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Milchproduktion

Internationaler Milchmarkt: Steigende Produktion erwartet

von , am
20.12.2011

Frankfurt - Am internationalen Milchmarkt könnte sich in der ersten Jahreshälfte 2012 ein preislicher Abwärtsdruck einstellen.

Exportmarkt China: Produziert China bald seine Milch selbst? © landpixel
In den USA und in Europa werde sehr viel Milch erzeugt. Diese Mengen könnten sowohl die Export- als auch die jeweiligen Binnenmärkte nicht komplett aufnehmen, stellt die Rabobank in ihrem jüngsten Milchmarkt-Ausblick fest. Es gebe dazu zwei Szenarien, berichten Experten gegenüber dem Informationsdienst Dow Jones News: Entweder würden die Überschussmengen eingelagert oder zu günstigeren Preisen auf den Markt gebracht. So oder so könnte der Überschuss das Preisniveau zunächst drücken. In der zweiten Jahreshälfte wird aber eine Entspannung der Situation erwartet.

Käse-Nachfrage stützt EU-Markt

Die durch die Euro-Schuldenkrise und die schwachen Entwicklungsperspektiven für die US-Wirtschaft angespannte weltwirtschaftliche Lage könnte im ersten Halbjahr 2012 für zusätzliches Abwärtspotenzial auf den Milchmärkten sorgen, prognostiziert die Rabobank. Dabei würde der EU-Binnenmarkt durch eine gute Nachfrage nach Käse gestützt. In den USA wiederum bremse der eingetrübte konjunkturelle Ausblick sowohl die Nachfrage von Käse-Verarbeitern, als auch den Bedarf der Endverbraucher nach Frischmilch. Eine Wiederholung des Szenarios aus dem Jahr 2009, als die Preise kräftig abstürzten, sehen die Milchmarktexperten der Bank aber nicht, wie Dow Jones News berichtet. Schon im zweiten Halbjahr 2012 rechnen sie mit einer Erholung der Preise.
 
Zunächst dürfte die negative Stimmung an den Finanzmärkten nach Einschätzung der Rabobank nachlassen oder zumindest nicht noch zusätzlich zunehmen - auch wenn heute niemand sagen könne, wie sich die Euro-Schuldenkrise weiter entwickeln wird, hieß es dazu. Darüber hinaus werde die Nachfrage aus wichtigen Importnationen wie China, Indien und Russland den Markt stützen, sofern sich diese im üblichen Rahmen bewege. Zudem sei nicht davon auszugehen, dass sich die Milchproduktion in der südlichen Hemisphäre noch einmal so "perfekt" wie in dieser Saison entwickeln wird.

EU: Milchanlieferung im Plus

Die Milchanlieferungen an die Molkereien der EU-27 sind in den ersten acht Monaten 2011 weiter gestiegen, teilt die Agrarmarkt Informations-GmbH in Bonn mit. Mit schätzungsweise rund 94,5 Millionen Tonnen wurde das Niveau des Vorjahres um 2,3 % oder rund 2,1 Millionen Tonnen übertroffen. Im genannten Zeitraum hat sich das Wachstum jedoch ab Mai abgeschwächt. Das deutliche Plus in der Anlieferung resultiert im Wesentlichen aus der Mehrproduktion in Frankreich, in Deutschland und Irland. Allein in diesen drei EU-Staaten haben die Molkereien von Januar bis August rund 1,8 Millionen Tonnen mehr Milch erfasst als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Weltmarkt: Butter und Käse im November billiger - Milchpulver teurer

Wie die EU-Kommission in ihrem jüngsten Commodity-Marktbericht erläutert, liegt derzeit die Milchproduktion in den wichtigsten Exportländern noch über dem Vorjahresniveau, obwohl sich das Wachstum in Neuseeland verlangsamt hat. Die Steigerungen im Export können derzeit mit der höheren Erzeugung insgesamt nicht ganz Schritt halten, was zum Teil zu einem Lageraufbau führt. Obwohl China bei den Importen von Vollmilchpulver bremst, könnte bei diesem Produkt die rückläufige Erzeugung in Neuseeland die Notierungen stützen.
 
Insgesamt haben sich im November die internationalen Preise für Molkereiprodukte laut EU-Kommission unterschiedlich entwickelt: Während bei Butter und Käse eine sinkende Tendenz festgestellt wurde, konnte bei Voll- und Magermilchpulver der Abwärtstrend gestoppt werden. Die Durchschnittspreise (fob Neuseeland) sanken bei Butter auf 3.825 US-Dollar je Tonne gegenüber dem Vormonat Oktober 2011 und bei Cheddar-Käse auf 3.944 US-Dollar. Bei Magermilchpulver ergab sich ein minimaler Anstieg auf 3.400 US-Dollar, wogegen bei Vollmilchpulver ein deutliches Plus zu einer Erhöhung auf 3.588 US-Dollar je Tonne führte.
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