Login
Haltung und Mast

Kommentar: Wer zahlt für solchen Quark?

von , am
19.02.2014

Der WDR hat gestern in seiner Sendung Quarks & Co den Bericht "Die Kuh - das unbekannte Wesen" gesendet. Ein Beitrag, den dlz Chefredakteur Detlef Steinert nicht für gut heißen kann.

Detlef Steinert, Chefredakteur des dlz agrarmagazins © dlv
Der Kabarettist Vince Ebert hat einen Running Gag in seinem Programm: Er sei neben Angela Merkel und Oskar Lafontaine einer von drei Physikern in Deutschland, die ihr Geld mit Kabarett verdienen.
 
Seit gestern Abend sollte dem noch ein vierter Name hinzugefügt werden: Rangar Yogeshwar. Denn der Moderator der Sendung Quarks und Co. des Westdeutschen Rundfunks (WDR) ist ebenfalls studierter Physiker und hat mit seiner Sendung über Kühe einen - wenn auch misslungenen - satirischen Vogel abgeschossen.
 
Auf Einzelheiten der Sendung und der einzelnen Beiträge muss man an dieser Stelle wahrlich nicht eingehen. Der Gülle-Storm, der schon vor der Ausstrahlung der Sendung im Internet über die Macher des WDR-Formates hereinbrach, spricht Bände darüber, wie selektiv diese ans Werk gegangen sind.

Tendenziöse Berichterstattung

Nur ein Zitat des Moderators sticht besonders heraus, wenn es um den eingangs erwähnten Sachverhalt geht, Geld mit Kabarett zu verdienen. So äußert Yogeshwar an einer Stelle in Bezug auf die Verhältnisse in der deutschen Rinder- und Milchviehhaltung: "Es geht immer wieder um ökonomische Faktoren, und genau deswegen ändert sich so wenig."
 
Dreht man den Spieß um und richtet ihn auf die Verhältnisse des gebührenfinanzierten Rundfunks, möchte man ihm glatt Recht geben. An der tendenziösen, Fakten entweder gering schätzenden oder ausblendenen Art und Weise, über Landwirtschaft zu berichten, ändert sich anscheinend auch aus ökonomischen Faktoren - in diesem Fall gesichertes Sendergrundeinkommen via GEZ-Gebühren - reichlich wenig. Zwar gibt es laut Rundfunkstaatsvertrag einen Bildungsauftrag.
 
Aber Bildung durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk hat meines Erachtens etwas damit zu tun, Sachverhalte tatsächlich aus mehreren Richtungen auszuleuchten, damit sich Zuseher eine Meinung bilden kann - und zwar seine eigene und nicht die Meinung der Journalisten. Unbeschadet eines Rundfunkrates können der WDR und seine Redaktionen munter drauflosarbeiten.

Kabarett und Schein-Satire

Aber an der Stelle wäre schon ernsthaft zu hinterfragen, ob nicht hier stärker ökonomische Faktoren anzulegen wären statt ein "Wir machen uns die Welt so wie sie uns gefällt" hinzunehmen. Ich bin mir sicher, mehr Markt und weniger Subventionen wären kein Schaden.
 
Dann würde sich herausstellen, ob Moderator Rangar Yogeshwar und sein Team ihr Geld tatsächlich mit Kabarett und Schein-Satire verdienen könnten - wie Vince Ebert, der sich laufend mit seinem Programm beim zahlenden Publikum behaupten muss, wie Angela Merkel, die sich zumindest immer wieder mit ihrer Partei in Wahlen Volkes Stimme stellen muss oder Oskar Lafontaine, der sich laufend interessant halten muss, um immer wieder als Redner gebucht zu werden - oder ob diese ohne Zwangsalimentierung durch GEZ-Gebühren einfach vom Meinungs-Markt verschwinden würden.
Auch interessant