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Interview

Kuh wahrscheinlich vom Wolf gerissen: Das sagt der Landwirt

Tote Kuh und Wolfsspur
am Freitag, 28.05.2021 - 14:40 (4 Kommentare)

Familie Hempen fand am 26. Mai eine ihrer trächtigen Kühe tot und mit erheblichen Verletzungen auf der Weide. Die Spuren verweisen auf den Wolf als Verursacher. Die DNA-Analyse ist noch nicht abgeschlossen. agrarheute hat mit dem betroffenen Landwirt Johannes Hempen über den Vorfall gesprochen.

Als Familie Hempen am Morgen des 26. Mai eine ihrer Kühe tot auf einer Weide dicht beim Wohnhaus vorfand, saß der Schock tief. Das Tier wies erhebliche Biss- und Rissverletzungen auf. Spuren im weichen Boden verstärkten den Verdacht: Es waren ein oder mehrere Wölfe, die die rund 800 kg schwere, hochtragende Kuh getötet und zum Teil gefressen hatten.

Ein hinzugezogener Wolfsberater sicherte Spuren. Bis zum Ergebnis der DNA-Analyse ist der Wolfsriss zunächst nur ein Verdachtsfall, doch das reicht, um die Landwirtsfamilie und ihre Nachbarn massiv zu beunruhigen. Das Gebiet ist ein bekanntes Wolfsterritorium.

agrarheute hat am 27. Mai, einen Tag nach dem Vorfall, mit Johannes Hempen gesprochen.

Kommen Wolfssichtungen in ihrem Gebiet häufiger vor?

Mittlerweile ja. Vor vier Wochen ist mir ein Wolf beim Düngerstreuen nicht mehr von der Seite gewichen. Das zeigt doch, wie wenig Scheu die Tiere mittlerweile haben.

Wann haben Sie den Übergriff bemerkt und wie ging es danach weiter?

Wir haben von dem Übergriff selbst nichts mitbekommen, meine Eltern haben die tote Kuh am Morgen gefunden. Ich habe nach dem Vorfall einen Jäger hinzugezogen und anschließend den Wolfsberater informiert. Der hat eine DNA Probe genommen.

Wie lange dauert es, bis die Ergebnisse der DNA-Analyse vorliegen?

Der Wolfsberater hat mir einen Zeitraum von ungefähr 10 bis 14 Tagen genannt. In Einzelfällen kann es aber auch drei Wochen dauern.

Was ist ihrer Meinung nach das größte Problem mit den Wölfen in ihrer Region?

Ich denke, das größte Problem ist, dass die Wölfe komplett die Scheu vor den Menschen verloren haben. Die Weide, auf der die Kuh getötet wurde, ist gerade einmal 20 m vom Wohnhaus entfernt. Ich mache mir einfach Sorgen um meine Familie und meine Tiere.

Wie geht es nach dem Vorfall auf ihrem Betrieb weiter?

Wir haben immer gerne Tiere auf der Weide gehalten, allerdings ist das aus meiner Sicht jetzt erstmal nicht mehr möglich. Die Tiere sind einfach nicht gut genug geschützt. Es geht dabei nicht nur um die Wolfsrisse an sich. Wir Landwirte wissen, was passiert, wenn Rinder in Panik verfallen. Da kann ein deutlich größerer Schaden entstehen, wenn sie beispielsweise in Panik auf eine Straße laufen. Das ist ein großes Risiko für uns und andere.

Das Interview führte Ylsabe-Friederike Rawe für agrarheute.

Selten, aber nicht der erste Fall von Großtierübergriff

Wenn sich der Wolfsriss bestätigt, bedeutet das in der Region um Wippingen, südlich von Papenburg in Niedersachsen, eine deutliche Eskalation der Lage. Großtierrisse kamen dort bislang nicht vor. Ein Novum wäre es dennoch nicht. "Es gab in Gesamtniedersachsen bereits mehrere nachweislich Wölfen zuzuordnende Angriffe auf ausgewachsene Rinder und Pferde", sagt Stefan Nilles vom Wolfsbüro Niedersachsen. "Wir beobachten diese Fälle besonders genau."

In Niedersachsen steigt die Anzahl ansässiger Wölfe deutschlandweit am schnellsten. Um knapp 60 Prozent nahm der Bestand im vergangenen Erfassungsjahr zu. Noch schneller steigt die Anzahl der Übergriffe auf Weidetiere. Und immer öfter sind auch (bislang meist junge) Großtiere wie Rinder und Pferde betroffen.

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