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Praxisbericht

Irland: Mit Low-input durch die Milchkrise

Immo Cornelius/agrarheute
am
13.09.2016

Ein letztes Mal geht es auf den irischen Milchviehbetrieb Campion. Wie er und seine irischen Kollegen durch die Krise kommen, erfahren Sie hier.

Der Milchviehhalter Thomas Campion aus der Nähe von Kilkenny ist ein typisch irischer Milcherzeuger. Seine 170 Kühe plus Nachzucht hält er auf circa 100 Hektar,  davon 94 Hektar Grünland.

Während die Milchproduktion hierzulande in den letzten Jahrzehnten durch eine starke Intensivierung mit Ganzjahres-Stallhaltung geprägt war, blieben Thomas und die meisten irischen Betriebe bei ihrem Vollweidesystem, berichtet er. Dank Vollweide und niedriger Kosten würden sie nun einigermaßen durch die Krise kommen.

Milch: Niedrige Produktionskosten

Charakteristisch für die sogenannte Low-input-Strategie sind die niedrigen fixen und variablen Kosten in der Milcherzeugung. Dabei geht es im Wesentlichen darum, vorhandene Ressourcen wie Arbeitskraft und vor allem Weidegras, das kostengünstigste aller Futtermittel, effizient zu nutzen und somit Arbeits- und Futterkosten zu senken.

Gleichzeitig wird der Einsatz von zugekauftem Kraftfutter auf ein Minimum reduziert: Bei Campion bekommen die Kühe zwischen ein und zwei Kilo Leistungsfutter am Tag.

Geringe Milchleistung durch 'low-input'

Der niedrige Input geht aber auch mit einer verminderten Milchleistung einher. Die Milchleistung von Campions` Kühen liegt somit bei vergleichsweise geringen 5800 Litern. Wirtschaftlich ist dieses System daher nur, solange die Kosten stärker gesenkt werden, als die finanziellen Leistungen durch den reduzierten Milchverkauf zurückgehen.

Realisiert wird das durch zehnmonatige Weidehaltung und damit verbundenen geringen Futterkosten, geringen Arbeitskraftbedarf, wenig Eigenmechanisierung und einfache Ställe.

Einfache Ställe und Lohnunternehmen

Wie agrarheute berichtete, setzt Campion genau diese Punkte auf seinem Betrieb um. Die Ställe sind einfache Liegehallen mit Schattendach. Große Maschinen sucht man auf dem Betrieb vergeblich. Die Gülle lässt der Landwirt von einem Lohnunternehmen verschlauchen, ebenso wird die Grasernte komplett abgegeben.

Nicht mal einen Siloblockschneider oder Futterverteilwagen besitzt er. "Lohnt sich nicht", sagt der Landwirt. Kein Wunder: Futter im Stall gibt es nur während der Trockenstehzeit im Winter, die witterungsabhängig zwei bis drei Monate dauert.

Günstiges Weidegras

Danach füttert Campion zu Beginn der Weidesaison nur noch Heu und Stroh, um das junge, rohfaserarme Gras auszugleichen. Das restliche Jahr fressen die Kühe fast ausschließlich Weidegras. Auch auf Mais wird verzichtet. Thomas muss so nur einen Schnitt im Jahr einsilieren.

Für eine optimale Grasverwertung kalben alle Kühe im Block, pünktlich zu Vegetationsbeginn. So kann ein Maximum an Milch aus Weidegras erzeugt werden. Der steigende Arbeitskraftbedarf in der Zeit der Kalbungen wird teilweise durch den Einsatz eines Kälbertränkeautomaten kompensiert.

Low-input als Risiko-Instrument

Low-input heißt also auch: Günstige Ställe und wenig Mechanisierung und damit verbunden geringe Fixkosten. Durch die geringen variablen Kosten erzielt Thomas daneben gute Deckungsbeiträge trotz geringer Leistung. Gerade in Zeiten schlechter Milchpreise zeige sich laut Campion: Die low-input-Strategie ist in den meisten Fällen nicht nur wirtschaftlich, sie stellt auch eine Art Risikomanagement-Instrument dar.

Mit konstant niedrigen Kosten in der Erzeugung sei sein Betrieb weniger von länger anhaltend tiefen Preistälern betroffen und er reduziere somit sein Risiko. Auch die geringen Verbindlichkeiten trotz Betriebswachstums verschafften ihm einen Vorteil, so die Überzeugung des irischen Milchviehhalters.

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