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Milchproduktion

Kommunikation in der Milchbranche soll sich verbessern

von , am
08.09.2014

Werl - Das Konsumverhalten am Milchmarkt ändert sich - um dem zu begegnen, fordert die Landesvereinigung Milch in Nordrhein-Westfalen eine bessere Kommunikation der Milchbranche.

Milchglas steht auf Wiese
Die Verwertung der Milch über Butter und Magermilchpulver ist wieder unter 40 Cent gafallen. © ursule/fotolia.com
Trotz der augenblicklichen Probleme im Russlandexport nimmt die weltweite Nachfrage nach hochwertigen Milch- und Milcherzeugnissen aus Deutschland weiter zu, während die heimische Produktion von den Verbrauchern vor Ort zunehmend kritischer betrachtet wird.
 
Auf diese Diskrepanz hat der westfälische Vorsitzende der Landesvereinigung der Milchwirtschaft in Nordrhein-Westfalen, Wilhelm Brüggemeier, beim "Forum Milch NRW" am vergangenen Donnerstag (4.9.) in Werl hingewiesen. Bei der von der Landesvereinigung organisierten Veranstaltung unter dem Motto "Der Markt: Veränderungen auf allen Ebenen - Verbraucher von morgen; Unternehmen im Wandel; Kommunikation der Zukunft" machte Brüggemeier klar, dass unterschiedliche Perspektiven und Ansichten zur Milchbranche ernst zu nehmen und von der gesamten Wertschöpfungskette in einem Kommunikationsprozess zu beantworten seien.

Auf gesellschaftliche Anforderungen reagieren

Auch Referatsleiter Hans Leser vom Düsseldorfer Landwirtschaftsministerium riet der Branche, sich intensiv mit aktuellen Themen und Fragen auseinanderzusetzen und nach Antworten zu suchen. Neben der Stärkung der Marktposition der Milcherzeuger seien für sein Haus Fragen des Umwelt- und Tierschutzes sowie Regionalität wichtige Themen, die diskutiert werden müssten.
 
Der Aufsichtsratsvorsitzende der Royal Friesland Campina, Piet Boer, betonte, dass sein Unternehmen mit fast 20.000 Milcherzeugern immer auf gesellschaftliche Anforderungen reagieren müsse. Dabei sei es wichtig und richtig, das Thema Nachhaltigkeit mit der natürlichen Nahrungsquelle Milch zu verbinden. Das Aufgreifen von traditionellen Werten in Kombination mit moderner und nachhaltiger Innovationskraft sei ein Schlüssel der eigenen Unternehmensstrategie.

Wertewandel beim Verbraucher

Beim Einkaufs- und Konsumverhalten spielen Werte für den Verbraucher nach Angaben des Konsumforschers Dietmar Pech-Lopatta eine zunehmend wichtige Rolle. Es werde immer stärker versucht, "moralisch ethischen Konsum" umzusetzen, allerdings immer einhergehend mit Genuss, Ästhetik und Lifestyle. "Gute Zeiten für Bio, Regionalkonzepte und Fair Trade, gerne auch laktosefrei", charakterisierte Pech-Lopatta den gegenwärtigen Trend. Um die Zielgruppen der Zukunft anzusprechen, müssten mehrdimensionale Ansätze zur Anwendung gelangen, denn der Kunde von morgen verlange vermeintlich Unvereinbares: Genuss und Verantwortung, Heimat und Internationalität, soziale Verantwortung und Inszenierung.
 
Mit Blick auf eine gelungene Branchenkommunikation stellte Brigitte Fuchs von der Marketingagentur Scholz&Friends klar, dass Aussitzen und Ignorieren von gesellschaftlichen und medial-kritischen Themen keine gute Lösung im Zeitalter des mündigen Konsumenten sei. Unternehmen sollten stattdessen selbstbewusst, aber auch selbstkritisch Stellung beziehen und sich gesellschaftlichen Diskussionen stellen. Sie empfahl der Milchbranche stärker aktiv zu werden, da sie ansonsten die Meinungshoheit über ihr Produkt zu verlieren drohe.

Marktreport: Spotmarktpreise für Rohmilch kräftig gefallen (27. Aug.)

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