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Tiergesundheit

Wie die Impfung gegen Rindergrippe richtig wirkt

Tierärztin behandelt Kalb im Stall
am Mittwoch, 27.10.2021 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Wie Sie gute Impferfolge erzielen und worauf Sie bei der Impfung achten sollten.

Die enzootische Bronchopneumonie oder Rindergrippe senkt die Leistung und mindert das Wachstum der Tiere. Und sie kostet! Rund 250 Euro sind je erkranktem Kalb zu kalkulieren. So viel kosten Behandlung und Minderleistung, da Rindergrippe häufig bleibende Schäden an der Lunge hinterlässt. Dazu kommen noch Verluste durch verendete Kälber. An der Grippe erkranken vorwiegend Tiere ab zwei Wochen bis neun Monaten.
Die Rindergrippe ist eine Faktorenkrankheit. Neben unterschiedlichen Erregern spielen weitere Einflüsse, wie der Immunstatus des Tiers und die Umweltbedingungen eine wichtige Rolle.

Die Erreger der Rindergrippe

Die häufigsten Erreger der Rindergrippe sind BRSV (Bovines respiratorisches Synzytialvirus), Parainfluenza 3 (PI 3) und Mannheimia haemolytica. Ein zunehmendes Problem im Bereich der respiratorischen Erkrankungen stellt der Erreger Mycoplasma bovis dar. Er ist sehr häufig bei einer bakteriellen Sekundärinfektion der Lunge nachweisbar. Gegen dieses Bakterium gibt es ­keine Standardimpfung. Hier braucht es stallspezifische Impfstoffe.

Weitere Erreger, die eine Rolle spielen:

  • das Bovine Virus Diarrhoe (BVD) -Mucosal Disease (MD) Virus und das Bovine Herpesvirus 1 (BHV 1). Häufig sind auch Adeno-, Reo- und Rhinoviren nachzuweisen,
  • aber auch eine Vielzahl von Bakterien sind bei einer Rindergrippe mit im Spiel. Hierzu gehören neben Mycoplasmen vor allem Histophilus somni, Streptokokken, Staphylokokken, Arcanobacterium pyogenes, Moraxella bovis, E. Coli, Pasteurellen spp., Chlamydien, Salmonellen und Pseudomonaden.

Keimproben, Impfgruppen und die Doku nicht vergessen

Nasentupfer

Die Impfung funktioniert nur, wenn sie sich gegen den richtigen Keim richtet. Dafür braucht es zunächst eine Keimprobe, um den Erreger zu identifizieren.
Grundsätzlich sollte man keine Tiere in Stressphasen oder kranke Tiere impfen. Auch bei einem akuten Rindergrippeausbruch man impfen wenig Sinn.

Am besten versucht man Impfgruppen zusammenzustellen (zum Beispiel alle sechs Wochen eine Gruppe bilden). Die Gruppen sollten dabei nicht mehr als 12 bis 15 Tiere umfassen, um mögliche Krankheitsausbrüche noch nachvollziehen zu können. Das Impfen der einzelnen Gruppen wird anschließend dokumentiert, damit keine Tiere vergessen werden und der Abstand zur nächsten Impfung eingehalten wird.

Wann man hochtragende Mutterkühe impfen sollte

Treten in einem Bestand gehäuft Atemwegserkrankungen bei Kälbern vor dem 8. Lebenstag auf, sollten die Muttertiere acht beziehungsweise vier Wochen vor dem Kalben geimpft werden. Dadurch wird das Kolostrum vermehrt mit Antikörpern gegen BRSV, PI 3 und M. haemolytica angereichert. Auf diese Weise werden die Kälber passiv geschützt, bis sie das impffähige Alter erreicht haben. Grundvoraussetzung ist an dieser Stelle ein gutes Kolostrum-Management. Auch wenn die Kühe geimpft wurden, können die Kälber bereits ab dem Alter von zwei Wochen ebenfalls immunisiert werden.

Wann impft man besser intranasal und wann intramuskulär?

Es gibt es zwei Gruppen von ­Impfstoffen: Zum einen die intranasalen Lebend­vakzine, die eine ­kurzfristige Immunität hervorrufen und sehr rasch, aber ­kürzer wirken. Die Immunabwehr ist schon nach wenigen Tagen vorhanden und hält rund drei Monate. Diese Impfstoffe kommen dort zum Einsatz, wo ein rascher Schutz nötig ist, zum Beispiel bei Zukaufsbetrieben.
Die zweite Variante ist eine intramuskuläre Impfung. Hierbei handelt es sich meist um Totimpfstoffe und es sind zwei Impfungen zur Grundimmunisierung nötig. Der Schutz hält dann rund sechs Monate. Diese Behandlung eignet sich für Zuchtbetriebe, bei denen im Herbst die ganze Herde geschützt werden soll. Auch bei Kälbern ist je nach Impfstoff bereits ab einem Alter von zehn bis 14 Tagen eine aktive Immunisierung in zwei Teilen möglich.

Für beide Gruppen von Impfstoffen gibt es Produkte von verschiedenen Herstellern. Die Produkte enthalten unterschiedliche Antigene und helfen damit auch gegen unterschiedliche Erreger.

Rindergrippe: Warum wirkt die Impfung manchmal nicht?

Die Impfung verhindert die Grippe nicht grundsätzlich, weil sie eben nicht nur durch Erreger ausgelöst wird. Wenn Faktoren wie Stress oder mangelhaftes Stallmanagement die Hauptverursacher sind, wird die Impfung wenig helfen. Deshalb muss der Ansatz zur Vorbeuge und Behandlung der Rindergrippe ganzheitlich sein. Man muss die Umweltfaktoren in die Behandlung miteinbeziehen, wie etwa die Lüftung oder auch die Belegdichte im Stall.

Immunsystem der Tiere stärken

Kaelber traenken

Um das Immunsystem zu stärken und vor allem nach der einer Rindergrippeimpfung der Muttertiere müssen die Kälber in der ersten Lebensstunde mindestens vier l Kolostrum guter Qualität erhalten (mindestens 22 Prozent Brix).

Während der ersten acht Lebenswochen sollten die Kälber täglich mindestens 12 Liter oder ad-libitum Vollmilch oder konzentrierte Milchaustauschertränke erhalten. Intensiv getränkte Kälber erreichen höhere Zunahmen, sind in der Regel gesünder und überstehen Krankheiten besser.

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