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Aus der Wirtschaft

Hochwald rechnet mit gutem Milchjahr

von , am
02.07.2013

Maria Laach - Acht Prozent mehr Umsatz hat die Molkerei Hochwald in den ersten fünf Monaten dieses Jahres erreicht. Den Erzeugern verspricht man jetzt "wettbewerbsfähige Milchpreise".

In Bayern © Konstantin Fedorov
"Wir sind gut in das Jahr gestartet", berichtete der Vorsitzende der Geschäftsführung, Dr. Karl-Heinz Engel , vor Journalisten in Maria Laach. Nach seinen Angaben ist der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum in den ersten fünf Monaten 2013 um acht Prozent auf 575 Millionen Euro gestiegen; die Werke seien aufgrund der höheren Milchanlieferungen besser ausgelastet.
 
Nachdem 2012 rund 2,04 Milliarden Kilogramm Milch von der Hochwaldgruppe verarbeitet worden seien, könnte der Rohstoffeingang im Jahr 2013 um 150 Millionen Kilogramm zunehmen, da weitere Lieferanten im In- und Ausland hätten hinzugewonnen werden können, erläuterte Geschäftsführer Detlef Lafka.

Höhere Preise und Exporte lassen Erlöse steigen

Erfreut darüber, dass die Milchpreise nach dem schwierigen Jahr 2012 nun wieder anstiegen, zeigte sich der frisch wiedergewählte Aufsichtsratsvorsitzende der Muttergesellschaft HochwaldMilch eG, Anton Streit.
 
Im vergangenen Jahr zahlte die Molkerei aus Thalfang einen durchschnittlichen Milchpreis bei 4,0 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß einschließlich Nachzahlung und Mehrwertsteuer von 34,74 Cent je Kilogramm; das waren 2,9 Cent je Kilogramm oder 7,7 Prozent weniger als 2012. Im Mai wurde der Preis gegenüber dem Vormonat um zwei Cent  je Kilogramm erhöht und lag nach Molkereiangaben zuletzt bei 36,46 Cent je Kilogramm.

Engel kündigt wettbewerbsfähige Milchpreise an

Engel versprach den Erzeugern "einen deutlichen Anstieg und wettbewerbsfähige Milchpreise" im Jahr 2013. Eine Schlüsselrolle für die weitere Geschäfts- und Preisentwicklung schrieb der Aufsichtsratssitzende der Hochwald Foods GmbH, Hans-Jürgen Sehn, den Exportmärkten zu, da "der mengenmäßige Absatz in Deutschland und Europa wegen der Bevölkerungsentwicklung langfristig nicht steigen wird".
 
Im vergangenen Jahr hatte das Wachstum der Auslandsumsätze um gut acht Prozent auf 465 Millionen Euro dafür gesorgt, dass die Gesamterlöse der Hochwaldgruppe mit 1,25 Milliarden Euro knapp stabil blieben. Mit einem Exportanteil von 37 Prozent lag Hochwald über dem Branchendurchschnitt von 25 Prozent.

Marke von 40 Prozent soll geknackt werden

Nach Angaben von Hochwald besteht das strategische Ziel, zukünftig den Anteil der Exporterlöse am Gesamtumsatz weiter zu steigern. Kurzfristig soll die Marke von 40 Prozent geknackt werden, "aber mittelfristig peilen wir 45 Prozent oder sogar mehr an", unterstrich Lafka. Ihm zufolge ist die in diesem Jahr in Dubai gegründete Tochtergesellschaft Hochwald Foods DMCC operativ einsatzbereit und wird den Vertrieb für die Kernregion Arabien übernehmen, aber auch den Marktzugang in Nordafrika und dem Nahen Osten voranbringen. Neben dem Direktexport, unter anderem der Premiummarken für die Endverbraucher im arabischen Raum, will Hochwald verstärkt auf nationale und internationale Kooperationen setzen. Das im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Societé Laitière de Recogne aus Belgien gegründete Joint Venture AHL sei bei Vertrieb und Absatz von Produkten beider Unternehmen in den Ländern Belgien, Niederlande, Luxemburg und Frankreich überaus erfolgreich gewesen und habe die Absatz- und Umsatzziele übertroffen, berichtete Engel.

Kooperationen und Joint Ventures gewünscht

Große Hoffnungen setzt Hochwald auch in die Erweiterung des Käsewerkes im hessischen Hünfeld, in dem noch in diesem Jahr die Kapazitäten für die Herstellung von 40.000 Tonnen Weißkäse wie Mozzarella oder Kashkaval geschaffen werden. Die dabei anfallende Molke soll ab 2015 in einer neuen Anlage entmineralisiert und getrocknet werden, um sie dann an den zum Danone-Konzern gehörenden Säuglings- und Kindernahrungshersteller Milupa mit seinem Werk in Fulda zu verkaufen. "Damit holen wir Wertschöpfung zurück ins Haus", erklärte Lafka zur Begründung des Investments von 60 Millionen Euro. Generell zeigt sich das Unternehmen offen für weitere Kooperationen: "National und international stellen wir eine erhöhte Bereitschaft zu Kooperationen in der Milchbranche fest. Wir sind weiterhin offen für Joint Ventures und jegliche Form der Zusammenarbeit", betonte Engel.

Kein Milchschock 2015

Mit Blick auf das Auslaufen der Milquotenregelung im Jahr 2015 erwartet Hochwald keinen Sprung der Milchmengen nach oben. "Ich rechne mit einem gleitenden Übergang", sagte Sehn. Sollte es doch anders kommen, sei Hochwald mit seinem auf die internationalen Märkte ausgerichteten Zukunftskonzept "Internalisierung und Wachstum“ und den dazugehörigen Investitionen von 100 Millionen Euro auch gut gerüstet. Gleichwohl will das Unternehmen nichts dem Zufall überlassen und "ein Gespür dafür entwickeln, was die Erzeuger planen", so Engel. Er kündigte an, dafür den Dialog mit den Lieferanten zu intensivieren und für Mitglieder demnächst ein "Milchmengenmanagementtool" im Internet anzubieten.

Garantierter Milchpreis?

Hochwald hat sich gegen jegliche Art einer Nachfolgequote ausgesprochen und will auf Molkereiebene keine Mengenbegrenzung einführen sondern die Abholung der Milch für die Mitglieder garantieren. Hinsichtlich des Milchpreises bestehen auf Vorstandsebene Überlegungen, den Erzeugern frühzeitiger als bisher den auszuzahlenden Milchpreis mitzuteilen; ein Modellversuch wie bei der neuseeländischen Fonterra mit garantierten Milchpreisen für eine längere Zeitspanne kommt für Hochwald aber nicht in Frage. Eine Absicherung von Preisen für Milcherzeugnisse an Warenterminmärkten werde "perspektivisch" betrachtet, so Lafka, scheide gegenwärtig aber wegen des geringen Handelsvolumens an der Eurex noch aus.
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