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Ratgeber

Hitzestress: 9 Tipps, wie Sie Kälberiglus kühl halten

Dieser Artikel ist zuerst im Agrarmanager erschienen.

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© agrarfoto
von , am
17.07.2017

Für Kälber können handelsübliche Kunststoffiglus zur Hitzefalle werden, wenn sie im Sommer ungeschützt in praller Sonne stehen. Das können Sie dagegen tun.

Kälber haben zwar jungtiertypisch einen höheren Wärmebedarf als erwachsene Rinder. Aber bei Außentemperaturen über der 25°C suchen die Jungtiere ein schattiges Plätzchen. Als schattenspendender Unterschlupf dient zunächst das Kälberiglu. Knallt die Sonne an heißen Sommertagen aber stundenlang direkt auf die Igluhülle, können die kleinen Schützhütten zu Glutöfen werden.

Der begrenzte Innenraum - eigentlich dazu gedacht, sich bei kühlem Wetter durch die Körperwärme des Kalbes zügig aufzuwärmen - wird zur Hitzefalle. Und dieser kann das Kalb oft nicht einmal entrinnen, da es außerhalb des Iglus schutzlos der Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist. Vor allem dunkle Tiere heizen sich so rasend schnell auf.

Tipp 1: Iglus in den Schatten stellen

Bei Sommerhitze und starker Sonneneinstrahlung müssen die Iglus bei Bedarf heruntergekühlt werden. Am leichtesten ist das zu erreichen, indem man die Kunststoffhüllen vor allem in den Mittags- und Nachmittagsstunden abschattet. Wer nicht die Möglichkeit hat, seine Kälberiglus an die Nord- oder Nordostseite eines Gebäudes zu stellen, sollte mobile Sonnenschutzalternativen wie zum Beispiel eine Markise einsetzen.

Tipp 2: Wand aus Strohballen

Eine relativ simple Notfalllösung für unerwartete Hitzewellen ist eine schattenspendende Wand, beispielsweise aus Strohballen. Die hilft allerdings nur gegen schräg einfallende Strahlen und nicht gegen die hochstehende Mittagssonne. Zudem schottet sie auch gegen einen kühlenden Wind ab, was in Herbst und Winter wiederum durchaus erwünscht sein kann.

Tipp 3: Erhöhung der Oberflächen-Reflexion

'Cool-Calf Covers' auf einem US-amerikanischen Betrieb. © coolcalfcovers

Eine zweite Möglichkeit, Kälberhütten kühl zu halten, ist die Erhöhung der Reflexionseigenschaften der Igluoberfläche. Um die Sonneneinstrahlung stärker zurückzuwerfen, braucht es spiegelnde Eigenschaften wie bei metallischen Oberflächen. Ein US-Wissenschaftler hat eine Art Mantel entwickelt, der um handelsübliche Kälberhütten geknöpft werden kann und die Reflexion der Sonnenstrahlen fast auf das Zehnfache erhöht.

Das System „Cool-Calf Covers“ hat inzwischen Praxisreife und wird in Texas und Arizona in der Breite getestet wird. Rund acht US-Dollar (etwa sieben Euro) soll die Folie pro Iglu kosten. Näheres zu den Folien, die bislang wohl nahezu ausschließlich auf dem US-amerikanischen Markt vertrieben werden, findet sich unter www.coolcalfcovers.com.

Tipp 4: Verdunstungskälte schaffen

Wer weder auf Beschattung noch auf Reflexion zurückgreifen kann oder möchte, kann sich das Prinzip der Verdunstungskühlung zunutze machen, um seinen Kälbern Erleichterung an Hochsommertagen zu verschaffen. Ein geschickt hinter den Hütten platzierter Rasensprenger leistet hier praktische Dienste. Allerdings ist tunlichst darauf zu achten, dass das Wasser nicht unter der Boxenwand in die Einstreu läuft. Nasse Betten sind für Jungtiere auch bei heißem Wetter nicht zu empfehlen.

Tipp 5: Weniger einstreuen

An Stroh kann allerdings in der heißen Jahreszeit ein wenig gespart werden. Tiefe Langstrohstreu hält die Körperwärme der Tiere fest und sorgt für ein belastendes Mikroklima. Iglus ganz ohne Einstreu zu bewirtschaften, kommt allerdings schon aus Sicht der Nutztierhaltungsverordnung nicht infrage. Materialien wie Strohhäcksel oder Sägemehl neigen zum Stauben und belasten die empfindlichen Atmungsorgane der Tiere.

Bei größeren Kälbern ist auch Stroh nicht mehr unbedingt erforderlich. Unter sommerlichen Bedingungen bietet ein Sandbett angenehme Kühle und zugleich die notwendige Verformbarkeit.

Tipp 6: Kälberiglu aufbocken

Um die Kälberhütten besser zu durchlüften, hilft in heißen Phasen ein leichtes Aufbocken der Hinterseite, zum Beispiel auf einen Ziegel oder einen Betonhohlblock. Das verbessert die Luftzirkulation deutlich. In Untersuchungen der Washington State University blieb die Innentemperatur so nicht nur spürbar unter der Außentemperatur, die leichte Luftbewegung sorgte auch für eine bessere Abkühlung direkt am Tier, ohne dass ein zu starker Zug entstand.

Tipp 7: Flüssigkeitsversorgung

Ganz wichtig für den Wärmehaushalt der Kälber ist die Flüssigkeitsversorgung. Schon in den ersten Lebenstagen sollten die Tiere deshalb stets Wasser zur freien Verfügung haben, um das Defizit durch Schwitzen und Veratmen ausgleichen zu können. Strikt zu vermeiden ist allerdings die Gabe von eiskaltem Wasser direkt aus dem Hahn.

Tipp 8: Futter anfeuchten

Auch fütterungsseitig kann man den Jungtieren helfen. Die Hitze nagt am Appetit, und wer schon einmal mit trockenem Mund versucht hat, Haferflocken herunterzubringen, ahnt, wie Heu und Kälbermüsli wirken müssen. Besser ist es daher, das Futter leicht anzufeuchten oder statt Trockenkonservaten und -kraftfutter eine hochwertige Silage oder TMR anzubieten. Hier ist allerdings penibel darauf zu achten, dass Futterreste frühzeitig beräumt werden, um einem Verderb zuvorzukommen.

Tipp 9: Gemeinschaftshütten dünner belegen

Großraumiglus und Gemeinschaftshütten sollten bei starker Hitze dünner belegt werden als sonst. Im Notfall hat sich eine Alternativunterbringung der überschüssigen Kälber in provisorischen Verschlägen eher bewährt, als zu riskieren, dass sich die dichtgedrängten Jungtiere gegenseitig aufheizen.

Praktische Ideen für den Kälberstall

Tipp 1. Eimer einfach transportieren: Durch die angeschweißten Halterungen auf den beiden Seiten einer Schubkarre lassen sich die vollen Eimer schnell und einfach zu den Kälbern transportieren. (Foto: Pahlke) © Pahlke
Tipp 2. Entsorgen Sie alte Kanister nicht, sondern verwenden Sie sie weiter: Auf einer Seite teilweise geöffnet, eignen sich die alten Kanister gut als Kraftfutterschalen in Einzeliglus. (Foto: Pahlke) © Diersing-Espenhorst, Pahlke
Tipp 3. Verwenden Sie alte Fässer als Trinkeimer: Alte, nicht zu große Fässer bieten sich als Tränkeeimer für kleine Kälbergruppen an. (Foto: Pahlke) © Pahlke
Tipp 4. Mülltonne als Tränkebehälter benutzen: Mit vier Nuckenl reicht die Menge für rund 12 Kälber. (Foto: Diersing-Espenhorst) © Diersing-Espenhorst
Tipp 5. Aus Quaderballen können Sie Kälberhütten bauen. (Foto: Pahlke) © Pahlke
Tipp 6. Mit einer elektrischen Seilwinde können Sie eine Zwischendecke wie diese hier schnell und einfach hoch- und runterbewegen. (Foto: Pahlke) © Pahlke
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