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Milchproduktion

'Wir sind vom Kompromiss zum Milchpaket enttäuscht'

von , am
22.01.2012

Berlin - BDM und EMB haben am Donnerstag auf der Grünen Woche ihre Positionen zum Milchmarkt dargelegt. Das aufgelegte Milchpaket der EU sei zwar nett gemeint, erfülle seinen Zweck aber nicht.

'Der Ansatz des Milchpaketes ist zwar ehrenwert, aber nicht ausreichend', kritisierte Romuald Schaber (li) auf der Pressekonferenz des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter. © vm
Anfang Dezember des vergangenen Jahres haben sich das EU-Parlament und die EU-Mitgliedsstaaten auf das so genannte Milchpaket geeinigt (agrarheute.com: Milchlieferverträge sollen freiwillig bleiben). Sowohl der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) als auch das European Milk Board (EMB) gestanden dem Kompromiss auf ihren Pressekonferenzen zwar positive Ansätze zu, kritisierten jedoch, dass die Maßnahmen nicht weit genug gingen.

BDM: Enttäuschung über Milchpaket

"Wir haben es 2011 besser gehabt als 2010 und 2010 besser als 2009. Dennoch besteht weiterhin großer Handlungsbedarf", eröffnete Pressesprecher Hans Foldenauer die Pressekonferenz des BDM. Angesichts eines Milchpreisniveaus von 35 Cent/kg in 2011 seien Milcherzeuger trotz gestiegener Milchpreise aufgrund der teureren Betriebsmittel weit von einer Vollkostendeckung entfernt.
 
"Der Ansatz des Milchpaketes ist zwar ehrenwert aber nicht ausreichend", kritisierte Romuald Schaber, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter. In Zukunft müsse jedoch nicht mehr nur der Brand gelöscht, sondern verhindert werden, dass das Haus in Brand gerät. "Unser Ziel ist es, vollkostendeckende Milchpreise für die Erzeuger zu erreichen."
 
Peter Guhl, Vorstandsvorsitzender der MEG Milch Board, äußerste ebenfalls seine Enttäuschung vom Milchpaket. Er forderte, die Möglichkeiten des bestehenden Marktstrukturgesetzes besser umzusetzen, statt über Änderungen daran zu diskutieren. "Wir brauchen eine Zwischenorganisation", so Guhl. Denn Interessen von Molkerei und Genossenschaft seien nicht immer deckungsgleich.

EMB: Lehren aus der Finanzkrise für den Milchmarkt

"Wenn es künftig in Europa keine einheitlichen Regeln gibt, haben wir die gleichen Folgen wie in der Finanzkrise - der Bürger zahlt die Zeche", sagte Landwirte Erwin Schöpkes, Landwirt und Delegierter der MIG im EMB-Vorstand. Bei der Pressekonferenz des European Milk Board. Das Thema: Lehren aus der Finanzkrise für den Milchmarkt. Das EMB fordert, dass "sowohl Genossenschaftsmitglieder als auch Erzeuger, die zu privaten Molkereien liefern, die Möglichkeit haben, einer Erzeugerorganisation beizutreten, die für sie gebündelt verhandelt". Dadurch könne die Verhandlungsposition gegenüber den Vermarktern gestärkt werden. Außerdem solle eine Monitoringstelle installiert werden in der, so die Forderung Sieta van Keimpemas, Vizepräsidentin des EMB, aktuelle und keine mehrere Jahre alten Daten analysiert würden. Mit Hilfe der erfassten Daten solle ein flexibles Gleichgewicht zwischen produzierter Milchmenge, Preis und Nachfrage geschaffen werden.

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