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Haltung und Mast

Kosten sparen in der Bullenmast

von , am
08.12.2009

In der Bullenmast ist neben einer hohen Energiekonzentration eine bedarfsgerechte Proteinversorgung Voraussetzung für hohe Mastleistungen. Sojaschrot ist zwar ein hochwertiges Eiweißfuttermittel, muss aber nicht zwingend in der Ration vorhanden sein.

© agrarfoto.com

Wegen der hohen Sojaschrotpreise denken Landwirte verstärkt über andere Proteinkomponenten nach.

Rapsschrot ist gegenwärtig deutlich preisgünstiger als Sojaschrot. So kostet ein Kilo Protein aus Rapsschrot über 30 Prozent weniger als aus Sojaschrot. Wird der niedrigere Energiegehalt von Rapsschrot mit berücksichtigt, dürfte bei einem Sojaschrotpreis von 30 €/dt das Rapsschrot etwa 24 €/dt kosten, um wettbewerbsfähig zu sein.

 

Versuche: Rapsschrot kann Sojaschrot ersetzen

In der jetzigen Marktsituation ist folglich noch ausreichend Spielraum nach oben vorhanden, so Andrea Meyer von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Versuche belegen, dass Rapsschrot in der Wiederkäuerfütterung Sojaschrot vollständig ersetzen kann. Als mögliche Eiweißfuttermittel kommen auch Körnerleguminosen in Frage, wobei die Verfügbarkeit von Erbsen, Lupinen oder Bohnen am Markt aber sehr begrenzt ist. Beim Einsatz ist der deutlich niedrigere Proteingehalt im Vergleich zu Sojaschrot zu berücksichtigen.

Alternative: Einsatz von Futterharnstoff

Weiterhin kann der Einsatz von Futterharnstoff in der Bullenmast in Betracht kommen. Er liefert Stickstoff für die Pansenbakterien und zählt zu den NPN-Verbindungen (Nicht-Protein-Stickstoff). Er enthält 460 Gramm Stickstoff pro Kilo, was einer Rohproteinmenge von 2.875 g entspricht. Außer Stickstoff ist weiter nichts enthalten. Sinnvoll ist die Verwendung von Futterharnstoff ausschließlich in eiweißarmen und energiereichen Rationen (z. B. Maisrationen).

Allgemein betragen die Einsatzmengen etwa 15 Gramm je 100 Kilo Lebendgewicht (kg LG) oder 0,5 Prozent in der Trockenmasse der Gesamtration. In der Bullenmast wird die Verfütterung von Harnstoff frühestens ab 250 Kilo Lebendgewicht empfohlen. Die Verträglichkeitsgrenze liegt bei ca. 20 bis 25 Gramm je 100 Kilo Lebendgewicht, schon 50 Gramm je 100 kg LG können unter bestimmten Bedingungen tödlich sein.

Dosierung: Genau auf die Mengen achten

Überdosierungen können zu hoher Ammoniakbildung (Leberbelastung) führen, während Unterdosierungen Eiweißmangel in der Ration hervorrufen können. Mit 20 Gramm Harnstoff je 100 kg LG könnten bei einem 600 kg Bullen 345 g Rohprotein (etwa 1 kg Rapsschrot) ausgeglichen und dadurch ca. neun bis zehn Cent/Tag eingespart werden. Beim Einsatz von Futterharnstoff sind ein exaktes Dosieren und gleichmäßiges Durchmischen der Ration unbedingt erforderlich. Ratsam ist die Verwendung eines Futtermischwagens oder das Einmischen ins Kraftfutter.

Harnstoff: Bullen allmählich anfüttern

Die Bullen sollen sich langsam an den Harnstoff gewöhnen, d. h. ein allmähliches Anfüttern über ein bis zwei Wochen ist empfehlenswert. Üblicherweise wird geprillter Futterharnstoff als Sackware geliefert. Er muss trocken und für Tiere unzugänglich gelagert werden. Da Futterharnstoff seit einiger Zeit kein Einzelfutter mehr ist, sondern zu den Futtermittelzusatzstoffen gehört, muss der Landwirt den Einsatz dokumentieren. (HACCP-Konzept).

Futtermittelzusatzstoff: Landwirt muss Einsatz dokumentieren

Rationsberechnungen und Mischanweisungen müssen auf dem Betrieb vorliegen. So verlangt es die Futtermittelhygiene-Verordnung. Die Dokumentation und das Protokoll zum Harnstoffeinsatz sind im "Merkblatt für den Einsatz von Futtermittel-Zusatzstoffen im landwirtschaftlichen Betrieb, Teil 2: Harnstoff und seine Derivate" enthalten (www.lwk-niedersachsen.de, Rubrik Tier/Fütterung Rind). Abschließend ist darauf hinzuweisen, dass Futterharnstoff nur an Wiederkäuer ab Beginn des Wiederkauens verfüttert werden darf. Der Einsatz von Düngerharnstoff in der Fütterung ist verboten. (pd)

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