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Milchproduktion

Gewerkschaft: Molkereien wollen Angestellte klein halten

von , am
21.10.2010

Ismaning - Auch im dritten Anlauf sind die Tarifverhandlungen für die etwa 14.000 Beschäftigten in der bayerischen Milchwirtschaft gescheitert. In den kommenden zwei Wochen soll ein Schlichter zwischen Arbeitgebern und der Gewerkschaft NGG vermitteln.

Im ersten Halbjahr 2016 rechnen Molkereien noch mit hohen Milchanlieferungen. © Mühlhausen/landpixel

"Gescheitert sind die Gespräche an der Frage der Entgelterhöhung und daran, dass die Arbeitgeber keine Regelung für Leihharbeiter einführen wollen", erklärt Hans Hartl, NGG-Landesbezirkschef und Verhandlungsführer, im Gespräch mit agrarheute.com. Und weiter: "Sie wollen mit den Arbeitnehmern genauso umgehen wie mit den Landwirten - sie wollen sie klein halten. Und das bei einer boomenden Wirtschaft". Derzeit würden in vielen Werken sogar Sonderschichten am Wochenende gefahren.

Arbeitgebervorschlag viel zu wenig

Die Arbeigeber hätten statt der von der Gewerkschaft geforderten fünfprozentigen Gehaltserhöhung 2,58 Prozent mehr Geld vorgeschlagen. Hartl: "Das ist angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung viel zu wenig." Der NGG-Forderung, alle Auszubildenden für ein Jahr zu übernehmen, haben die Arbeitgeber zugestimmt. Keine Einigkeit herrscht hingegen bei Regelungen zur Altersteilzeit und einem Tarifvertrag für Leiharbeiter.

Parallelen zwischen Landwirten und Angestellten

Für die rund 1.000 in der Milchindustrie beschäftigten Leihharbeiter will die Gewerkschaft einen Tarifvertrag aushandeln. "Die werden in einigen Molkereien als billige Arbeitskräfte eingesetzt", so Hartl. Während viele Werke nur wenige Leihharbeiter einsetzen, läge der Anteil in einer Chamer Molkerei bei 20 Prozent, in einer Weidener Molkerei sogar dauerhaft bei 50 Prozent. Hartl weiter: "Dabei lassen sich durchaus Parallelen zu den Landwirten ziehen. Molkereien, die die Landwirte anständig bezahlen, gehen auch gut mit ihren Angestellten um." Umgekehrt sei das aber genauso.

Gewerkschaft bereitet sich auf Urabstimmung vor

Während der Schlichter versucht, den Konflikt zwischen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten und den Arbeitgebern in der bayerischen Milchwirtschaft zu lösen, herrscht Friedenspflicht. Die Gewerkschaft bereitet sich dennoch auf einen Arbeitskampf vor. "Wir wollen die letzte Chance jetzt nutzen. Parallel dazu machen wir aber den Weg für eine Urabstimmung und Streiks frei", kündigt Hans Hartl an.

Streiks könnten sich auf Landwirte auswirken

Im Unterschied zu Warnstreiks, die nur zwei bis drei Stunden dauern dürfen, können sich Streiks, die auf eine Urabstimmung folgen, über mehrere Tage ziehen. "Das kann sich dann aber auch  auf die Landwirte auswirken, indem die Milch nicht mehr wie gehabt abgeholt wird", erklärt Hans-Jürgen Seufferlein vom Verband der Milcherzeuger Bayern. (ez)

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