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ITW Rind: Was für Landwirte jetzt wichtig ist

Ab März können sich Landwirte für die ITW Rind anmelden.
am Montag, 07.03.2022 - 09:00 (Jetzt kommentieren)

Mit den Tierwohlkriterien der ITW für die Rinderhaltung soll das Engagement der Rindermäster direkt durch die Abnehmer honoriert werden. Doch sind die Kriterien für jeden Landwirt umsetzbar?

Ab dem 15. März 2022 können sich interessierte Betriebe für die Initiative Tierwohl (ITW) Rind anmelden. Dafür müssen sie bestimmte Kriterien erfüllen. Doch für wen ist die Initiative Tierwohl Rind geeignet? agrarheute sprach mit Isabella Timm-Guri, Direktorin für den Fachbereich Erzeugung und Vermarktung beim Bayerischen Bauernverband (BBV) darüber, was Landwirte beachten müssen. Sie hat selbst in der Arbeitsgruppe von Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und LEH zur Erarbeitung der ITW Rind mitgearbeitet.
 

Rechnet sich das größere Platzangebot?

Das Wichtigste für Landwirte ist, ob sie überhaupt die Kriterien auf ihren Betrieben umsetzen können. Erstes Kriterium ist die Vergrößerung des Platzangebots um 10 Prozent. Hier wurde rechnerisch von 2,7 auf 3 m² erhöht. An diesem Punkt gibt es natürlich unterschiedliche Ausgangslagen. Für Betriebe, die aktuell schon mehr Platzt bieten, ist das kein Problem. Andere Betriebe müssen erstmal schauen, wie sie sich hier neu aufstellen müssen. Schließlich lassen sich nur ganze Tiere aus Buchten nehmen.
Für die Umsetzung des Kriteriums werden die Tierhalter mit 9 Cent honoriert. „Deswegen muss jeder Betrieb für sich erstmal schauen, was muss ich denn aufgrund des Platzkriteriums verändern? Und ist dann die Honorierung passend“, sagt Isabella Timm-Guri vom BBV.

Zeit sich über Scheuerbürsten zu informieren

Da das Kriterium Scheuermöglichkeiten erst ab nächstem Jahr verpflichtend wird, sollten Landwirte die Zeit nutzen, um sich zu informieren. „Was bietet der Markt an Kratzbürsten, -matten und Riffelblechen etc.? Hier sollte jeder Betrieb schauen, was für ihn die passende Lösung ist. Die ITW lässt hier Flexibilität für Innovation und gibt nur einige qualitative Kriterien vor, nämlich unebenes Oberflächenprofil, vertikale Anbringung sowie mindestens 90 cm Länge und 30 cm Breite. Jeder Landwirt muss schauen, wie es sich am besten im eigenen Betrieb umsetzen lässt“, sagt Isabella Timm-Guri. Zu lange sollte die Informationsphase aber auch nicht dauern, denn bis zum 1.4.2023 müssen die Scheuermöglichkeiten auf den ITW-Betrieben installiert sein. Der Kostenausgleich für dieses Kriterium wird dann ab dem 1.4.2023 2,13 Cent/ kg Schlachtgewicht betragen.
Dabei sollte nicht vergessen werden, dass das Kriterium keine Wahloption ist, auch wenn es erst im zweiten Jahr honoriert wird.

Jeder Landwirt muss sich selbst um die Bezahlung kümmern

Was muss der Landwirt beachten, um den vereinbarten Kostenausgleich für die ITW-Kriterien auch wirklich zu bekommen? Schließlich wird mit einer Teilnahme an der ITW Rind nicht automatisch der Tierwohlzuschlag gezahlt. Die Finanzierung verläuft entlang der Wertschöpfungskette. Den Tierhaltern ist daher dringend zu empfehlen, mit ihrem Schlachthof beziehungsweise Abnehmer eine verbindliche Vereinbarung zur Zahlung des Zuschlags zu treffen. Die Schlachtbetriebe sich grundsätzlich in der Branchenvereinbarung verpflichtet, den Zuschlag für ITW-Tiere an die Landwirte zu zahlen. Dieser muss auf der Schlachtabrechnung separat ausgewiesen werden, sofern die Rinder als ITW-Tiere angenommen werden.
„Im Grunde gibt es für den Landwirt drei Ansätze: er kann sich direkt mit dem Schlachthof einigen, er trifft eine Vereinbarung mit seinem Vermarkter oder er ist risikoaffin und verhandelt am Schlachttag“, sagt die Direktorin für den Fachbereich Erzeugung und Vermarktung beim Bayerischen Bauernverband. Bei letzterem muss nur klar sein, dass der Betrieb keine Sicherheit hat, was genau er an Bezahlung für seine ITW-Tiere bekommt. Es kann auch deutlich weniger dabei herumkommen kann als die ITW ausgerechnet hat.

Es gilt gut nachrechnen bei der ITW Rind

Das ITW-System ist so konzipiert, dass der Zuschlag auf dem Marktpreis ansetzt. Daher müssen Rindermäster vertraglich schauen, ob es sich für sie rechnet. „Schließlich gibt es schon jetzt viele Bullenmäster, die individuelle Zuschläge erhalten beispielsweise für Alter oder Gewichtsklassifizierung. Deswegen müssen Landwirte schauen, dass diese Individualzuschläge nicht verschwinden und durch den ITW-Zuschlag aufgesaugt werden. Sonst hat der Landwirt am Ende keinen höheren Zuschlag, obwohl er zusätzliche Tierwohlkriterien erfüllt“, sagt Isabella Timm-Guri. Daher sollten sich Landwirte sehr gut für die Verhandlungen vorbereiten. „Es muss eine klare Botschaft ankommen bei den Marktpartnern: wir können mehr Tierwohl, aber ihr müsst es auch bezahlen“, sagt die Direktorin für den Fachbereich Erzeugung und Vermarktung.

Was ist mit Kriterien, die über ITW hinausgehen?

ITW Rind ist ein Programm, mit dem das so erzeugte Rindfleisch dann in die Haltungsformstufe 2 des Lebensmitteleinzelhandels eingeordnet wird. Zum Teil interessieren sich der Lebensmitteleinzelhandel, die Schlachtunternehmen und die Vermarkter aber schon für darüber hinausgehende Kriterien, wie Strohhaltung oder GVO-freie Fütterung. Wenn Betriebe das bieten können, sollten sie auf jeden Fall darauf achten, dass über ITW hinausgehende Kriterien auch mit angemessenen weiteren Zuschlägen bezahlt werden. „Verkaufen Sie Ihre Tiere beziehungsweise das Mehr an Tierwohl, das Sie bieten, nicht unter Wert“, sagt Isabella Tim-Guri.

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