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Milchproduktion

Kroatien: Ein Land mit schwächelnder Milchwirtschaft

von , am
29.06.2013

Zagreb - Am Montag wird Kroatien als 28. Mitgliedsland der Europäischen Union beitreten. Wie der gesamte Agrarsektor ist auch die Milchwirtschaft kleinstrukturiert. Im Schnitt hält ein Bauer sechs Kühe.

Im Schnitt hält ein kroatischer Milchbauer sechs Kühe. © Mühlhausen/landpixel
Die Milchwirtschaft in Kroatien ist sehr kleinstrukturiert, für Landwirte gibt es kaum funktionierende Verbände, daher ist es für sie schwierig, Informationen aus unabhängigen Quellen zu erhalten.
 
Die kroatische Milchproduktion war im ersten Quartal 2013 deutlich rückläufig, wie aus einer Erhebung der Agrarmarkt Austria hervorgeht. Kroatien stellte 2003 einen Antrag auf Mitgliedschaft in der Union. Von 2005 bis 2011 fanden die Beitrittsverhandlungen statt. Am 9. Dezember 2011 unterzeichneten Vertreter der EU und Kroatiens den Beitrittsvertrag. Nach dessen Ratifizierung wird das Land nunmehr EU-Mitglied.
 
Kroatien weist eine Gesamtfläche von 56.536 Quadratkilometer auf und hat rund 4,5 Millionen Einwohner. Die landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt 12.010 Quadratkilometer, wobei im Schnitt nur 2,4 Hektar (ha) pro Betrieb bewirtschaftet werden.

Klein strukturierte Milchwirtschaft

Auch Kroatiens Milchlandschaft ist sehr kleinstrukturiert: Rund 4.500 Milcherzeuger halten durchschnittlich sechs Kühe. Viele Höfe sind überschuldet, sodass sich die Zahl der viehhaltenden Betriebe deutlich verringert. Gleichzeitig konnte jedoch in den vergangenen Jahren die Produktion sowie auch die Qualität der Milch erhöht werden.
Die kroatische Milchanlieferung beläuft sich auf etwa 0,6 Millionen Tonnen (Mio. t) jährlich. Damit wird sich das Milchaufkommen in der EU lediglich um etwa 0,4 Prozent (%) erhöhen, teilt die ZMB (Zentrale Milchmarkt Berichterstattung in Berlin) mit. Mehr als die Hälfte des Rohstoffaufkommens wird von rund 40 Molkereien zu Produkten des weißen Sortiments, vor allem zu Konsummilch, verarbeitet. Aus der restlichen Rohmilch wird überwiegend Käse und Butter hergestellt, Milchpulver spielt in Kroatien keine Rolle.
 
Einer der führenden Milchverarbeiter im Land ist Dukat, das Unternehmen gehört zur französischen Lactalis-Gruppe. Aufgrund der vielen kleinen Höfe, von denen die Milch abgeholt werden muss, haben die Molkereien mit Logistikproblemen und hohen Kosten zu kämpfen.

Milchmarkt schrumpft, Käseproduktion ausgedehnt

2012 ist der Milchmarkt in dem Balkanland geschrumpft. Diese Entwicklung hat sich laut Daten von Eurostat in den ersten drei Monaten von 2013 mit einem Rückgang der Milchanlieferung um 17 % im Tagesdurchschnitt verstärkt. Gleichzeitig wurde die Käseproduktion ausgedehnt, während die Herstellung von Konsummilch eingeschränkt wurde.
 
In Kroatien werden zirka 78 % der Milch für den Inlandsmarkt produziert. Das Land bezieht auch gewisse Mengen an Molkereiprodukten von der EU. Vor allem Käse, Konsummilch und Frischeprodukte werden importiert. Anfang 2013 waren die EU-Exporte von Käse nach Kroatien zunächst rückläufig, während die Lieferungen von Butter und Vollmilchpulver erhöht werden konnten. Die EU bezog im Jahr 2012 insgesamt Nahrungsmittel im Wert von 780 Millionen Euro aus Kroatien und lieferte gleichzeitig derartige Waren um rund 1,4 Milliarden Euro.
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