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Tiergesundheit

Kälbergesundheitsstall: Besseres Klima für die Jungtieraufzucht

Aus Amerika kommt ein neuer Trend zu uns – der Kälbergesundheitsstall. Jungtiere werden nicht in Außeniglus, sondern im Stall untergebracht, was ein besseres Klima für
Mensch und Tier verspricht. Zwei deutsche Betriebe haben ihn gebaut und berichten von Ihren Erfahrungen.

am Dienstag, 27.07.2021 - 09:05

Eingebettet von grünen Wiesen liegt der Kälberstall der MuH Kuh GbR. Mit seiner rotbraunen Fassade und der offenen Bauweise ist er ein Hingucker im
sauerländischen Medebach. Das Besondere: Es handelt sich hier um einen Systemstall extra für die Gesundheit der Kälber. Es gibt Einzel- und Gruppenboxen und der Stall bietet den Jungtieren gleich ab der Geburt ein konstantes Klima.

Es ist fünf Jahre her, dass sich Familie Wienand entschlossen hat, in der Jungtieraufzucht etwas zu verändern. Die Tiere sollten gesünder aufwachsen. Zudem war der Plan, die Arbeitsbelastung zu reduzieren. „Wir hatten wie viele Milchviehhalter unsere neugeborenen Kälber zunächst in Einzeliglus und dann in Gruppenhaltung stehen. Aber spätestens bei der Umstallung in die Scheune konnten wir immer wieder Atemwegserkrankungen beobachten“, sagt Andrea Wienand.

Viel Frischluft und mehr Platz

Im Kälbergesundheitsstall werden die Tiere permanent mit Frischluft versorgt - ohne Zugluftgefahr. Dadurch lässt sich das Klima im Stall besser regulieren und auch die Keimbelastung in der Luft ist geringer.2016 wurde der neue Kälberstall als GbR
mit Familie Lütke-Glanemann gebaut. Im Gebäude mit einer Länge von 20 m und einer Breite von 23 m sind insgesamt 18 Einzelboxen und 45 Gruppenplätze untergebracht. Neben flexiblen Seitenwänden, sogenannten Curtains, verfügt der Stall über Rolltore, die für eine Querlüftung sorgen. Zudem versorgen zwei Belüftungsschläuche, die Tubes, die Jungtiere permanent mit Frischluft. Ein offener First und ein Sandwichdach runden das System ab.

Neben einer besseren Belüftung steht den Jungtieren mehr Platz zur Verfügung. Zunächst werden sie einzeln oder paarweise in Kälberboxen untergebracht. Mit einer Länge von 1,20 m und einer Breite von 2,40 m bieten sie 3 m² Bewegungsfreiheit. Danach werden die Kälber in Kleingruppen untergebracht, wodurch sie mehr Trockenmasse aufnehmen. Nach etwa sechs Wochen kommen sie in größere Gruppen auf die andere Seite des Stalls. Diese bieten jeweils neun Tieren Platz. Insgesamt 36 m² steht jeder Gruppe zur Verfügung.

Die Investition in einen neuen Kälberstall hat sich für beide Betriebe gelohnt. „Man geht gern zu den Kälbern. Durch die übersichtliche Aufteilung hat man alles im Blick“, sagt Andrea Wienand. Zudem ist das Misten und Umstallen in beiden Betriebe kein großer Aufwand mehr.

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