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Zucht

Das sind die Hauptkriterien in der Holstein-Zucht

Nicoleta Culiuc/agrarheute
am
15.04.2016

Die Selektion auf Milchleistung steht im Fokus einer aktuellen Diskussion der Tierärzte. Demnach werde dem Merkmal "Milchleistung" in der Zucht zuviel Aufmerksamkeit gewidmet. Wir haben bei einem Experten nachgefragt.

Auf der 16. Haupttagung der Agrar‐ und Veterinär‐ Akademie (AVA) in Göttingen beschäftigten sich die Teilnehmer aus Landwirtschaft und Veterinärmedizin mit dem Thema Zucht und Selektion bei den Milchkühen. Den Besamungsstationen wird vorgeworfen, insbesondere mit dem Zuchtmerkmal "Milchleistung" für ihre Bullenanpaarungen zu werben. Außerdem gäbe es bei der Zucht nur ein einziges Hauptkriterium, das im Fokus der Zucht stehe.

'Milchleistung' sei alleiniges Hauptkriterium in der Zucht

In einer Pressemitteilung äußert sich der Fachtierarzt und Leiter der Agrar‐ und Veterinär‐ Akademie (AVA), Ernst‐Günther Hellwig zum Thema Zuchtkriterien: "Das Kriterium Milchleistung darf nicht das alleinige Hauptkriterium der Zucht sein."

Hellwig zufolge seien weitere Merkmale, die bei der Zucht berücksichtigt werden müssten. "Der Anteil der Gesundheitsmerkmale muss dringend erhöht werden. Auch die Beachtung der Nutzungsdauer der Milchkuh bedarf einer höheren Gewichtung, denn gerade die Nutzungsdauer spielt im Rahmen der Wirtschaftlichkeit eine gewichtige Rolle", erklärt Hellwig.

agraheute hat nachgefragt

Wir haben bei einem Experten für die Rasse Holstein nachgefragt, welche weiteren Hauptkriterien bei der Selektion auf Milchleistung von Bedeutung sind.

"Die deutsche Holsteinzucht hat bereits seit 1997 die reine Selektion auf Milchleistung geändert und andere funktionale Merkmale in das Zuchtziel mit aufgenommen", sagt Dr. Egbert Feddersen vom Deutscher Holstein Verband e.V.

Dies war möglich, da für die weiteren funktionalen Merkmale seit vielen Jahren eine Datenerhebung auf den Betrieben stattgefunden habe und diese dann auch für die Zuchtwertschätzung und für Selektionszwecke genutzt werden konnten.

Zuchtziel: Diese Änderungen gibt es

Dr. Feddersen zeigt weiter, wie sich das Zuchtziel und damit auch die Zusammensetzung des Gesamtzuchtwertes (Relativ Zuchtwert Gesamt) geändert habe.

Erläuterung zum Zuchtziel im Gesamtzuchtwert RZG seit 2008: (RZ = RelativZuchtwert)

  • RZM: Milchleistung 45 %
  • RZN: Nutzungsdauer 20 %
  • FUN und EUT: Fundamente (Beine)  und Euter 15 %
  • RZR: Fruchtbarkeit 10 %
  • RZS: Eutergesundheit 7 %
  • RZK: Kalbeverlauf 3 %

Zuchtwert für Fitness eingeführt

Die deutsche Holsteinzucht hat 2010 einen neuen Zuchtwert für Fitness (RZFit) eingeführt, so Dr. Feddersen. Dieser enthalte nur einen Anteil von 10 Prozent für die Milchleistung und 90 Prozent für andere funktionale - sowie Gesundheitsmerkmale.

Die Landwirte hätten laut Angaben des Experten die Möglichkeit - von allen deutschen Besamungsbullen - diejenigen, die die Fitnesseigenschaften am besten vererben, in ihrer Herde einzusetzen.

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