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Tiergesundheit

Ketose: Wie Sie die Leber der Kuh schützen

Kuhtrank nach der Kalbung-Ketose
am Montag, 04.10.2021 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Die Leber einer Kuh ist vielen Belastungen ausgesetzt. Im geburtsnahen Zeitraum gilt es, ketotische Belastungen zu vermeiden.

Hoher BCS Ketosegefahr

Gerade im geburtsnahen Zeitraum ist die Leber extrem gefordert. Bei Fehlern in der Energieversorgung fluten übermäßig viele freie Fettsäuren in der Leber an, was zur Fettleber führen kann. Das schränkt die funktionelle Kapazität der Leber erheblich ein. Während des Trockenstellens soll weder Körpermasse angesetzt noch abgebaut werden.

Am besten stellt man die Tiere mit einem Body Condition Score (BCS) von 3 bis 3,5 (Rückenspeckdicke 20 bis
25 mm) trocken. Die richtige Körperkondition sollte schon im zweiten oder dritten Laktationsdrittel erreicht werden. Ein zu hoher Fettansatz zum Trockenstellen ist, verbunden mit geringerer Futteraufnahme nach dem Kalben, einer der entscheidenden Risikofaktoren für subklinische und klinische Ketose und für eine enorme Leberbelastung.

Kurz vor der Geburt und in den ersten Wochen der Laktation befindet sich die Milchkuh natürlicherweise in einer negativen Energiebilanz. Die Lücke zwischen der Energieaufnahme aus dem Futter und dem Energieverbrauch für Erhaltung, Zuwachs des Fötus, eigenem Wachstum und Milchbildung nach dem Kalben wird geschlossen, indem das Tier körpereigene Energiereserven mobilisiert.

Was sind die Merkmale für eine subklinische Ketose bei Kühen?

Eine gesunde und stabile Kuh kann 20 bis 25 Prozent ihrer Milchleistung in den ersten 100 Laktationstagen energetisch aus ihren Körperreserven bilden. Sehr leistungsfähige Tiere sind in der Lage, bis zu 2 kg Körperfett am Tag über die Leber zu „verstoffwechseln“. Das sind bis zu 150 kg Gesamtfettabbau im ersten Laktationsdrittel! Die Energie hierfür liefern in der Leber gespeicherte Fettsäuren und die Fettsäuren und Umsetzungsprodukte des Körperfettabbaus (zum Beispiel ß-Hydroxybuttersäure). Der Körpermasseverlust darf in dieser Periode eine BCS-Einheit (zum Beispiel von 3,5 auf 2,5) beziehungsweise 10 mm Rückenspeckdicke (von 25 auf 15 mm) nicht übersteigen.

Nehmen die Tiere nicht ausreichend Energie auf, weil sie zu wenig Trockenmasse fressen und/oder die Energiekonzentration in der Ration zu gering ist, werden in recht kurzer Zeit hohe Mengen an Körperfett abgeschmolzen. Dessen Abbauprodukte (zum Beispiel ß-Hydroxybuttersäure, Azeton und Azetessigsäure) können nicht mehr vollständig abgebaut werden und reichern sich im Stoffwechsel an. In der Leber kehrt sich der Fettabbau (Lipolyse) um und es bildet sich aus den freien Fettsäuren und Glycerin Fett.

Die Folge ist die Fettleber. Sie belastet das Organ nicht nur, sondern schränkt es auch in seiner funktionellen Kapazität ein. Der Prozess kommt in Gang, wenn der Energiebedarf des Tiers um 15 Prozent unterschritten wird. Erste Merkmale einer subklinischen Ketose sind:

  • erhöhter Fettgehalt in der Leber, Leberschäden und erhöhte Leberenzyme im Blut,
  • erhöhte Ketonkörpergehalte, wie zum Beispiel ß-Hydroxybuttersäure und Azeton im Blut, in der Atemluft, im Harn und in der Milch,
  • Anstieg freier Fettsäuren im Blut um das Drei- bis Fünffache,
  • Anstieg des Fett-Eiweiß-Quotienten in der Milch auf über 1,5 bei einem ­Eiweißgehalt von unter 3,2 Prozent; ­erniedrigter Glukosegehalt im Blut.

Ab wann ist eine Ketose klinisch?

Kommen zur falschen Ration weitere Risikofaktoren wie bewegungsarme Haltung oder oxidativer beziehungsweise nitrosativer Stress hinzu, kann die subklinische Ketose in eine klinische übergehen. Sie erkennt man an folgenden Merkmalen:

  • drastisches Abfallen der Futteraufnahme und damit eine unzureichende ­Versorgung mit Energie, Nährstoffen, Mineralstoffen und Vitaminen,
  • erhöhter Fettgehalt in der Milch (im Allgemeinen über 5 Prozent),
  • Anstieg der somatischen Zellen und der Mastitisrate,
  • gehäuft auftretende Labmagenverlagerungen,
  • zunehmende Lahmheiten,
  • gestörter Zeitraum um die Geburt (Puerperium) und gestörte Fruchtbarkeit,
  • möglicherweise auch Gebärparese.

Wie kann ich eine Ketose bei Kühen verhindern?

Um subklinische und klinische Belastungen zu vermeiden, ist die Ration der Tiere im geburtsnahen Zeitraum entsprechend zu gestalten. Das heißt:

  • hohe Futteraufnahmen ermöglichen: Hochträchtige Kühe mit 650 bis 700 kg Lebendmasse sollten über 13 kg Trockensubstanz (TS) je Tier und Tag aufnehmen. Nach dem Kalben bis zum 60. Tag sind mindestens 20 kg TS je Tier und Tag anzustreben.
  • hochwertiges Futter anbieten: Trockenstehende und Kühe nach dem Kalben erhalten nur die besten Silagen.
  • für ausreichende Strukturwirksamkeit in der Ration sorgen: 2.800 g strukturwirksame Rohfaser beziehungsweise 3.000 g strukturwirksame saure Detergenzienfaser (ADF) je Tier und Tag,
  • die Bedarfsnormen auf Grundlage einer sachgemäß kalkulierten Ration mit aktuellen Attesten für die Silagen einhalten,
  • den Bedarf an Energie nicht als Energiekonzentration angeben (zum Beispiel 5,8 MJ NEL je kg TS). Hier wird die unterschiedliche Futteraufnahme nicht berücksichtigt. Daher ist es besser, mit Bedarfsangaben je Tier und Tag zu kalkulieren: von der sechsten bis zur vierten Woche vor dem Kalben: über 70 MJ NEL je Tier und Tag, ab der dritten Woche vor dem Kalben: über 75 MJ NEL je Tier und Tag und bis etwa zum 60. Tag nach dem Kalben 150 MJ NEL je Tier und Tag (abhängig von der Einsatzleistung). Die Werte gelten für 650 kg schwere Tiere. Je 50 kg Lebendmasseveränderung sind plus/minus 5 MJ NEL je Tier und Tag nötig.
  • die Gabe von pansengeschütztem Fett ist bei trockenstehenden Kühen nicht zu empfehlen. Bis mindestens zum 60. Tag nach dem Kalben sollte man auf den Einsatz aufgrund der blutzuckersenkenden beziehungsweise insulinresistenten Wirkung verzichten oder auf höchstens 200 g beschränken,
  • eine Stimulationstränke (Energietrunk) im Abkalbeprozess (Präparat in 20 l Wasser aufgelöst) hat sich bewährt und wird in der Mehrzahl der Betriebe angewandt.
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