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Milchproduktion

Handelsboykott: FrieslandCampina senkt Erzeugerpreis

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von , am
27.08.2014

In Folge des russischen Handelsboykotts für europäische Agrarprodukte kündigt die niederländische Molkerei FrieslandCampina für September niedrigere Erzeugerpreise an. Mit Interventionsmaßnahmen seitens der EU rechnet man nicht, weil die Preise dafür zu hoch seien.

© Mühlhausen/landpixel
Jeden Monat veröffentlicht die niederländische Molkerei FrieslandCampina den garantierten Erzeugermilchpreis. Er basiert der Molkerei zufolge auf den Milchpreisen, die andere westeuropäische Molkereien zahlen. Für den 1. September steht die nächste Veröffentlichung an. FrieslandCampina hat jedoch schon vorab angekündigt, dass sich Landwirte auf einen niedrigeren Milchpreis einstellen müssen.

Käseproduktion für russischen Markt gestoppt, neue Handelspartner gesucht

Hintergrund für den sinkenden Erzeugermilchpreis ist das Handelsboykott Russlands. Niederländische Molkereien liefern FrieslandCampina zufolge jährlich etwas 50 Millionen Kilo Käse nach Russland, das Unternehmen selbst habe 2013 Produkte im Wert von 190 Millionen Euro nach Russland transportiert.
 
Aktuell habe man die Käseproduktion für den russischen Markt gestoppt, der bereits für den russischen Markt produzierte Käse konnte anderweitig abgesetzt werden. Mittelfristig will sich FrieslandCampina jetzt neue Märkte erschließen, um den Ausfall Russlands zu kompensieren. Aktuell verarbeitet die Molkerei einen größeren Teil der angelieferten Milch als üblich zu Milchpulver, um den Käsemarkt dadurch zu entlasten.

Mehr Preisdruck erwartet

Bereits vor dem russischen Handelsboykott standen die Preise für Milchpulver und Butter unter Druck. Grund dafür war die rückläufige globale Nachfrage und das dauerhaft große Angebot an Milch auf den Weltmärkten. Die Tatsache, dass Milch und deren Produkte, die bislang nach Russland gingen, anderswo verkauft werden müssen, führt FrieslandCampinas Einschätzung zufolge zu Marktverzerrungen, die weiteren Preisdruck mit sich ziehen werden.

Molkerei rechnet nicht mit Interventionsmaßnahmen

Trotz der aktuell ungünstigen Aussichten am Milchmarkt rechnet die Molkerei nicht damit, dass sich die Europäische Union zur Marktstützung für Interventionsmaßnahmen entscheidet. Die derzeitigen Milchpreise lägen weit über der EU-weit festgeschriebenen Auslöseschwelle.

EU-Agrarkommissar hatte jedoch vergangene Woche angekündigt, dass er sich Hilfen für den Milchsektor durchaus vorstellen könne. Diese Woche soll der zuständige EU-Verwaltungsausschuss die Marktsituation bei Fleisch- und Milchprodukten analysieren.
Langfristig schätzt die Molkerei die Aussichten am Milchmarkt dennoch positiv ein. Nach wie vor wächst die globale Bevölkerung und damit auch die Nachfrage. Die Verkaufs- und in Folge auch die Erzeugermilchpreise werden nach Einschätzung des Unternehmens aber stärkeren Schwankungen unterworfen sein, nachdem sich die EU aus der Steuerung des Milchmarkt zurückzieht und die Märkte dynamischer werden.
 
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