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Milchproduktion

Hofreport: 'Das Melken dauerte unerträglich lange'

von , am
07.04.2014

Wachstum und Erweiterung war von jeher die Strategie der Wahl auf dem Familienbetrieb Reyels im niedersächsischen Bülkau. Trotz Milchkrise 2009 wurde kräftig investiert. agrarheute.com stellt den Hof vor.

Ein Milchviehbetrieb, der mit der eigenen Nachzucht stetig wächst, stößt irgendwann an eine räumliche Grenze. Eines Tages reicht der vorhandene Stallplatz nicht mehr. Hält zudem die technische Entwicklung dem Wachstum nicht Schritt, kann die Arbeitsbelastung unerträglich hoch werden. Die Lösung: investieren? Landwirt Jens Reyels aus Niedersachsen hat sich gesagt: "Ja". Obwohl er seine Entscheidung mitten in der Milchwirtschaftskrise 2009 fällen musste.
 
In den folgenden Jahren baute er zwei Boxenlaufställe und eine neue Melkanlage. Die Anzahl der Kühe ist mit eigener Nachzucht von damals 130 auf heute 290 gestiegen. Der knapp 140 Hektar große Futterbaubetrieb mit Milchvieh und Fäsenaufzucht von Jens und Kerstin Reyels liegt im Landkreis Cuxhaven im Marschland, etwas außerhalb der 1.000- Seelen-Gemeinde Bülkau.

Stetig gewachsen

"Wir mussten irgendwas machen", erinnert sich der 43-jährige Betriebsleiter. 2004 hatte der Landwirtschaftsmeister den Hof von seinen Eltern mit 56 Hektar (ha) Eigentum und 120 Milchkühen plus ebenso vieler Jungrinder übernommen. Die Anzahl der Tiere wuchs kontinuierlich, sodass der Stall im Jahre 2009 zu 30 Prozent überbelegt war. "Zwar waren die Aussichten in der Milchwirtschaft schlecht, es gab ja nur 20/21 Cent pro Liter. Doch die Baukosten waren relativ günstig, so haben wir uns entschlossen, einen Boxenlaufstall für 130 Kühe zu bauen", berichtet der Landwirt weiter.
 
Zwei Jahre später war der Neubau fertig. Gut 30 Meter hinter dem alten Stall entstand ein heller Boxenlaufstall mit Holzgerüst, Curtains für schlechte Wetterlagen und planbefestigtem Boden als Lauffläche für die Kühe.

Neue Melkanlage musste her

Unterdes erholte sich die Milchwirtschaft, der Milchpreis stieg, und Jens Reyels kaufte Milchquote. Der Bestand ist mittlerweile auf 200 Milchkühe angewachsen. Aber damit stand das Betriebsleiterehepaar vor einer neuen Herausforderung. Denn zum Melken diente weiterhin der alte Doppel-Sechser-Fischgrätenmelkstand von 1983. Die Kühe mussten zum Melken vom neuen in den alten Stall gehütet werden.
 
"Das Melken dauerte bis zu fünf Stunden", erzählt der Landwirtschaftsmeister. Er macht keinen Hehl aus der damaligen Situation: "Das war unerträglich lange." Die Entscheidung, den Boxenlaufstall um weitere einhundert Plätze zu erweitern und eine neue Melkanlage zu bauen, ließ nicht lange auf sich warten.
 
Nach einem Jahr Planung und einem weiteren für die Bauzeit, stand neben dem Boxenlaufstall ein gespiegeltes Modell des vorhandenen Stalles. Von diesem aus werden die Kühe in den angrenzenden Wartehof gehütet und gelangen direkt in den neuen Melkstand. Der alte hatte somit im März 2012 ausgedient. Ihre 270 Kühe melken Reyels heute in einem Doppel-18-er-Fischgrätenmelkstand.

Selber zum Probemelken

Um das richtige Melksystem zu finden, hatte der Landwirt verschiedene Modelle verglichen. Das Karussell schied aus Kostengründen aus. Beim Swing-Over sah der Landwirt wegen des hohen Vakuums die Gefahr von Euterentzündungen. Gegen das Side-by-Side-Melken hat sich Jens Reyels nach einem Probemelken entschieden. "Es ist zwar eine schöne Sache, weil die Kühe im rechten Winkel zum Melkstand stehen. Außerdem bleiben die Schläuche besser in Position. Doch für die Kühe ist die Anordnung schwierig. Gerade bei Färsen sehe ich Probleme", argumentiert Reyels. Er wählte eine 60-Grad-steile Fischgräte.
 
Weiter spielte die Überlegung eine Rolle, zwei Melker voll auszulasten. Die Rechnung ging mit dem Doppel-18-er-System auf. Das Melken inklusive Vor- und Nachbereiten verkürzte sich rund drei Stunden. Zum Melken haben Reyels neben ihren zwei Vollzeitmitarbeitern eine Person eingestellt.

Familienbetrieb seit 1650

Der Betrieb ist einer der sehr alten Höfe in Bülkau. Er ist seit mindestens 1650 im Familienbesitz. Damals hieß er Kethelhodt. 1967 hatten die Eltern von Jens Reyels, Hans Karsten und Renate (geb. Kethelhodt), den Betrieb mit 24 ha Eigenland und fünf Kühen übernommen. 41 Jahre hatten sie den Betrieb geführt. Jetzt wohnen sie im Altenteilerhaus auf dem Hof.
 
Hans Karsten und Renate Reyels sind beim täglichen Geschehen dabei. Der Altbauer hilft beim Melken, und seine Frau passt auf die Kinder auf. Kerstin und Jens Reyels haben vier Töchter: Riana (13), Finja (11), Elena (8) und Lientje (2).   
 

Betriebsspiegel: Milchhof Reyels

Der Milchhof Reyels in Bülkau liegt im Marschland, rund zwanzig Kilometer von der Elbmündung entfernt. © Rkopf/agrarheute.com

Auf dem knapp 140 Hektar großen Futterbaubetrieb von Jens und Kerstin Reyels sind 4,9 Arbeitskräfte beschäftigt. Der Schwerpunkt liegt auf der Milcherzeugung.


Die Geschichte des Betriebs geht bis 1650 zurück. Von jeher war er im Familienbesitz. Zunächst hieß der der Hof Kethelhodt. Mit 24 Hektar Eigenland und fünf Kühen übernahmen die Eltern von Jens Reyels, Hans Karsten und Renate (geb. Kethelhodt), 1967 den Betrieb. Seit 2004 leitet Jens Reyels den Milchviehbetrieb.

Betrieb

Milchhof
Jens Reyels
Süderende 44
21782 Bülkau

Betriebsschwerpunkt
Futterbaubetrieb mit Milchvieh und Färsenaufzucht

Landwirtschaftliche Nutzfläche

137 Hektar (ha), davon:
67 ha Silomais
70 ha Grünland/Ackergras

Tierhaltung

290 Milchkühe (270 laktierende, 20 trocken stehende Tiere)
270 weibliche Nachzucht
20 Mastbullen
2 Deckbullen

Arbeitskräfte

Jens Reyels (Betriebsleiter)
Kerstin Reyels (Ehefrau)
Hans Karsten und Renate Reyels (Eltern)
Zwei Vollzeitarbeitskräfte
Melkerin
Haushaltshilfe
 
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