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Kälbertransport nach 28 Tagen: Tierhalter bleiben außen vor

Tränkekalb
am Mittwoch, 14.07.2021 - 05:00 (6 Kommentare)

Vor kurzem brachte der Bundesrat eine Verordnung auf den Weg, nach der Kälber künftig erst mit 28 Tagen transportiert werden dürfen. Warum wurden die Betroffenen nicht einbezogen?

Ich wundere mich, wie diese Entscheidung zustande kam. Das Land Niedersachsen brachte einen Verordnungsentwurf in den Bundesrat ein, mit dem der Transport von Kälbern künftig nicht mehr mit 14, sondern erst mit 28 Tagen möglich sein soll. Die Begründung ist - kurz gesagt- dass 14 Tage alte Kälber in einer immunologischen Lücke stecken und damit anfälliger für Krankheiten sind. Und das soll mit 28 Tagen besser sein. Die Vorlage für den Entwurf wurde von der Bundestierärztekammer geschrieben. Sie behauptet in einem Positionspapier vom Februar diesen Jahres, dass Kälber bis vier Wochen nicht transportfähig sind. Diese Position darf eine Tierärztekammer vertreten. Dabei gibt es selbst unter Tierärzten durchaus unterschiedliche Auffassungen, in welchem Zeitraum Kälber am anfälligsten sind.
 

Keine Mitsprache durch die Rinderhalter

Aber es mutet seltsam an, wenn eine solche Position als Gesetzestext verfasst, zwischen Welpenschutz und der Regelung von Tiertransportzeiten versteckt wird und so durch den Bundesrat marschiert. Natürlich kann eine Landesregierung sich die Position der Tierärztekammer zu eigen machen. Dennoch frage ich mich, warum die in solch einem Fall übliche Anhörung der Verbände unterblieben ist. Mit den Rinderhaltern wurde nicht einmal im Ansatz das Gespräch gesucht. Das ist ein starkes Stück, aber bei landwirtschaftlichen Fragen scheint die Expertise der Betroffenen nichts mehr zu gelten.

Ein besserer Preis wäre die Lösung

Wenn die Verordnung so durchgehen sollte – und danach sieht es im Moment aus – dann werden innerdeutsch künftig nur noch 28 Tage alte Kälber transportiert. Paradoxerweise dürfen Tiere aus dem EU-Ausland aber weiterhin mit 14 Tage transportiert werden.

Vielleicht sollte man einmal darüber nachdenken, warum schwarzbunte Bullenkälber schon mit 14 Tagen vom Hof gehen, während Fleckviehbullenkälber meist erst mit sechs Wochen vermarktet werden. Der Grund ist der niedrige Preis für schwarzbunte männliche Tiere, den die Milchviehhalter erhalten und der seit Jahren die Kosten nicht deckt. Eine Verlängerung auf 28 Tage macht die Lage für die Milchviehhalter und ihre schwarzbunten Bullenkälber nicht besser. Was fehlt ist Wertschätzung. Statt mit Verordnungen an Symptomen herumzudoktern, sollten die wirtschaftlichen Ursachen bekämpft werden. Dann würden schwarzbunte Bullenkälber mit gleichen Freude aufgezogen wie Fleckviehkälber - zum Wohl der Tiere, aber auch zum Vorteil der Bullen- und Kälbermäster.

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