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Kalbung

Wann kalbt die Kuh? Diese Sensoren geben Hinweise

Der Verlauf der Abkalbung ist entscheidend für die weitere Entwicklung und Gesundheit von Kuh und Kalb.
am Mittwoch, 28.12.2022 - 05:00

Der genaue Abkalbezeitpunkt ist bislang nicht exakt zu bestimmen. Zudem gibt es nur wenige technische Hilfsmittel. Prof. Dr. Steffen Hoy hat untersucht, wie bestehende Sensorsysteme im Stall bei der Geburtsprognose helfen können.

Eine Kalbung muss frühzeitig beobachtet werden, damit im Notfall eingegriffen werden kann. Schließlich entscheidet der Verlauf der Abkalbung über die Vitalität des Jungtiers in den ersten Lebenstagen und seine weitere Entwicklung. Dazu muss der Tierhalter den genauen Abkalbezeitraum im Auge haben, doch steigende Bestandsgrößen und die Entfernung des Stallgebäudes vom Wohnhaus erschweren die durchgehende Tierkontrolle. Wohnt der Tierbetreuer zudem nicht auf dem Betrieb, ist eine Überwachung der Abkalbungen rund um die Uhr nicht durchführbar.

Sensorsysteme für die Kalbung

Der Einsatz technischer Hilfsmittel zur Bestimmung des Kalbebeginns kann den Tierbetreuer hierbei unterstützen. Bisher beschränkt sich aber die Auswahl auf wenige Systeme wie Geburtsmelder oder Videoüberwachung.

Im Gegensatz dazu sind Sensoren zur Brunsterkennung bereits fester Bestandteil in vielen Milchviehbetrieben. Auch in der Lehr- und Forschungsstation Oberer Hardthof der Universität Gießen werden die Systeme Heatime Pro+ und Bayern-Watch genutzt. Doch können Sensorsysteme, die bei einer Kuh das Fressen, Liegen und Stehen messen, auch eine bevorstehende Kalbung erkennen?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, wurden bei 35 Holsteinkühen über einen Zeitraum von vier Jahren 94 Abkalbungen dokumentiert. Bei jedem Tier wurden sieben Tage vor sowie am Tag der Kalbung selbst (Tag 0) folgende sensorbasierte Werte erfasst:

 

  • Heatime Pro+: Wiederkauen und Aktivität,
  • BayernWatch: Aktivität, Aufenthaltsdauer am Futtertisch, Anzahl Besuche am Futtertisch, Liegezähler, Liegedauer und Stehdauer – alle Werte pro Tag.

Die Liegedauer und das Stehen ergeben dabei zusammen immer 24 Stunden. Aus technischen Gründen lag der Fokus auf der Liegezeit.

Stallsensoren im Stall reagieren bei einer Kalbung zu spät

Während der Untersuchung zeigte die Wiederkauaktivität einen typischen Verlauf im geburtsnahen Zeitraum und nahm zur Kalbung hin ab. Im Vergleich von Tag 4 vor der Kalbung bis zum Tag der Abkalbung ging die Wiederkauaktivität um 28 Prozent zurück (siehe Grafik Seite 42 „Tägliche Wiederkaudauer“). Einen vergleichbaren Rückgang ließ sich auch bei der täglichen Aufenthaltsdauer am Futtertisch (minus 42 Prozent) und der Liegedauer (minus 17 Prozent) feststellen (siehe Grafiken „Aufenthaltsdauer am Futtertisch“ und „Tägliche Dauer des Liegens“). Die tägliche Aktivität gemessen mit BayernWatch stieg zum Tag der Kalbung um 39 Prozent an (siehe Grafik „Tägliche Aktivität“).

Bei der Aktivitätsmessung mit Heatime Pro+ ließ sich keine Beziehung zum Abkalbungszeitraum feststellen, da das eingesetzte Messsystem die für die Brunst charakteristischen Kopf- und Halsbewegungen aufzeichnet und nicht die Fortbewegung.

Dagegen misst BayernWatch die Ortsbewegung, die mit zunehmender Unruhe der Kühe unmittelbar vor der Kalbung steigt. Das zeigt sich am stärksten beim Liegezähler, der das Ablegen erfasst. Dieser Wert erhöht sich zum Tag der Abkalbung um 83 Prozent.

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