Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Wissenschaft

Kälte lässt Kühe kalt

Kühe am Futtertisch im Winter
am Dienstag, 13.11.2018 - 06:50 (Jetzt kommentieren)

Die Auswirkungen hoher Stalltemperaturen sind bekannt. Doch wie wirken sich zu niedrige Temperaturen auf die Milchkühe, ihre Gesundheit und die Leistung aus?

Wir wissen alle: Kühe leiden bei zu hohen Temperaturen unter Hitzestress. Die Milchleistung sinkt und auch die Gesundheit wird in ­Mitleidenschaft gezogen. Doch was passiert an Frosttagen und bei Minustemperaturen mit der Herde? Dieser Frage gingen Wissenschaftler der Universität Gießen in der Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung Hofgut Neumühle nach. Dafür untersuchten sie das Verhalten und die Leistung von 39 Kühen im Laufstall mit Tiefboxen.

Während der Untersuchung sank die Außentemperatur im Auswertungszeitraum (60 Tage) bis auf -16 °C an einem Tag ab. Die niedrigste Stalltemperatur betrug etwa -8 °C.

Erstes Ergebnis: Während der Minustemperaturen konnten keine nachteiligen Auswirkungen auf die Gesundheit der Kühe festgestellt werden.

Futteraufnahme beachten

Zudem wurde das Fressverhalten untersucht. Bekannt ist, dass Kühe bei hohen Temperaturen weniger fressen, um die Wärmeproduktion möglichst gering zu halten. Bei tiefen Temperaturen ist es eher umgekehrt, um Energie für die Wärmebildung zu haben.

Zweites Ergebnis: Auf der Neumühle war davon allerdings nur eine leichte Tendenz zu­erkennen, sodass die Futteraufnahme bei Minusgraden mit 48,3 kg/Tag geringfügig höher als bei der höchsten Temperaturklasse war. Bei den höheren Temperaturwerten gingen die Kühe etwas häufiger pro Tag zum Fressen (29-mal im Vergleich zu 27-mal) und blieben etwas länger an den Wiege­trögen (254 Minuten pro Tag) als bei den niedrigen Temperaturen (238 beziehungsweise 241 Minuten pro Tag).

Allerdings ist dabei zu beachten, dass ­Faktoren wie die Laktationsnummer und das Laktationsstadium die Futteraufnahme beeinflussen können. Der Unterschied war doch beträchtlich. Die Erstkalbinnen nahmen mit 44,6 kg Frischmasse viel ­weniger Futter auf als die älteren Kühe mit den Laktationsnummern 2 bis 5 mit 51,4 kg.

Niedrige Temperaturen, kurze Wiederkaudauer

Die tägliche Wiederkaudauer betrug bei den untersuchten Kühen im Mittel 571 Minuten und lag damit im Vergleich mit anderen Herden deutlich höher. In der universitätseigenen Herde beträgt die ­mittlere Wiederkaudauer etwa 500 Minuten.

Es überraschte die Forscher, dass die Jungkühe mit 605 Minuten pro Tag eine längere Ruminationsdauer aufwiesen als die älteren Kühe (565 Minuten täglich). In der Regel kauen Altkühe länger wieder, weil sie bedingt durch den voluminöseren Magen-Darm-Trakt eine größere Futtermenge aufnehmen.

Grund dafür könnte sein, dass auf der Neumühle die Jungkühe einen mittleren Laktationstag von 93 hatten und die Altkühe sich bereits am 146. Laktationstag befanden. Je weiter die Laktation voranschreitet, umso niedriger ist die tägliche Wiederkaudauer. Ein Unterschied von 60 Tagen in Milch kann durchaus eine Differenz von 30 bis 40 Minuten Wiederkaudauer pro Tag ausmachen.

Jung und Alt im Unterschied

Ebenso steigt die Futtermenge mit der Laktationsdauer. 3 bis 4 kg/Tag für etwa 60 Tage Differenz in der Laktationsdauer sind möglich. Insofern wird in den Ergebnissen weniger ein Effekt des Alters der Kuh als vielmehr der Einfluss des Laktationsstadiums abgebildet.

Drittes Ergebnis: Unter Berücksichtigung von Jung- und Altkühen, Laktationstag und Gewicht der Kühe trat bei den niedrigsten Temperaturen mit 562 Minuten die kürzeste und bei den höchsten Temperaturen die längste (613 Minuten) tägliche Wiederkaudauer auf. Erstkalbinnen und Altkühe zeigten bei unterschiedlichen Niveaus der Wiederkaudauer dieselbe Tendenz, wonach mit zunehmender Temperatur die Dauer des täglichen Wiederkauens zunimmt. Es ist schwierig, eine klare Ursache dafür zu finden. Zwischen Wiederkau- und Liegedauer bestand ein positiver Zusammenhang. Bei niedrigen Temperaturwerten lagen die Kühe weniger. Somit könnte die Erklärung für die kürzere Wiederkaudauer in einer geringeren Liegedauer liegen.

Was ist zu tun?

Im Winter sind Rinder durch die Eigenwärmeproduktion bei hoher Milchleistung und durch das Winterfell kältetolerant.

Im Stall hingegen muss vorgesorgt werden:

  • Frostsichere Wasserleitungen und Tränkebecken durch das Verlegen der Leitungen im Fußboden sowie Tränkeheizungen und Zirkulationsanlagen.
  • Zugluft im Stall sollte verhindert werden – ebenso eine zu hohe Luftfeuchtigkeit: Wenn Curtains vorhanden sind, kann die Luftrate in bestimmtem Umfang geregelt werden. Die Winterluftrate kann für 700 kg schwere Kühe bei -7 °C Außentemperatur in Abhängigkeit von der zu erreichenden Innentemperatur zwischen 85 und deutlich über 200 m³/h je Kuh schwanken.
  • Ein Melkroboter kann mit Folie eingehaust und mittels mobiler Heizung erwärmt werden.
  • Im Laufbereich können Kot und Urin anfrieren. Solange die Temperaturen im Minusbereich sind, ist dies kein Problem. Gefährlich wird es, wenn es taut und rutschig wird. Im Liegebereich ist unbedingt für eine trockene, dicke Einstreumatte zu sorgen.

Fazit

Kalte Temperaturen haben kaum leistungsdepressive Auswirkungen. Kühe sind ­kältetolerant, sofern sie gesund und wind- sowie feuchtigkeitsgeschützt untergebracht sind.

Automatisierung im Milchviehstall

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...