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Neue App im Test

Kuhhandel per App: Eine Landwirtin berichtet

agrabiz-team
am Freitag, 29.01.2021 - 08:00 (Jetzt kommentieren)

Die neue App Agrabiz soll Landwirten die Vermarktung von Nutz- und Schlachtvieh erleichtern. Milchviehhalterin Daniela Dippel aus Hundshausen in Hessen hat die Technik für uns getestet.

Die App richtet sich an Landwirte, Schlachthöfe, Händler, Speditionen und Veterinärämter. Ihr Ziel: Den Datenaustausch entlang der Handelskette „Rind“ erleichtern. Nach über drei Jahren Entwicklung ist die App jetzt marktreif. Sie ist die erste Plattform für den digitalen Viehhandel.

„Agrabiz vernetzt alle Handelspartner und versorgt Landwirte mit den wichtigsten Grundfunktionen zur Bestandsverwaltung“, sagt Henrik Rehse, Gesamtprojektleiter von Agrabiz. Die App reduziere den Verwaltungs- und Dokumentationsaufwand.

Was bietet die App Agrabiz?

Bestandsliste von Vieh in der App Agrarbiz mit Filter Ohrmarke

Das können Landwirte mit der App machen:

  • Details zum Viehbestand ansehen
  • Ohrmarken per App einscannen
  • Arzneimittel verwalten
  • Käufe und Verkäufe von Vieh abwickeln
  • Lieferscheine erstellen
  • Viehbestand aus der HIT-Datenbank anzeigen lassen

Händler können mit der App Touren planen und digital signierte Lieferpapiere und Standarderklärungen erstellen. Auch bietet Agrabiz eine Übersicht über alle Käufe, Verkäufe, aktiven und vergangenen Touren. Sie sind jederzeit über die App abrufbar.

Für Schlachthöfe bietet die App einen schnelleren Zugriff auf Lieferpapiere oder Rinderpässe. Sie haben eine zentrale Tageseinkaufsübersicht und können gezielt Vieh nach Rasse oder Qualitätsprogramm kaufen. Auch können sie Qualitätszertifikate aller Lieferanten digital einsehen.

Wie meldet man sich bei der App Agrabiz an?

Oberfläche der Funktionen in der App Agrarbiz

Landwirte können die App aus dem Apple Store oder dem Google Play Store downloaden. Es ist keine zusätzliche Hardware notwendig.

Die App funktioniert auf den folgenden Geräten:

  • iPhones und iPads ab iOS Version 10.3 oder höher
  • Android Smartphones und Tablets ab Version 4.3 oder höher
  • Web-Browser (empfohlen: Google Chrome, Firefox)

Als nächstes registriert man sich mit der Betriebsnummer und der HI-Tier-PIN. Nach dem Login wählen die Nutzer ihre Betriebsart, prüfen die Firmendaten und hinterlegen ihre Signatur. Im letzten Schritt können Sie Ihr Profil vervollständigen und die Kontaktdaten Ihrer Handelspartner hinzufügen.

Auf Agrabiz können Sie sich unter https://www.agrabiz.de/register/ anmelden.

Ist die App Agrabiz kostenlos?

Der Grundpreis für Händler liegt bei 49,99 € netto im Monat und beinhaltet ein Kontingent von 250 Tierverkäufen monatlich. „Darüber hinaus zahlt der Händler für jedes weitere verkaufte Tier 0,20 €“, sagt Henrik Rehse.

Für Schlachthöfe gebe es bislang kein festes Preismodell. Je nach Größe, Auslastung und Mitarbeiterzahl werden die Kosten individuell verhandelt.

Landwirte können die App 30 Tage lang kostenlos testen. „Danach kostet die Nutzung der App 99 Euro im Jahr“, sagt Daniela Dippel. Die Landwirtin hat Agrabiz drei Wochen lang für die agrarheute Redaktion getestet. Die 24-jährige hält 160 Milchkühe in Hundshausen in Hessen.

Das sagt Landwirtin Daniela Dippel zur App Agrabiz

Landwirtin Daniela Dippel

„Die App lässt sich einfach bedienen“, sagt sie. „Ich habe sie hauptsächlich über das Smartphone genutzt.“ Besonders praktisch sei, dass man alle Daten auf der App und damit gleich zur Hand habe. „Wenn man ein Rind behandeln muss, hat man den Medikamentenplan gleich zur Hand“, sagt sie.

Ein weiterer Vorteil: „Mit dem Verkauf einer Färse wird das Tier direkt in der HIT-Datenbank abgemeldet.“ Auch kann man alle Händler, sofern sie die App nutzen, speichern und kontaktieren. Außerdem verwaltet die App Qualitätsmerkmale, wie QM, QS und GVO-Frei.

Daniela Dippel: „App hat Verbesserungspotenzial“

Die App hat allerdings auch noch Verbesserungspotenziale. „Beim Einscannen der Ohrmarke muss das Tier unbedingt stillstehen, sonst erkennt es die App nicht gleich“, sagt sie. „Das Erkennen kann da schon eine Weile dauern.“ Auch sei Agrabiz bislang weniger für Milchviehbetriebe geeignet.

„Es fehlt alles rund um die Themen Kalbung, MLP-Daten und Besamung. Man kann keine Kuh erfassen, die gerade gekalbt hat.“ Auch Kühe, die nachrindern, Trächtigskeitsuntersuchungen und der Einsatz von Trockensteller könnten nicht dokumentiert werden.

Agrabiz: „Wir sind keine Herdenmanagement-App“

landwirt-im-kuhstall

Henrik Rehse sagt dazu: „Die App eignet sich generell für jeden Landwirt, egal ob Mäster oder Milchviehhalter. Aktuell bringt sie Bullen- und Färsenmäster einen höheren Mehrwert, da die App vor allem für die Vermarktung von Nutztieren und Schlachtvieh gedacht ist.“

Aber auch Milchbauern bringe die App Agrabiz Vorteile. „In Kürze werden wir ein spezialisiertes Angebot für Milchviehhalter erarbeiten, um die App auch für Betriebe mit weniger Viehumschlägen noch attraktiver zu machen“, sagt der Gesamtprojektleiter.

Eins müsse klar sein: „Agrabiz ist keine Herdenmanagement-App, sondern setzt den Fokus auf die Viehvermarktung“, sagt er. Bislang nutzen rund 1.000 landwirtschaftliche Betriebe, 10 bis 15 Händler und zwei Schlachthöfe – in Traunstein und München - die App.

Mit Material von Agrabiz

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