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Milchviehhaltung

Gummimatten im Kuhstall: Darauf kommt es an

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am Montag, 23.12.2019 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Kühe mögen es nicht nur in ihren Liegeboxen weich und bequem, sondern auch beim Laufen. Doch welche Vorteile bieten Gummimatten?

Läufer wissen es: Ob Joggingrunde im Wald, Marathontraining auf dem Teer oder eine Runde auf der Tartanbahn, jeder Bodenbelag wirkt sich unterschiedlich auf die Gelenke und die Muskeln aus. Auch Kühe haben spezielle Ansprüche an ihre Laufflächen im Milchviehstall. Schließlich bringen sie jeden Tag Höchstleistungen in der Milchproduktion und legen einige Kilometer auf den Laufflächen zurück – Spitzensportler im Stall eben.

Auf ihrem Weg durch den Stall muss die Rinderklaue dabei einiges aushalten. Schließlich nutzen Kühe den Stallboden 24 Stunden am Tag beim Liegen, Laufen oder Stehen. Ursprünglich sind Rinder aber Steppentiere und ihre Klauen sind anatomisch an die Bedingungen auf der Weide angepasst – an einen weichen und nachgiebigen Untergrund.

Das Klauenhorn ist in verschiedene Zonen unterteilt. So sind einige Bereiche fest und elastisch, andere hingegen eher weich und dämpfend. Die Klaue ist sowohl für weiche als auch harte Bodenbedingungen geeignet und verträgt trockene und feuchte Untergründe gleichermaßen, aber hier kommt es auf die Abwechslung an.

In den meisten Milchviehställen befinden sich überwiegend Spalten- oder planbefestigte Böden. Das Problem: Beton oder Asphalt sind hart und unnachgiebig. Nach Meinung von Experten sind sie daher nicht für das tägliche Klauenlaufen geeignet. Die harten und unnachgiebigen Laufflächen können Druckpunkte unter den Klauen verursachen. Das kann im schlimmsten Fall zu Lederhautentzündungen oder auch zu Geschwüren in der Klaue führen. Zudem nutzen sich Betonböden mit der Zeit ab und verlieren ihren Grip – in Zusammenhang mit Kot und Urin eine rutschige Angelegenheit. Die Kühe werden unsicher und laufen weniger; die Futteraufnahme sinkt und der Stress erhöht sich.
Eine hohe Bewegungsaktivität ist aber wichtig, um die Durchblutung der Klauen zu fördern und die Hornqualität zu verbessern. Auch die Brunstaktivität wird durch die Bodenbeschaffenheit beeinflusst. Ist der Untergrund zu glatt, nehmen Aufsprungverhalten und Brunstsymptome ab. Die Haltungseinflüsse haben somit nicht nur einen starken Einfluss auf die Klauengesundheit, sondern wirken sich auch nachteilig auf die Tiergesundheit und letztendlich auf die Fruchtbarkeit und die Milchleistung aus.

Untergrund schaffen

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Damit Kühe wieder sicher und gesund auftreten, kann auch im Nachhinein die Bodenbeschaffenheit der Laufflächen verändert werden. Weiche und elastische Gummimatten sind schonend für die Gelenke und bieten den Tieren einen sicheren Tritt, aber die Klauen wachsen langsamer.

Hier zeigt sich vor allem eine verlängerte Dorsalwand. Die perfekte Klauenstellung sollte einen Dorsalwandwinkel von circa 45 bis 50° haben. Je nach Klauenwachstum und Abnutzung werden Intervalle zur Klauenpflege von zwei- bis viermal jährlich empfohlen.

Nachgerüstet

Unterschiedliche Hersteller bieten für die Laufflächen in Rinderställen gummibeschichtete Spalten oder Auflagen für planbefestigte Systeme an. Diese werden oftmals aus Recyclingmaterial oder aus Naturkautschuk hergestellt.
Die Nachrüstung mit Gummimatten ist im Gegensatz zu anderen Bodenaufbereitungen, wie Schneiden oder Fräsen, eine einfache und komfortable, aber auch eine teure Alternative. Etwa 40 bis 70 Euro/m2 kostet die Sanierung mit Gummimatten, wobei Spaltenauflagen teurer sind als planbefestigte Böden. Erstere müssen noch auf die Originalmaße der Spalten zugeschnitten werden.
Der große Vorteil zu anderen Laufflächenaufbereitungen wie Fräsen: Gummimatten lassen sich schnell und sicher installieren. So werden die Matten für planbefestigte Böden einfach mit Dübeln im Boden fixiert. Die Beläge für Spaltenböden sind perforiert. Sie werden in der Regel mit Gummiankern befestigt.
Doch bei der Nachrüstung der Laufflächen mit Gummimatten muss auch an den Kuhkomfort in den Liegeboxen gedacht werden. Entsprechen die Boxen nicht den Ansprüchen der Kühe, liegen die Tiere am Ende lieber auf den weichen Laufflächen und das deutet auf ein Liegeboxenproblem hin.

Auswirkungen auf Verhalten

Das sich die Wiederkäuer auf Gummiböden wohlfühlen, konnten mehrere Untersuchungen nachweisen. Eine unterschiedliche Noppengestaltung an der Mattenunterseite ermöglicht der Klaue, in den Gummiboden einzusinken, und gibt den Tieren dadurch einen bessern Halt beim Laufen. Die Kühe zeigen eine erhöhte Aktivität auf dem nachgebenden Untergrund. Dies zeigt sich unter anderem in einer verlängerten Schrittlänge, ohne gleichzeitig die Schrittzahl zu erhöhen.

Außerdem lässt sich bei Kühen in Ställen mit Gummimatten häufiger das kaudale Lecken beobachten. Hierbei steht die Kuh instabil auf drei Beinen um sich zwischen Euter und Hinterbein zu lecken. Es zeigt, dass sich die Kühe Wohlfühlen und keine Angst haben, sich auf drei Beinen zu verbiegen. Das Verhalten dient als Indikator für die Bewertung von Stallfußböden.

Daneben lässt sich auf Gummiböden auch ein besseres Brunstverhalten der Tiere erkennen. In Ställen mit Betonflächen, die mittels Gummimatten saniert wurden, bewegten sich die Kühe viel lebhafter. Nicht nur das Brunstverhalten lässt sich dadurch besser ableiten, sondern die Tiere zeigen insgesamt eine erhöhte Bewegungsaktivität wie Galoppieren oder Bocken.
Hinsichtlich der Auswirkungen von Gummimatten auf die Klauengesundheit gehen die Meinungen auseinander. Verschiedene Untersuchungen kommen zu keiner einheitlichen Aussage der mechanisch-traumatisch bedingten Klauenerkrankung. Auch bei infektiösen Erkrankungen, wie der Mortellaro‘schen Krankheit, gibt es uneinheitliche Aussagen, die die Klauengesundheit betreffen. Daraus lässt sich ableiten, das eine Abnahme des Infektionsdrucks durch die Gummibeläge nicht zu erwarten ist.

Aber nicht nur die Laufflächen zwischen Liegeboxen und Futtertisch lassen sich mit Gummiauflagen sanieren, sondern auch für glatte Melkstandböden stellt die Bodenaufbereitung eine gute Alternative dar. Gerade hier bedeuten Sanierungen mit Asphalt oder Beschichtungen eine Blockierung des Melkstands und stellen den Landwirt vor eine große logistische Herausforderung. Schließlich müssen die Kühe weiterhin gemolken werden.

Gummimatten lassen sich einfach zwischen den Melkzeiten montieren. Auch an kniffligen Stellen wie Ecken und Kanten lassen sich die Matten ganz einfach auf das gewünschte Maß zuschneiden und am Ende beispielsweise mit Nageldübeln befestigen. Die Tiere nehmen in der Regel die veränderte Bodenbeschaffenheit im Melkstand gut auf. Sie laufen schnell und sicher rein und wieder raus. Lediglich das Säubern kann im Gegensatz zu vorher länger dauern.

Fazit

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Gummimatten sind eine schnelle Alternative, um die Bodenbeschaffenheit der Laufflächen, in den Wartehöfen oder auch in den Melkständen zu verbessern. Das Material sorgt für trittsichere Bereiche und verbessert dadurch die Stabilität, die Sicherheit und den Kuhkomfort. Das fördert wiederum die Besuche am Fressgitter und steigert letztendlich die Futteraufnahme und die Milchleistung. Darüber hinaus fördert die Gummiauflage die Bewegungsaktivität der Tiere und Brunstsymptome lassen sich deutlich besser im Milchviehstall erkennen.

Ein weiteres Plus ist die schnelle und einfache Installation der Gummimatten auf den bestehenden Untergründen. So können die Kühe ohne lange Wartezeiten wieder ihre Runden durch den Stall drehen. Lediglich die Kosten fallen für die neue Laufstrecke deutlich höher aus als bei anderen Bearbeitungsalternativen.

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