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Kalbemanagement

Kalben im Stall und auf der Weide: So macht es der Praktiker

Benedikt Renz ist sich noch nicht sicher. Die Abkalber stehen jetzt auf Kompost, doch ob das die Lösung ist?

am Donnerstag, 01.12.2022 - 05:00 (1 Kommentar)

"Davor hatten wir hier Stroh und die Kühe kalbten im Tiefstreustall. Für die Kühe war das stressfrei, aber von der Hygiene her, war es für die Kälber nicht optimal“, sagt der Milchviehhalter. Das war auch der Grund, warum er jetzt den Versuch mit dem Kompost gestartet hat.

Renz ist eigentlich ein Freund von Weidekalbungen. „Wir versuchen, die meisten Kalbungen auf den Sommer zu legen und die Tiere auf der Weide kalben zu lassen“. Das funktioniere auch ganz gut. Rund zwei Wochen verbringen die Trockensteher im Sommer auf der Weide. Für sie hat Renz eine 5 ha große Standweide direkt am Betrieb und auch jemanden, der die Herde regelmäßig kontrolliert sowie die Kälber entsprechend versorgt und in den Kälberstall bringt. Zur Erstversorgung gehört die Nabeldesinfektion, aber auch eine Vitamin E- und Selenspritze zum Start. Die Kälber kommen direkt in einen Gruppenstall.

4 L Kolostrum und Blickkontakt zur Mutter

Benedikt Renz

Hier sollen sie so früh wie möglich Kolostrum aufnehmen. Für den Fall, dass die Mutter nicht ausreichend Kolostrum oder dieses eine zu schlechte Qualität hat, bevorratet der Landwirt gespindeltes eingefrorenes Kolostrum in PET-Flaschen. 4 l Kolostrum ist das Ziel. Gedrencht wird nicht, sondern immer wieder probiert. „Mit dem Drenchen kann man viel kaputtmachen und bei den Kälbern einen bleibenden Schaden verursachen“, ist der Landwirt überzeugt.

Der Kälberstall ist so angeordnet, dass sich Kalb und Mutter sehen und hören können, aber keinen Kontakt haben. „Es gibt tatsächlich Kühe, die kommen, um zu fressen und Kontakt zu ihrem Kalb aufzunehmen, aber es sind die wenigsten. So haben die Tiere Kontakt, ohne dass es Keimdruck gäbe.“

Die Kälbergruppenställe werden im Rein-Raus-Verfahren gefahren, um Infektionsketten zu unterbrechen. Jedes Abteil hat die Breite einer Radladerschaufel, was das Saubermachen erleichtert.

Männliche Kälber künftig selbst aufziehen

Kälberstall Renz

Nach der Kolostrumgabe erhalten alle Tiere angesäuerte Milch ad libitum. Im Säuerungsmittel befindet sich zusätzlich ein Eisenzusatz. Außerdem werden Heu und Wasser angeboten. Der Landwirt hat außerdem einen Trick, wie er Durchfallkälber im Vorfeld erkennt: Die Tiere erhalten Bentonit. „Wenn Tiere von dem Pulver eine graue Nase bekommen, weiß ich, dass hier Durchfall im Anzug ist und ich achte besonders auf diese Kandidaten.“ Nach rund sechs Wochen werden die Tiere abgesetzt. Rund 800 l Milch saufen sie bis zu Absetzen. Anschließend erhalten sie neben Heu auch Kraftfutter. Ab der zweiten Woche haben alle Kälber Zugang zur Weide.

Die männlichen Kälber werden je nach Rasse verkauft, Schwarzbunte in der Regel mit drei Wochen, die anderen Tiere entsprechend später, doch Renz denkt darüber nach, die männlichen Tiere selbst aufzuziehen, und sucht noch nach Möglichkeiten, um Ochsen mit anderen Kollegen großzuziehen. „Die männlichen Tiere bekommen erst mit 15 Monaten eine Fleischmarmorierung. Also muss man sie länger halten. Wir wollen hier auf Qualität statt auf Masse setzen und den Mehrwert selber erzeugen“, erklärt Renz.

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