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Milchproduktion

Junglandwirtetag: Milchexporte werden zunehmen

von , am
11.03.2013

Aurich - Beim Junglandwirtetag in Aurich tauschten sich Wissenschaftler und junge Milcherzeuger über die Zukunft der deutschen Milchproduktion aus. Was alles auf die Junglandwirte zukommt, lesen Sie hier.

Die Absatzaussichten für die niedersächsischen Milcherzeuger sind gut. © Mühlhausen/landpixel
"Eine Beibehaltung der Quote nach 2015 steht für uns Junglandwirte nicht zur Diskussion", betonte Eric Brenneke, der aus Holzminden stammende Vorsitzende der Junglandwirte Niedersachsen in seiner Eröffnungsrede anlässlich des diesjährigen Junglandwirtetages am 5. März 2013 in Aurich. Das Motto der Veranstaltung lautete passend zur Milch-Region Ostfriesland "Weiter denken - Milcherzeuger: Fit für den Weltmarkt?".
 
Veranstalter waren die Junglandwirte Niedersachsen und die Junglandwirte Ostfriesland, die mittels eines Sketches in das Tagungsthema einführten. Brenneke weiter: "Wir Junglandwirte verbinden mit dem Auslaufen der Milchquote vor allem Chancen für die Weiterentwicklung unserer Betriebe. Gleichzeitig sind die größeren Preisschwankungen am Milchmarkt eine echte Herausforderung für die Liquidität, der wir uns stellen wollen."

Milchexport wird weiter steigen

"Bei stabiler Nachfrage werden die Milchmengen ab 2015 EU-weit moderat ansteigen", prognostiziert Prof. Dr. Holger Thiele vom ife Informations- und Forschungszentrum für Ernährungswirtschaft e.V. in Kiel. Er geht davon aus, dass der Export von Milcherzeugnissen künftig weiter an Bedeutung gewinnt. "Zudem werden die Anforderungen der Importeure an die Qualität steigen", erklärte der Wissenschaftler. Weiter nehme die Bedeutung neuer Qualitätsattribute wie "Tierschutz", "Ohne Gentechnik", "Regionalität" und "Bio" zu.
 
Bei der Vermarktung von Milcherzeugnissen werden das konsequente Einhalten hoher Qualitätsstandards und das Akzeptieren neuer Qualitätsattribute wesentlichen Einfluss haben, ist der Forscher überzeugt. Dem in Brüssel diskutierten Vorschlag, bei Marktkrisen freiwillige Lieferverzichte gegen Entschädigung zu nutzen, erteilte der Wissenschaftler eine klare Absage: "Das Instrument ist wenig effizient und viel zu träge."

Weniger Agrarmarktpolitik und mehr Umweltauflagen

Dr. Birthe Lassen vom Thünen-Institut in Braunschweig zufolge werde sich die Agrarmarktpolitik weiter aus dem Milchmarkt zurückziehen, und die Landwirte müssten sich gleichzeitig auf verschärfte Umweltauflagen einstellen. "Um diese Herausforderungen zu meistern, brauchen Milcherzeuger zwingend unternehmerische Fähigkeiten", betont Dr. Lassen. Eine große Bedeutung misst sie dem Benchmarking bei, einer Weiterentwicklung des Betriebsvergleichs. Mit diesem Instrument sollen Milchvieh haltende Betriebe sich besser vergleichen können und so bessere Methoden und Praktiken ("Best Practices") erkennen, an den eigenen Betrieb anpassen und schließlich einführen.
 
In puncto Nachhaltigkeit sieht die Wissenschaftlerin ein verstärktes Interesse. Handel und Kunden wünschen sich von den Molkereien nicht nur Informationen zur Nachhaltigkeit auf der Verarbeitungsstufe, sondern darüber hinaus auch auf der Erzeugerstufe. Letztere könnten die Molkereien derzeit noch nicht liefern. "Um abgesicherte Fakten zu gewinnen, haben das Thünen-Institut und die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. gerade eine entsprechende Umfrage unter Milchviehhaltern in Niedersachsen gestartet", sagte Dr. Lassen und bat die Milchviehhalter bei diesem Projekt um Unterstützung.

Für Junglandwirte spielt Planungssicherheit eine große Rolle

Neben den Wissenschaftlern kamen beim Junglandwirtetag zwei junge Milchviehhalter zu Wort. Jens Wünsche aus Friedeburg in Ostfriesland bewirtschaftet gemeinsam mit seinen Eltern einen Milchviehbetrieb mit 140 Kühen. Der Landwirtschaftsmeister setzt darauf, die Lebensleistung seiner Kühe durch den verstärkten Einsatz von Grassilage zu erhöhen. Zudem plant er, die Anzahl und die Milchleistung der Kühe moderat zu steigern. Mit Blick auf die Milchquote steht für Wünsche fest: "Die Einführung der Milchquote ist der größte Hemmschuh, den unser Betrieb je hatte".
 
Gunnar Jaborg aus Ovelgönne in der Wesermarsch hält gemeinsam mit seinen Eltern 120 Kühe. Geplant ist, die Herde auf 160 Tiere aufzustocken und die Gruppenhaltung einzuführen. Für den studierten Landwirt spielt bei der Entwicklung des Betriebes Planungssicherheit eine zentrale Rolle. "Gerade das Jahr 2013 ist dabei von Bedeutung, da neben wichtigen Entscheidungen in Brüssel bei uns die Bundestagswahl ansteht", sagte der Junglandwirt. Mit Sorge sieht Jaborg die enormen Steigerungen der Flächenpachtpreise, die die Betriebsentwicklung stark beeinträchtigen.

Warenterminbörsen eignen sich für Molkereien und große Milchviehbetriebe

Den Abschluss des Junglandwirtetages bildete eine Podiumsdiskussion mit allen Referenten, die Hendrik Lübben und Katrin Carl, beide Milchviehhalter und Stellvertretende Vorsitzende der Junglandwirte Niedersachsen moderierten. Die Gäste hatten viele Fragen, zu denen die Referenten ausgiebig Stellung nahmen. So stellte Prof. Thiele klar, dass sich die Preisabsicherung über die Warenterminbörse in erster Linie für Molkereien und sehr große Milchviehbetriebe eigne. Dennoch sei es wichtig, dass sich jeder einzelne Milchviehhalter mit diesem Instrument vertraut mache.

Betriebsführung Junglandwirtetag: Als Milcherzeuger fit für den Weltmarkt?

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