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Milchviehfütterung

Wenn Grundfutter knapp wird

Kühe am Fressgitter
am Donnerstag, 10.09.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Das Klima verändert sich und damit auch das Futterangebot für die Milchkühe. Fünf Maßnahmen unseres Fütterungsexperten, wie Sie auf die Wetterkapriolen reagieren können.

Viele Betriebe haben in den letzten Jahren sowohl bei Ackerfutter als auch bei Grünland Erträge eingebüßt. Die Folge ist weniger Futter im Fahrsilo. Grobfutter lässt sich nicht durch Kraftfutter zu ersetzen. Denn es sichert in den Rationen eine ausreichende Faserversorgung. Was benötigt eine Kuh im Jahr: 45 bis 50 dt Trockenmasse (TM) mit 10 dt Rohfaser und über 28 Gigajoule (GJ) NEL je Kuh. Als Futterreserve sind 15 Prozent der gesamten Silagemenge zu empfehlen. Das entspricht etwa 7 dt je Kuh. An fünf Stellschrauben lässt sich drehen, um die nötige Grobfutterbasis der Rinderbestände zu sichern:

1. Verschiedene Futtermittel

Um das Risiko von Ertragsschwankungen bei Ackerfutter und Grünland zu mindern, bietet sich der Anbau von Luzerne, Klee und Kleegras sowie trockenheitsverträglicher Gräser an. Teilweise haben Landwirte verschiedene Sommer- und Winterzwischenfrüchte wiederentdeckt. Durch die unterschiedlichen Ansprüche hinsichtlich Aussaatzeiten, Wasserbedarf, Erntezeitpunkt und Frostverträglichkeit können Zwischenfrüchte Ertragsschwankungen und Ausfälle der Hauptfutterarten ausgleichen. Grünschnittroggen als Winterzwischenfrucht hat in vielen Betrieben mittlerweile einen festen Platz als Frischfutter oder Silage eingenommen.

2. Unterschiedliche Nutzungsformen

Eine weitere Möglichkeit, Risiken zu mindern, ist es, alle Nutzungsformen in Betracht zu ziehen. Dabei ist es eine Frage des Standorts, ob man das Futtergut als Frischfutter, Silage, Heu oder Trockengrünfutter nutzt. An Bedeutung gewinnt die Trocknung mit modernen, energieeffizienten Verfahren (Unterdach mit Warmluft beziehungsweise Entfeuchter).

3. Bewässerung

In manchen Regionen sind ein sicherer Futterbau und eine risikoarme Grobfutterversorgung der Rinderbestände nur möglich, wenn in Trockenperioden bewässert wird. Besonders bei ausbleibenden oder niedrigen Niederschlägen in der Hauptwachstumszeit von Ende März bis Juni und ausbleibenden Niederschlägen im Sommer/Anfang Herbst (Zwischenfrüchte) bieten sich wassersparende und nach der Bodenfeuchte gesteuerte Bewässerungsanlagen an.

4. Stroh einsetzen

Mehr Stroh in Milchkuhrationen einzusetzen, ist eine weitere Möglichkeit. Darauf ist jedoch die gesamte Kette vom Getreideanbau bis zur Strohbergung und Lagerung abzustellen. Auch Grasstroh hat sich bewährt (zum Beispiel Weidelgrasstroh aus der Samengewinnung). Beim Stroheinsatz kommt es darauf an,

  • dass das Stroh ausreichend zerkleinert wird: Die theoretische Häcksellänge soll 3 bis 4 cm betragen. Die Häcksellänge sorgt dafür, dass die Tiere das Stroh in der Mischration nicht selektieren können und damit größere Strohmengen aufnehmen, ohne dass die Gesamtfutteraufnahme zurückgeht;
  • dass der Trockensubstanzgehalt des Strohs beim Einlagern mindestens 84 Prozent beträgt. Die Lagerfläche, am besten unter Dach, hält das Stroh trocken. Auf diese Weise vermeidet man Schimmelpilzsporen und Hefen, die die Gesundheit der Tiere gefährden.

5. Mehr Nebenprodukte nutzen

Ackerfutter lässt sich auch durch den Einsatz von Nebenprodukten einsparen. Hierzu gehören unter anderem Pressschnitzel, Biertreber, Getreideschlempen sowie Obst- und Traubentrester. Auch mit Mengen von 10 kg Biertreber und 20 kg Pressschnitzel sind Milchleistungen um 30 kg Milch je Tier und Tag erreichbar.

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