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Milchproduktion

HBV-Präsident: Milchproduzenten stärker bündeln

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von , am
30.05.2012

Friedrichsdorf - Der Präsident des Hessischen Bauernverbandes (HBV), Friedhelm Schneider, sucht neue Wege zur Stabilisierung des Milchpreises - durch eine stärkere Bündelung des Angebots von Trinkmilch und Milchfrischprodukten.

Die EU-Kommission rechnet nur mit einem moderaten Anstieg der Milchmenge und einer Stabilisierung der Erzeugerpreise nach dem Ende des Quotensystems. © Mühlhausen/landpixel
Außerdem befürwortet er ein gemeinsames Angebot der Molkereien gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel: „In der Vermarktung müssen neue Wege beschritten werden. Ich bin schon seit 15 Jahren Befürworter einer zentralen Bündelungs- und Vermarktungsorganisation, wie sie früher im Milchkontor in Hamburg bestanden hat“, betonte der HBV-Präsident. Anstatt diese Institution aufzulösen, hätte sie gestärkt werden müssen, um einheitlich auftreten zu können. Diese Möglichkeit sei bedauerlicherweise vertan worden, dennoch sei sie unabdingbar, stellte Schneider klar. Aus seiner Sicht ist die Position der deutschen Molkereien gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel noch nicht stark genug.
 
Wenn vier große Lebensmittelketten 85 % der Trinkmilch und Milchfrischprodukte vermarkteten, dann liege hier ein extremes Ungleichgewicht vor, sagte Schneider. Man dürfe sich nicht wundern, dass dann bei den Kontraktverhandlungen das schwächste Mitglied auf Molkereiseite herausgebrochen werde, das damit den Preis für alle Milcherzeuger kaputtmache. Solange dieses Ungleichgewicht bestehe, müssten sich die Molkereien zusätzlich mit neuen innovativen und hochveredelten Produkten besser am Markt positionieren, hob der HBV-Präsident hervor. Er wies mit Blick auf französische oder italienische Kühlregale hin, dass es an dieser Stelle „noch erhebliche Potentiale“ für die deutschen Molkereien gebe, was auch für den Export gelte.

Zeit nach der Quote ins Visier nehmen

Schneider zeigte sich zudem überzeugt, dass die Molkereien den Weg über Preisabsicherung an den Warenterminbörsen ausbauen sollten. Was bei Getreide funktioniere, müsse grundsätzlich auch bei Milch möglich sein, meinte Schneider. Zudem sollten die Molkereien stärker die Zeit nach dem Wegfall der Milchquotenregelung ins Visier nehmen. Dass die Quote wegfalle, sei Fakt. „Angesichts des derzeitigen Marktgeschehens ein neues Fass aufzumachen, halte ich für vertane Zeit“, so Schneider. Nach seiner Auffassung gehören in die Ausgestaltung der Lieferverträge Preisabsicherungen für die Erzeuger. Dass die Landwirte wie in der Vergangenheit Milch lieferten, ohne am Ende des Monats zu wissen, was sie dafür bekämen, sei kein partnerschaftliches Modell mehr. Hier müssten sich die Molkereien bewegen, argumentierte der HBV-Präsident. Er sieht bei allen derzeitigen Schwierigkeiten den Milchmarkt durchaus positiv; weitere regulatorische Eingriffe seien derzeit nicht angezeigt.

Video "Milchwirtschaft: Ist Deutschland fit für den internationalen Handel?"

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