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Aufreger

Kuhyoga auf der Weide: Die neue Art zu relaxen?

Eine Kuh grast neben den Teilnehmerinnen eines Yogakurses
am Dienstag, 04.08.2020 - 09:00 (Jetzt kommentieren)

Die Heesfelder Mühle in Halver bietet Yoga mit Kühen auf der Weide an. Die Tiere sollen entspannend wirken. Toll, sagen die einen. Gefährlich für Mensch und Tier, finden die anderen.

Es gibt nichts, was es nicht gibt. So bietet eine Mühle in Halver Yoga mit Kühen an. Das heißt, die Yogis und Yoginis machen Sonnengruß und „heraufschauenden Hund“ zwischen Kühen und Kuhfladen. Das Ziel: Die friedlich grasenden Kühe sollen entspannend wirken.

Ein Yogalehrer, der sowas anbietet, ist Olaf Zander aus Lüdenscheid. Während des Yogakurs achtet eine Mitarbeiterin der Mühle darauf, dass sich Mensch und Tier wohl fühlen. „Man sollte aufpassen, dass man die Rinder nicht erschreckt“, sagt Theresa Schabo im WDR-Podcast.

Also kein plötzliches Aufspringen oder wildes durch die Gegend rennen à la Kukalika-Challenge. Bei den Teilnehmern der Yogastunde kommen die Rinder gut an. „Die sind süß“, sagt eine Frau. Bei manchen Landwirten kommt die Aktion weniger gut an.

Wer zahlt, wenn beim Kuhyoga etwas passiert?

Kühe schauen Teilnehmern eines Yogakurs zu

So berichtet eine Landwirtin der agrarheute-Redaktion, dass sie der WDR-Beitrag erschreckt habe. Dort seien Kühe als lieb, nett und entspannend dargestellt worden. Das sei aber nicht immer der Fall.

„Ich möchte mir nicht vorstellen, was passiert, wenn Leute auf den Almen auf die Idee kämen neben Kühen ihre Yogamatte auszupacken und dann die Kühe erschrecken, wenn sie komische Verrenkungen machen“, schreibt sie.

„Oder was passiert, wenn jemand den Sonnengruß macht und ein schweres Rind ihn über den Haufen rennt, weil es sich angegriffen fühlt oder überrascht ist? Wer ist dann schuld? Muss das der Bauer verantworten?"

Und eine andere Bäuerin kommentiert: "Ich halte gar nichts von Kuhyoga. Ich kämpfe seit Jahren gegen das Ponyhof-Idyll in den Köpfen der Menschen bezüglich der modernen Landwirtschaft - und dann sowas. Wer zahlt eigentlich, wenn die Tiere mal in Panik ausbrechen und die Menschen schwer verletzen, die sie auf der Wiese herumliegen?"

Wie man sich als Landwirt im Falle einer Kuhattacke richtig absichert, lesen Sie hier.

"Wir müssen uns in die Nicht-Landwirte hineinversetzen"

Doch es gibt auch andere Meinungen. So schreibt eine Landwirtin, dass sie Yoga auf der Weide mit zwei Kälbern anbietet. "Wir haben den Yoga-Bereich abgegrenzt, d.h. einen geschützten Bereich geschaffen. Ich finde, das ist realer Bauernhof-Alltag, der für Nicht-Landwirte nachvollziehbar wird", erklärt sie in der agrarfrauen-Gruppe auf Facebook.

"Ich als Landwirtin bin oft auf der Weide, beobachte, nehme die Tiere war und entschleunige dabei auch. Warum nicht andere Menschen dabei mitnehmen? Ich bin der festen Überzeugung aus der Erfahrung heraus, dass wir Ideen finden müssen, wie wir unseren Alltag in der Landwirtschaft vermitteln und die Stadtbevölkerung mitnehmen. Wir müssen uns mehr in die Nicht-Landwirte hineinversetzen und die Rolle des Kunden einnehmen", so die Bäuerin.

„In der Kobra-Position kann niemand weglaufen“

Menschen machen Kuhyoga in Halver

agrarheute hat auch bei Experten aus der Landwirtschaftsbranche nachgefragt. Dr. Ulrike Sorge, Fachabteilungsleiterin beim Tiergesundheitsdienst Bayern e.V. sagt: „Der Kuhyoga-Annäherungsversuch kann schlimm ausgehen. Man muss beim Umgang mit so großen Tieren, wie dem Rind, immer Obacht walten lassen und notfalls schnell reagieren können."

Selbst die liebste Kuh könne sich erschrecken und einen dabei umrennen. „In der Kobra-Position kann niemand spontan weglaufen. Fazit: Solche Aktionen sind aus fachlicher Sicht und für das Wohl von Mensch und Kuh kategorisch abzulehnen“, so die Tierärztin.

Auch die Begeisterung von Wissenschaftler Dr. Langbein vom Leibnitz Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf hält sich in Grenzen: „Mit Kühen mag ich mir Yoga nicht so recht vorstellen. Wenn der Erste den Kuhfladen direkt auf der Brust hat, ist der Spaß wohl vorbei. Und wenn die Kühe da um die Kursteilnehmer rumstehen oder laufen, weiß ich nicht so recht, was da der Effekt sein soll.“

Yoga mit Zwergziegen: Bessere Idee als Kuhyoga?

Eine Zwergziege streckt die Zunge raus

Folgt man der Einschätzung von Dr. Ulrike Sorge, ist Kuhyoga also nicht die neue Art zu relaxen, sondern sich zu verletzen. Wenn man schon unbedingt Yoga mit Tieren machen will, warum nicht mit jungen Zwergziegen? In den USA ist das zur Zeit sehr angesagt.

Der Vorteil: Die Tiere sind kleiner und die Verletzungsgefahr für den Mensch viel geringer als bei einer Kuh. Selbst der Kot einer Zwergziege ist im Vergleich zum Kothaufen eines Rinds nicht der Rede wert. Vielleicht ist das ja die neue Art zu relaxen?

Mit Material von WDR, Heesfelder Mühle

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