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Studie

Kuhgebundene Kälberaufzucht: Zukunft der Milchviehhaltung?

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am Dienstag, 07.09.2021 - 09:00 (Jetzt kommentieren)

Kuh und Kalb nach der Geburt nicht sofort trennen. Diese Vorgehensweise ist in der kuhgebundenen Kälberaufzucht Pflicht. Doch wie zukunftsfähig ist dieses Modell überhaupt? Eine Studie von BMEL und Thünen-Institut soll das Potenzial aufzeigen.

Kuh und Kalb vereint auf der grünen Wiese- das ist die Wunschvorstellung mancher Verbraucher. Doch der Weg in die kuhgebundene Kälberhaltung ist zurzeit noch nicht so leicht. Das zeigt jetzt auch die Studie „Mehr als eine Nische: Produkte aus kuhgebundener Kälberaufzucht“, die aus einem Projekt des Thünen-Institut für ökologischen Landbau hervorgegangen ist.

Neben potenziellen Vermarktungswegen und innovativen Milchviehbetrieben zeigt dieses Projekt auch, dass zum Beispiel die Frage nach dem geeigneten Endverbraucher noch nicht geklärt ist. Neben Milchviehhaltern, Verbrauchern und Supermarktbesitzern wurden auch große und kleine Molkereien nach ihrem Standpunkt gefragt. Von rund 80 identifizierten Betrieben mit kuhgebundener Kälberaufzucht nahmen rund 60 Leitungspersonen teil. Bei den Molkereien waren es hingegen nur 32 führende Personen aus 96 Betrieben.

Welchen Nutzen verspricht sich das Thünen-Institut von der Studie?

Neben dem möglichen Potenzial einer Haltungsform, bei der das Kalb nicht sofort nach der Geburt von der Mutter getrennt wird, soll die Studie auch Aufschluss über weitere Punkte im Hinblick auf die Aufzuchtform geben:

  • Einblick in die Praxis praktizierender Betrieben,
  • Mögliche Vermarktungswege und Erlössituationen,
  • Chancen und Risiken bei der Zusammenarbeit mit Mastbetrieben,
  • Offenheit der Molkereien und Einzelhändler beim Vermarkten der Produkte,
  • Verbrauchergruppen, die bereit sind das Mehr an Tierwohl auch zu bezahlen.

Welchen Unterschied gibt es bei kuh- und muttergebundener Aufzucht?

Unabhängig vom System verbeleiben die Kälber im Schnitt gut 2 bis 14 Tage bei der Mutter. Je nachdem, ob der Betrieb die Kälber mit aufzieht oder sie direkt nach 14 Tagen verkauft, endet die Aufzuchtdauer an der Kuh nach drei Wochen bis 9 Monaten. Eine durchschnittliche Kontaktdauer ist in der Studie nicht angegeben. Sie variiert je nach Betrieb zwischen einer Stunde und dem ganzen Tag. Grundsätzlich lässt sich die kuhgebundene Kälberaufzucht in zwei Bereiche einteilen:

  • ammengebundene Aufzucht: Bei dieser Form zieht die Kuh mehr als ein Kalb auf. Das eigene Kalb muss nicht dabei sein.
  • muttergebundene Aufzucht: Das Kalb hat Kontakt zu seiner eignen Mutter und wird auch von dieser mit Milch versorgt. Andere Kälber versorgt die Kuh nicht mit.

Welche Probleme wurden während der Studie sichtbar?

Die Befragung der Landwirte, Molkereien und Verbraucher hat neben positiven Erkenntnissen auch einige Probleme aufgezeigt. Neben guten und stabilen Vermarktungswegen muss man im Vorfeld auch klären, wie viel die Verbraucher für einen Liter Milch an der Ladentheke ausgeben würden. Zwar wären die befragten Verbraucher in der Studie bereit, im Mittel 1,59 Euro für einen Liter zu bezahlen, ob der Kauf am Ende aber tatsächlich stattfindet ist eine andere Frage. Zudem müssten Molkereien und Vermarkter den Mehraufwand mit einem eigenen Siegel klar kennzeichnen und ihn damit von anderen Labeln wie Weidemilch oder Biomilch abheben. Landwirte wiesen außerdem auf folgende Probleme hin:

  • Landwirte sind auf gute Partner beim Vermarkten von Milch und Fleisch angewiesen. Vor allem, weil die direkte Vermarktung und die Kommunikation an die Verbraucher sehr zeitintensiv ist.
  • Die Milch muss sich von bereits vorhandenen Milchsorten wie Heumilch, Weidemilch, Biomilch oder regionaler Milch abheben.
  • Molkereien müssten die Milch seperat sammeln und verarbeiten. Sie empfinden das System daher oft noch als zu unattraktiv.

Welche weiteren Fragen sind während des Projekts aufgekommen?

Neben Aussagen über sinnvolle Vermarktungswege für Milch und Fleisch aus der kuhgebundenen Kälberhaltung haben sich weitere Fragen ergeben. Der Fokus liegt dabei vor allem beim Verbraucher:

  • Steigert sich die Nachfrage und das Interesse an Produkten aus den kuhgebundenen Systemen durch das Ablehenen der Kuh-Kalb-Trennung?
  • Wie hoch ist die Zahlbereitschaft für Produkte aus kuhgebundener Kälberaufzucht?
  • Wie hoch sind die kosten für die Landwirte?
  • Wie kann man höhere Kosten entlohnen?
  • Verstehen die Verbraucher die Haltungskriterien?

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