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Praxistest

Ketosetest: Wer überzeugt in der Praxis?

Blutentnahme Ketosetest
am Samstag, 02.07.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

In Deutschlands Milchviehherden ist die subklinische Ketose keine Seltenheit. Sie verursacht tiefe Einschnitte im Betrieb und das, obwohl sie mit einfachen Mitteln frühzeitig erkannt werden kann. Welche Technik dazu nötig ist und wie sie im Praxistest abschneidet, lesen Sie hier.

Eine subklinische Ketose wirkt sich gravierend auf Gesundheit, Tierwohl und Leistungsfähigkeit Ihrer Herde aus. Sie verursacht hohe Kosten, nicht nur durch die Krankheit selbst. Auch Milchmengenverluste, weitere Folgekrankheiten und vorzeitige Abgänge können die Folge sein. Bis zu 50 Prozent aller frisch abgekalbten Kühe innerhalb der ersten 60 Tage nach der Kalbung sind betroffen und sorgen für tiefe Einschnitte. Deshalb ist es wichtig, die Ketose frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Zur Bestimmung der Gehalte von Ketonkörpern in Blut, Milch und Harn gibt es verschiedene Möglichkeiten im Labor und mit Schnelltests direkt auf dem Betrieb. Im Rahmen des Verbundprojekts „IndiKuh“, gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, haben Experten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und der Universität Göttingen vier Schnelltests für Harn, drei Schnelltests für Milch und vier Schnelltests für Blut getestet. Sie wollen bewerten, wie gut sich die subklinische Ketose mit Schnelltests direkt auf dem Betrieb bestimmen lässt.

Wer wurde getestet?

Ketosetest-Milch

Es wurden jeweils Blut, Harn und Milch von 100 frischlaktierenden (unter 40 Tage in Milch) Tieren mit durchschnittlich 20,1 Laktationstagen beprobt. Die durchschnittliche Anzahl der Laktationen lag bei 3,1. Bei den Handmessgeräten für Messungen im Blut handelte es sich um:

  • BHB-Check (TD, TaiDoc Technology Corporation, Taiwan)
  • Glucomen LX Plus (GLP, A. Menarini Diagnostics, Berlin, Deutschland)
  • WellionVet Belua, (WVB, Medtrust, Dresden, Deutschland)
  • Freestyle Precision Neo (FSP, Abbott GmbH & Co. KG, Wiesbaden, Deutschland)

Die untersuchten Harn-Schnelltests waren semiquantitative Farbumschlagtests, die den Gehalt an Acetoacetat im Harn in Stufen angeben. Im Versuch getestet wurden hierbei:

  • Ketostix (Bayer AG, Leverkusen, Deutschland)
  • Ketur-Test (Hoffmann-La Roche AG, Basel, Schweiz)
  • Combur 10 Test (Hoffmann-La Roche AG, Basel, Schweiz)
  • Medi-Test Combi 10 VET (Macherey-Nagel GmbH & Co. KG, Düren, Deutschland)

Die Milch-Schnelltests sind ebenfalls semiquantitative Farbumschlagtests:

  • KetoTest, auch bekannt als KetoLac (Elanco Deutschland GmbH, Bad Homburg, Deutschland)
  • PortaBHB-Check (PortaCheck, Inc., Moorestown, USA)
  • Servotest Vet (servoprax GmbH, Wiesbaden, Deutschland)

Und so wurde getestet: Je Probennahme wurden zusätzlich Blutproben im Labor analysiert. Der ermittelte ß-Hydroxybutyratgehalt diente als Referenzwert für die Bestimmung der subklinischen Ketose für alle drei Testsysteme. Als Grenzwert für die subklinische Ketose wurde hier ≥1,2 mmol/l Blut genutzt. Die Teststreifen der Handmessgeräte werden für die Analyse mit dem Blut befüllt. Der gemessene Wert kann nach einigen Sekunden vom Display abgelesen werden. Die Harn- und Milchteststreifen werden jeweils in die Proben eingetaucht und nach einer Minute konnte der Farbumschlag vom Teststreifen abgelesen werden.

Bewertet wurde die Qualität beziehungsweise die Genauigkeit der Messwerte, die die Geräte und Streifen auswerfen. Dazu wurden Sensitivität, (= Anteil richtig erkannter erkrankter Kühe aus allen erkrankten Kühen), Spezifität (= Anteil richtig erkannter gesunder Kühe aus allen gesunden Kühen) sowie die Falsch-Negativ-Rate (FNR = Anteil fälschlicherweise als gesund erkannter Kühe aus den erkrankten Kühen) und die Falsch-Positiv-Rate (FPR = Anteil fälschlicherweise als erkrankt erkannter Kühe aus allen gesunden Kühen) bestimmt. Zudem warf man einen Blick auf die technischen Daten und die praktische Handhabe der Tests.

Um die Ergebnisse zu optimieren, wurde über eine Grenzwertoptimierungskurve für jedes Gerät der Grenzwert bestimmt, der die besten Ergebnisse, das heißt eine hohe Sensitivität, gepaart mit einer möglichst niedrigen Falsch-Positiv-Rate, liefert. Eine niedrige Falsch-Negativ-Rate wurde angestrebt, selbst wenn die Falsch-Positiv-Rate dadurch anstieg, denn die Folgen einer nicht erkannten Erkrankung sind gesundheitlich und monetär deutlich gravierender als Behandlungen von Kühen, die eigentlich gesund sind.

Wie gut sind die Handmessgeräte?

Das Ergebnis der Studie ist, dass die Handmessgeräte für Blut die besten Ergebnisse liefern. Alle vier Geräte liefern gute bis sehr gute Ergebnisse. Der Glucomen LX Plus (GLP) wies jedoch bei der Handhabung als größte Schwierigkeit die Temperaturempfindlichkeit auf. Er arbeitete besonders bei niedrigen Temperaturen in den Wintermonaten nicht zuverlässig. Allerdings hatte auch der WellionVet Belua mit den niedrigen Temperaturen etwas Schwierigkeiten.

Bei allen Geräten war negativ zu bewerten, dass sie erst Fehlermeldungen anzeigten, nachdem der eingesteckte Teststreifen mit Blut befüllt wurde, wodurch er dann verworfen werden musste.

Der GLP schnitt zudem bei der Sensitivität nicht so gut ab wie die übrigen Geräte. Die Sensitivität und Spezifität der Blut-Schnelltests lagen aber generell überwiegend auf einem hohen Niveau von mehr als 80 Prozent (siehe Tabelle „Qualitätsparameter für Ketose-Testsysteme in Blut, Harn und Milch“). Drei der vier Blut-Handmessgeräte erreichten, mit für das jeweilige Gerät optimierten Grenzwerten, sogar bis zu 92 Prozent Sensitivität und mehr als 80 Prozent Spezifität.

Sehr stark profitierte der WellionVET Belua von optimierten Grenzwerten: Hier stieg die Sensitivität von 53 auf 90 Prozent an. Der Anteil der Tiere, die fälschlicherweise als negativ erkannt wurden (FNR), konnte dadurch von 47 Prozent drastisch reduziert werden auf nur 10 Prozent.

Punkten konnten der BHB-Check und der WellionVet Belua darüber hinaus mit ihrer technischen Ausstattung. Ihr beleuchtetes Display oder sogar eine Taschenlampe am Einschub für die Teststreifen macht sie besonders in dunkleren Ställen atraktiv (siehe Tabelle „Technische Daten und praktische Bewertung der digitalen Handmessgeräte“).

Die Preise im Handel sind sehr unterschiedlich – es lohnt sich, die Geräte und Teststreifen über den zuständigen Tierarzt zu beziehen.

Wie schneiden die Teststreifen ab?

Ebenso zu empfehlen sind die Harn-Teststreifen. Schwierig ist hier nur die Probengewinnung, wobei Routine für Mensch und Tier helfen kann. In ruhigen Herden müssen die Tiere zur Probengewinnung dann nicht mal zwingend fixiert werden. Bei den Harntests erreichten der Ketur-Test und der Medi-Test Combi 10 Vet in der Studie eine besonders hohe Sensitivität von mehr als 90 Prozent. Auch Ketostix und der Combur 10 Test kamen auf eine Sensitivität von 86 beziehungsweise 88 Prozent.

Die Milch-Teststreifen sind hingegen laut Studie nur eingeschränkt zu empfehlen. Die Sensitivität von rund 60 Prozent führte zu einem großen Anteil an Tieren, die fälschlicherweise als gesund eingestuft werden. Es fiel zudem auf, dass der Servotest Vet eine Sensitivitiät von 100 Prozent aufwies und eine Spezifität von nur 6 Prozent. Dies führte dazu, dass fast alle Tiere als erkrankt erkannt wurden.

Der Anteil fälschlicherweise als gesund erkannter Tiere (FPR) war beim KetoTest und beim PortaBHB-Check, bedingt durch die niedrige Sensitivität, mit rund 40 Prozent deutlich höher als bei den anderen Testsystemen. Hier würden viele Tiere, die erkrankt sind, nicht gefunden werden.

Die Praktikabilität ist bei Milch-Teststreifen am größten, da man die Tiere nicht extra fixieren muss und die Proben direkt im Melkstand entnommen werden können. Generell sind Schnelltests gut in den Betriebsablauf zu integrieren und aufgrund der hohen Inzidenz der subklinischen Ketose in deutschen Herden wird dringend zu einem Ketosemonitoring über Schnelltests geraten. (as)●

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