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Milchproduktion

Gesunde Kühe, hohe Milchleistung: Darauf kommt es an

© landpixel
von , am
10.07.2014

Hohe Milchleistung, gute Fruchtbarkeit, gesunde Tiere - das wünschen sich Milchviehhalter. Wie das klappt, erklären vier Experten.

Nicht alle Milchkühe sind für AMS geeignet. © Mühlhausen/landpixel
Eine Woche lang sind Markus Pahlke, Maren Diersing-Espenhorst und Anne Grave vom dlz agrarmagazin durch Süddeutschland, die Schweiz und Österreich getourt. Gedreht hat sich auf der Reise alles um das Thema Milch - das Intensivseminar Precision Dairy Farming stand auf der Tagesordnung.
 
Für Milchviehhalter, die bei dem Seminar nicht dabei sein konnten, und deswegen die nationalen und internationalen Referenten verpasst haben, gibt es hier eine kleine Zusammenfassung.

Die Kuh richtig deuten

 
"Wer das Verhalten seiner Kuh nicht richtig deuten kann macht Fehler," so das Kredo von Dr. Neil Chesterton, Tierarzt aus Neuseeland. Wenn Kühe beispielsweise nicht freiwillig in den Melkstand gehen, könne das daran liegen, dass sie Angst haben. Meist vor dem Menschen, der sich aus Sicht der Kuh merkwürdig verhält und so zur gefühlten Gefahr wird. Die Folge: Die Kuh kooperiert nicht, der Landwirt übt weiter Druck aus, treibt oder ruft laut. Ein Teufelskreis: Die Kuh verweigert sich völlig, der Halter ist frustriert.
 
Chesterton empfiehlt Landwirten beispielsweise, sich der Kuh langsam seitlich zu nähern (in Höhe der Schulterblätter), damit sich das Tier nicht erschreckt und der Milchviehhalter die Fluchtdistanz des Tieres austesten kann.

Auf konstante Zusammensetzung des Futters achten

 
Worauf es bei der richtigen Fütterung ankommt, erklärte Michael Neumayer aus Österreich, Fachtierarzt und Fütterungsexperte. Für ihn bedeutet Precision Dairy Farming reproduzierbare Genauigkeit. "Schauen Sie die Dinge in Ihrem Betrieb an, messen und kontrollieren Sie", erklärt er.
 
So sollten Milchviehhalter beispielsweise auf eine konstante Zusammensetzung des Futters achten: Die Tiere reagieren empfindlich auf kleinste Änderungen. Auch wenn die Energiewerte stimmen, können sich die Komponenten unter Umständen ändern. Wo vorher Soja in der Rezeptur eingesetzt wurde, kann in der nächsten keiner mehr enthalten sein. "Wenn wir 20 Prozent Weizen in der Ration haben wollen, müssen wir das vom Futtermittelhersteller kontinuierlich verlangen, auch wenn es Phasen gibt, in denen das Futter dann teurer wird", so Neumayer.
 
Denn nur eine gesunde Kuh mit einem gesunden Pansen bringe hohe Milchleistungen. Ein wichtiger Punkt in Sachen Milchleistung sei zudem, die Nährstoffversorgung der Milchleistung einer Kuh anzupassen - und nicht umgekehrt.

Geht beides: hohe Milchleistung und gute Fruchtbarkeit

 
Hohe Milch- und Fruchtbarkeitsleistung schließen einander nicht auch. Diese These vertritt Dr. Doron Bar aus Israel und belegt sie auch gleich mit einem Beispiel aus seiner Heimat: Einer der zwölf besten israelischen Betriebe erreiche eine durchschnittliche Milchleistung von 13.000 Kilo mit einem Erstbesamungserfolg von 60 Prozent.
 
Er empfiehlt, typischen Krankheiten rund um die Geburt vorzubeugen, Lahmheiten zu minimieren und eine negative Energiebilanz auf einen möglichst kurzen Zeitpunkt zu beschränken. Eine gute Brunsterkennung sei ebenfalls wichtig. Sie müsse entweder straff organisiert sein oder mit effektiven Erkennungssystemen erfolgen. Wenn eine Kuh bis zur ersten Besamung brunstlos bleibt, komme es auf eine intensive Diagnose an. Er empfiehlt, die freiwilligen Wartezeiten anzupassen, den Body-Condtion-Score zu kontrollieren und an das Leistungsniveau anzugleichen.

Formel für gesunde Euter

 
Eine Formel für gesunde Euter hatte Prof. Volker Krömker von der Tierärztlichen Hochschule Hannover im Angebot:
 
effektive Vorbeugung + maßvolle Untersuchung + notwendige Behandlung = gesunde Euter
 
"Unsere Kühe kommen meist zu dreckig in den Melkstand", kritisiert Krömker. Um chronisch euterkranken Kühen vorzubeugen, empfiehlt er unter anderem, Konzepte für die unterschiedlichen Leitkeime zu erstellen. Denn um Staphylococcus aureus zu bewältigen, sind andere Maßnahmen nötig als für Erreger wie E. Coli, die aus der Haltungsumwelt stammen und mit denen die Kühe heutzutage verstärkt zu tun haben. Um sie zu bekämpfen, seien sehr definierte Arbeitsweisen nötig, weniger eine Therapie. Landwirte müssten sich mit der Sauberkeit ihrer Boxen und der des Laufgangs auseinandersetzen und auch die Frage, wie Kühe vor dem Melken gereinigt werden, sei wichtig.
 
Außerdem weist Krömker darauf hin, dass Zitzenbecher und -gummis häufig zu lang sind. Der Trend gehe hin zu kurzen Hülsen, einem relativ engem Schaft und kurzköpfigen Gummis. "Wenn die Zitze das mittlere Drittel des Gummis erreicht, lässt sie sich gut melken", empfiehlt Krömker.
 
 
Auch in den kommenden drei Ausgaben  beschäftigt sich das dlz agrarmagazin mit dem Thema Precision Dairy Farming. Zum Probeabo geht's hier ...
  
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