Aminosäuren ist das Durchflussprotein, das direkt in den Dünndarm gelangt. Die zweite wichtige Quelle ist das aus Futterrohprotein gebildete Bakterienprotein. In jedem Fall gilt es, durch das Futter zu gewährleisten, dass ausreichend Schwefel verfügbar ist. Eines der schwefelhaltigsten Futtermittel ist Raps­extraktionsschrot. Bei Methioninmangel lässt sich pansengeschütztes Methionin einsetzen.

Biotin, ein besonderes Vitamin

Unerlässlich für eine gesunde Hornbildung ist Biotin, auch als Vitamin H bezeichnet. Das wasserlösliche Vitamin spielt in verschiedenen Stoffwechselprozessen eine Rolle. Es ist wichtig für Haut, Haare und Klauen. Allgemein kann man davon ausgehen, dass die bakterielle Synthese von Biotin in den Vormägen der Wiederkäuer ausreicht, um den Bedarf zu decken. Da die Biotinbildung im Pansen mit abnehmendem pH-Wert geringer wird, kann bei hohen Kraftfuttermittelgaben Biotinmangel auftreten. Ein solcher Mangel verstärkt sich bei sehr hohen Milchleistungen noch. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, Biotinpräparate zuzufüttern.

Zu wenig Fett macht lahm

Eine Vielzahl von Untersuchungen in den letzten Jahren machen deutlich, dass es ­einen Zusammenhang zwischen der ­Körperkondition, dem Fettansatz und der Stärke des Fettpolsters zwischen der tiefen Beugesehne und dem Ballenhorn gibt.
Bei einem Body Condition Score (BCS) unter 2,5 mm liegt der ­Anteil lahmer Kühe bei rund 20 Prozent. Magern die Tiere noch weiter ab, kann diese Zahl auf über 50 Prozent ansteigen und es kommt zum Teil zu drastischen Klauenveränderungen.
Dabei können Lahmheiten zu extremeren Rückgängen der Futteraufnahme führen, als dies ein zu hoher Fettansatz vermag. Wenn so etwas im geburtsnahen Zeitraum erfolgt, kann man sich die verheerenden Auswirkungen vorstellen, die sich daraus ergeben.  

 

Fotostrecke: Automatische Fütterung - die Anbieter

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