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Milchproduktion

Hofreport: 'Kein 0-8-15-Standardfutter für 290 Milchkühe'

© Rkopf/agrarheute.com
von , am
17.05.2014

Ob eine Kuh 9.000 oder 10.000 Liter Milch gibt, kann von der Fütterung abhängen. Jens Reyels aus Bülkau, Niedersachsen, füttert deswegen keine Standardmischung. Er setzt auf ein aufwändiges Konzept.

Jens Reyels bewirtschaftet in Bülkau im niedersächsischen Kreis Cuxhaven einen Milchviehbetrieb mit 290 Milchkühen inklusive den trockenstehenden Tieren. Beim Futtermanagement setzt der Landwirtschaftsmeister nicht auf ein Standardmischfutter, sondern auf eine speziell auf seinen Betrieb zugeschnittene Komposition. In unserem zweiten Hofreport verrät er sein Rezept.

Die Fütterung: Zwölf Komponenten

Das Futtermanagement auf dem Milchviehbetrieb ist alles andere als simpler Standard. © Rkopf/agrarheute.com
"Wir haben ein Konzept erstellt wie wir es brauchen", berichtet Jens Reyels. Das sieht eine Total-Misch-Ration (TMR) mit zwölf verschiedenen Komponenten vor. Zusammen mit einem Futterberater hat der Landwirt die "Rezeptur" erarbeitet. Zunächst hat er die gesamte Herde in zwei Gruppen unterteilt, um den Fütterungsansprüchen der Tiere an ihre Leistung gerecht zu werden. Die 185 Hochleistungskühe bekommen täglich zwei Gaben der TMR, die Gruppe der Niederleistungskühe eine.
 
In Kilogramm (kg) ausgedrückt, heißt das, die Hochleistungskühe fressen rund 9.000 kg Futter am Tag, die Niederleistungskühe um die 4.400 kg. Sie bekommen weniger Kraftfutter und kein Spezialfutter.
 
Das Rezept
 
Das aktuelle "Rezept" liest sich so: 235 kg Raps-, 160 kg Soja-, 60 kg Weizen-, 105 kg Maisschrot, Spezialfutter aus geschützten Eiweißen, ein weiteres hochenergiehaltiges Spezialfutter (15 MJ NEL/kg TM) aus geschützten Fetten und Traubenzucker, 1.200 kg Grassilage zweiter Schnitt, 700 kg Grassilage erster Schnitt und 1.350 kg Maissilage. Außerdem füttert Reyels ein Mineralfutter, das neben Kalzium, Phosphor, Magnesium und Natrium auch Spurenelemente und Vitamine enthält. "Ich glaube nicht, dass die Mineralstoffzusammensetzung im Mischfutter ausreichend ist. Diese Versorgungslücke schließe ich durch das Mineralfutter", erklärt der Landwirtschaftsmeister.
 
Wegen der schlechten Maisernte im letzten Jahr ist der Silomaisvorrat auf dem Betrieb knapp. "Ich musste eine weitere Energiequelle suchen", berichtet Reyels. Silomais zukaufen wollte er nicht. So hat er sich für die Zugabe von Trockenschnitzel entschieden.
 
Der Fütterungsexperte habe dem Landwirt außerdem geraten, Erbsen- oder Kartoffelpülpe zu füttern, um das Energiedefizit aus dem fehlenden Mais zu decken. "Zwar reichert die Pülpe die Ration an, macht sie schmackhafter und verdaulicher. Aber es beutetet auch mehr Arbeit", sagt der Landwirt. Ob er daher noch einmal auf Pülpe setzen wird, hängt vom Ergebnis der Silomaisernte im Herbst ab. 

'Von heute auf Morgen umstellen'

"Sicherlich ist es umständlich und arbeitsintensiv, mit so vielen Komponenten zu arbeiten", räumt der 43-Jährige ein. Doch es scheint sich zu lohnen. Denn mit der Fütterung erreichen seine Kühe eine jährliche Leistung von rund 10.000 Litern. "Man kann nicht pauschal sagen, dass ein Standardkonzept nur 8.000 bis 9.000 Liter Leistung ermöglicht, und ein zugeschnittenes Konzept automatisch mehr Leistung bringt. Aber meine Erfahrung zeigt, dass sich der Aufwand rentiert", betont Jens Reyels.
 
Heißt das, mehr Power durch mehr Energie? Reyels hat die Energiegehalte verglichen. Ein Standardfutter habe eine Nettoenergielaktation von sieben Megajoule pro Kilogramm Trockenmasse (MJ NEL/kg TM), berichtet er. "Meine einzelnen Komponenten haben eine Energiedichte von 7,5 MJ NEL/kg TM."
 
Nicht zuletzt sorgt das eigene Konzept für mehr Spielraum. "Ich bin unabhängiger vom Landhandel. Denn ich kann innerhalb kurzer Zeit die Ration ändern, was ich zum Beispiel bei Mischfutter nicht kann." Gerade vor kurzem musste der Landwirt vom dritten auf den zweiten Schnitt Grassilage wechseln. Das ging mit einer Futterumstellung einher.
 
"Die Futteranalyse hat gezeigt, dass der zweite Schnitt proteinärmer ist als der dritte Schnitt. So habe ich die Zufuhr von Weizen- und Maisschrot heruntergefahren und mehr Rapsschrot gegeben." Die Umstellung lief offensichtlich problemlos. Der Landwirt konnte keine Leistungseinbrüche verzeichnen und feststellen: "Die Kühe fressen gut und sind gesund." 

Die Technik: Selbst befüllen ist das A und O

Der Claas-Arion und der BVL-Futterwagen bilden das Gespann bei der täglichen Fütterung auf dem Betrieb. © Rkopf/agrarheute.com
Bei der Technik hat sich Jens Reyels für einen angehängten Futtermischwagen entschieden. Ein wichtiges Kriterium für die Anschaffung war, dass sich der Futterwagen selbst befüllen kann. Denn der Landwirt wollte bei der Fütterung nicht zwei, sondern nur einen Schlepper einsetzen. Das jetzige Zugpferd vor dem Futtermischwagen ist ein 120-PS-starker Claas Arion 520.
 
Jens Reyels hatte auch über einen Selbstfahrer nachgedacht. Aus Kostengründen hat er sich jedoch dagegen entschieden. "Ein Selbstfahrer kostet das Zweifache wie die Kombination, wie wir sie jetzt haben."
 
Was Reyels an dem Futterwagen gut gefällt, ist die Entnahmetechnik. Das Schneidwerkzeug reißt das Silo nicht - wie eine Zange es macht - heraus, sondern schafft eine klare Schnittkante. "Das reduziert den Lufteintritt in die offene Silage und verringert das Risiko der Nacherwärmung", erklärt er. Das Schneidwerkzeug wird, wie das Futterwurfband, öldruckbetrieben. Die Mischschnecke läuft mit Zapfwellenantrieb. Insgesamt fasst der Futterwagen 13 Kubikmeter.
 
Zur weiteren technischen Ausstattung gehört noch eine Kamera. Diese erweise sich als Vorteil, weil das Gespann häufig rückwärts rangiert werden muss. Ein Wiegedisplay am Wagen zeigt genau an, wieviel Kilogramm von den einzelnen Komponenten im Wagen sind.
 

Hofreport: Milchviehbetrieb Reyels in Niedersachsen

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